Gesichtserkennung: Clearview soll Fotos britischer Nutzer löschen

Immer mehr Länder lassen die Fotos ihrer Bürger aus der Clearview-Datenbank löschen. In Deutschland passiert weiter nichts.

Artikel veröffentlicht am ,
Systeme zur Gesichtserkennung sind leistungsfähig, aber sehr umstritten.
Systeme zur Gesichtserkennung sind leistungsfähig, aber sehr umstritten. (Bild: David McNew/AFP/Getty Images)

Die britischen Datenschutzbehörde ICO (Information Commissioner's Office) hat das US-Startup Clearview AI aufgefordert, die Fotos britischer Bürger aus seiner Datenbank zu löschen. Darüber hinaus verhängte die Behörde laut Pressemitteilung ein Bußgeld in Höhe von umgerechnet 8,91 Millionen Euro gegen das Unternehmen.

Stellenmarkt
  1. Enterprise Risk Manager (m/w/d)
    OEDIV KG, Bielefeld
  2. Softwareentwickler (m/w/d) Applikationsentwicklung
    WITRON Gruppe, Parkstein (Raum Weiden / Oberpfalz), Rimpar (Raum Würzburg)
Detailsuche

Der Beschluss sei nach einer gemeinsamen Untersuchung mit der australischen Datenschutzbehörde OAIC (Office of the Australian Information Commissioner) erfolgt, hieß es weiter. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, mehr als 20 Milliarden Bilder von Gesichtern sowie dazugehörige Daten aus öffentlich zugänglichen Informationen im Internet und auf Social-Media-Plattformen in der ganzen Welt gesammelt zu haben. "Die Menschen wurden nicht darüber informiert, dass ihre Bilder auf diese Weise gesammelt oder verwendet wurden", schreibt das ICO.

Als weitere Verstöße gegen die Datenschutzbestimmungen wird genannt, dass Clearview kein Verfahren etabliert habe, um eine dauerhafte Speicherung der Daten zu verhindern. Ebenfalls seien die höheren Datenschutzstandards für biometrische Daten nicht eingehalten worden. Der Mitteilung zufolge hat Clearview derzeit keine Kunden in Großbritannien. Zuvor sollen aber Ermittlungsbehörden auf die Datenbank zugegriffen haben. Wegen der hohen Zahl britischer Nutzer im Internet und in den sozialen Medien sei aber davon auszugehen, dass die Datenbank weiterhin eine beträchtliche Menge an deren Daten enthalte, die ohne deren Wissen gesammelt worden seien.

Neben Australien und Großbritannien haben bereits Frankreich und Italien dem US-Unternehmen die Nutzung von Daten ihrer Bürger untersagt.

Golem Karrierewelt
  1. C++ Programmierung Basics: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    05.-09.09.2022, virtuell
  2. Automatisierung (RPA) mit Python: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    03./04.11.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Wie Clearview die Anweisung der verschiedenen Behörden umsetzen kann, ist allerdings unklar. Denn das Unternehmen kann die auf den Fotos abgebildeten Personen nicht eindeutig identifizieren und einer Nationalität zuordnen.

Die genaue Identifikation dürfte in der Regel die Aufgabe der Clearview-Kunden sein, die die Fundstellen der Fotos analysieren müssen. Daher ist Clearview auch nicht in der Lage, die Nutzer über die Aufnahme ihrer Fotos in die Datenbank zu informieren und deren Zustimmung einzuholen.

Bis März 2021 gab es für EU-Bürger noch die Möglichkeit, die Löschung der eigenen Fotos zu verlangen. Dazu musste ein persönliches Foto hochgeladen werden, da Clearview nach eigenen Angaben keine anderen Informationen als öffentlich zugängliche Fotos gespeichert hatte. Diese Möglichkeit gibt es derzeit im Grunde nur für die Bürger der US-Bundesstaaten Kalifornien und Illinois. Zuletzt musste das Unternehmen akzeptieren, seine Datenbank privaten Anbietern nicht mehr zur Verfügung stellen zu dürfen.

Hacking & Security: Das umfassende Handbuch. 2. aktualisierte Auflage des IT-Standardwerks (Deutsch) Gebundene Ausgabe

Bundesdatenschutzbeauftragter nicht zuständig

In Deutschland ist hingegen keine generelle Entscheidung zu Clearview zu erwarten. Ein Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber hatte im März 2022 auf Anfrage von Golem.de mitgeteilt: "Da Clearview keinen Sitz innerhalb der EU hat, sind immer die Datenschutzaufsichtsbehörden am Wohnort der Beschwerdeführenden zuständig. Aufgrund der föderalen Organisation des Datenschutzes in Deutschland hat der BfDI daher bei Clearview keine Zuständigkeit. Uns ist aktuell auch nur von den Kolleginnen und Kollegen aus Hamburg bekannt, dass diese bereits Maßnahmen bei Clearview ergriffen haben."

Für den Hamburgischen Datenschutzbeauftragten hat sich das Thema derzeit aber offenbar erledigt. Dort war verlangt worden, die Daten eines CCC-Mitglieds aus der Datenbank zu löschen. "Nachdem wir unseren konkreten Fall im letzten Jahr insofern abgeschlossen haben, als dass Clearview die biometrischen Daten des Beschwerdeführers aus Hamburg nicht mehr verwenden wird, gibt es derzeit keine weiteren Neuigkeiten", teilte eine Sprecherin im März mit.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Prof.Dau 24. Mai 2022 / Themenstart

Was willst du denn gegen Clearview erreichen? Ich will denen nicht noch mehr daten...

Incognito 24. Mai 2022 / Themenstart

... der muss sich zZt. mit datenschutz-relevanteren Themen rumschlagen, wie den...

herrmausf 24. Mai 2022 / Themenstart

Wenn Kelber ein Interesse hätte hier was zu unternehmen- dann würde er sich doch wohl auf...

mal_so 23. Mai 2022 / Themenstart

Wo ist das Problem, Clearview muss alle Fotos löschen, bei denen Clearview nicht die...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Klima-Ticket
Bund plant Nachfolger für Neun-Euro-Ticket

Das Neun-Euro-Ticket könnte als Klimaticket weiterlaufen. Das geht aus einem Vorschlag für ein neues Klimaschutzsofortprogramm hervor.

Klima-Ticket: Bund plant Nachfolger für Neun-Euro-Ticket
Artikel
  1. Vitali Klitschko: Zweifel an Giffeys Deepfake-These
    Vitali Klitschko
    Zweifel an Giffeys Deepfake-These

    Die Berliner Staatskanzlei spricht von einem Deepfake beim Gespräch zwischen Bürgermeisterin Franziska Giffey und dem falschen Klitschko. Nun gibt es eine neue These.

  2. Feuerwehr: E-Auto-Brand zerstört Haus - Photovoltaik erschwert Löschen
    Feuerwehr
    E-Auto-Brand zerstört Haus - Photovoltaik erschwert Löschen

    Feuerwehrleute in Hessen hatten Probleme, einen Elektroauto-Brand, der auf ein Wohngebäude übergriff, zu löschen. Auf dem Dach befand sich Photovoltaik.

  3. Studie VW ID.Aero vorgestellt: Elektrischer Passat soll 620 km weit kommen
    Studie VW ID.Aero vorgestellt
    Elektrischer Passat soll 620 km weit kommen

    Nach der elektrischen Kompaktklasse und SUVs legt VW nun mit einer Limousine nach. Die Studie ID.Aero erinnert sehr stark an ein Verbrennermodell.
    Ein Bericht von Friedhelm Greis

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MSI 32" WQHD 165 Hz günstig wie nie: 399€ • Saturn-Fundgrube: Restposten zu Top-Preisen • MindStar (AMD Ryzen 9 5900X 375€, Gigabyte RX 6900 XT 895€) • Samsung Galaxy Watch 4 Classic 46 mm 205€ [Werbung]
    •  /