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Die andere Seite: Millionenstrafen gegen Datenschutzverstöße

Allerdings musste Clearview schon Millionenstrafen wegen Verstößen von Datenschutzbestimmungen(öffnet im neuen Fenster) unter anderem in Großbritannien, Frankreich und Italien zahlen. Doch nicht nur dieses Vorgehen des Unternehmens sollte in der Frage, ob die Bundesregierung die Nutzung des Dienstes in Betracht ziehen sollte, beleuchtet werden, sondern auch der Gründer und die Personen hinter Clearview AI.

Schon im Jahr 2020 berichtete die Huffpost, dass der CEO von Clearview, Cam-Hoan Ton-That, Verbindungen zur Alt-Right-Bewegung in den USA habe. Er soll laut dem Bericht auch zahlreiche Mitarbeiter mit rechtsextremer Gesinnung eingestellt haben. "Wie sich herausstellte, trug Big Brother eine Maga-Kappe," schrieb die Huffpost in ihrem Bericht(öffnet im neuen Fenster).

Schon 2015, so berichtete die Huffpost, habe er sich mit Rechtsextremen vernetzt, die daran arbeiteten, Donald Trump zum Präsidenten zu machen. Zu ihnen gehörten demnach Mike Cernovich, ein mit Trump verbündeter Propagandist, mitverantwortlich für Pizzagate; Andrew "weev" Auernheimer, ein neonazistischer Hacker mit Hakenkreuz-Tattoo und Webmaster von The Daily Stormer, einer neonazistischen, antisemitischen Website in den USA.

Der Bericht der Huffpost beschreibt noch weitere Verbindungen des CEO von Clearview AI und prominenten Persönlichkeiten, die mit rechtsextremen und weißnationalistischen Bewegungen in Verbindung stünden.

Vom Hacker zum Start-up-Gründer

Bevor er Clearview gründete, kreierte Ton-That zudem mehrere Apps, die darauf abzielen, dass Leute ihre Daten freigeben, unter anderem eine mittlerweile deaktivierte App aus dem Jahr 2016 namens Lifestream, die es Nutzern ermöglichen sollte, mit dem Smartphone geschossene Fotos automatisch mit Kontakten in Echtzeit zu teilen. "Man opfert ein bisschen Privatsphäre für jede Menge Spaß,"steht in der App-Beschreibung(öffnet im neuen Fenster). Zeitgleich soll er auch auf Twitter aktiv gewesen sein und immer wieder rassistische Statements geteilt haben.

Wer noch tiefer in die Vergangenheit des Australiers abtaucht, der im Jahr 2007 die Uni abbrach und nach San Francisco zog, stößt auf Phishing. Bevor er also Nutzer dazu brachte, ihm seine Daten freiwillig oder unwissend zur Verfügung zu stellen, machte er mit dem Verschicken eines Wurms an Googletalk-Nutzer, der zu einem gefälschten Log-in führte(öffnet im neuen Fenster), Schlagzeilen.

Thiel als Clearview-Investor

Ton-That soll 2016 zudem an einem Abendessen mit dem White-Supremacy-Aktivisten Richard Spencer teilgenommen haben, das von Jeff Giesea organisiert wurde, einem Geldgeber der Alt-Right-Bewegung und Vertrauten des Palantir-Gründers Peter Thiel.

Apropos Thiel: Finanziert wurde Clearview unter anderem von dem Palantir-Mitbegründer. Als das Unternehmen 2017 gegründet wurde, hieß es zunächst Smartcheckr und hatte drei Anteilseigner: Charles Johnson, Cam-Hoan Ton-That und Richard Schwartz. Doch Johnsons öffentliche Leugnung des Holocaust war für die anderen beiden Anteilseigner so rufschädigend, dass sie ihn hinauswarfen und das Unternehmen 2018 in Clearview umbenannten.

"Clearview und die meisten Medienberichte vermitteln den Eindruck, dass Ton-That und Schwartz Johnson zu diesem Zeitpunkt aus dem operativen Geschäft ausgeschlossen hätten. Doch laut E-Mails, die mir vorliegen, stand Johnson seinen Mitbegründern noch fast zwei weitere Jahre lang mit Rat und Tat zur Seite und vermittelte ihnen Kontakte zu anderen potenziellen Investoren und Kunden,"schreibt das linksliberale US-Magazin Mother Jones(öffnet im neuen Fenster) in einem Bericht aus dem Jahr 2025. In der New York Times sagte Ton-That(öffnet im neuen Fenster) hingegen, dass Johnson nie offiziell Teil des Unternehmens gewesen sei – gleichzeitig wurde dort berichtet, dass er Ton-That mit Thiel bekannt gemacht haben soll.


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