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Hinweis im Bahnhof Südkreuz auf das Pilotprojekt zur Gesichtserkennung
Hinweis im Bahnhof Südkreuz auf das Pilotprojekt zur Gesichtserkennung (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de/CC-BY-SA 3.0)

Digitalcourage verschläft technische Entwicklung

Aus Sicht der Technikhistorie ist die Gleichsetzung von Kreditkartengröße mit RFID nicht ganz von der Hand zu weisen. Lange Zeit war nur die NFC- und RFID-Technik dünn genug, um in nur wenige Millimeter dicke Behältnisse zu passen. Schon eine kurze Google-Bildersuche zeigt jedoch, wie flexibel der Begriff benutzt wird. Selbst ein vergleichsweise dicker Raspberry Pi wird als Rechner in Kreditkartengröße bezeichnet.

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Vollkommen absurd wird es beim Thema Kreditkartengröße im Update des Blogbeitrags: "Eine Kreditkarte mit Batteriefach wäre eine technisch sensationelle Neu-Entwicklung von Innenministerium und Bundespolizei." Digitalcourage versucht sich in Satire, beweist aber damit nur die eigene Unkenntnis. Französische Banken geben seit September 2015 (!) Kreditkarten mit einem E-Paper-Display für dynamisch generierte Kartenprüfnummern aus. Als Energiequelle dient eine Lithium-Ionen-Batterie mit drei Jahren Lebensdauer - entsprechend der Gültigkeitsdauer der Karte.

Projekt nutzt böse, proprietäre Apple-Technik - nicht

Während sich Digitalcourage beim Begriff Kredikartengröße penibel zeigt, gestattet sich der Verein an anderer Stelle mehr begriffliche Freiheiten. Er bezeichnet den Transponder als iBeacon und verlinkt auch noch auf den zugehörigen Wikipedia-Artikel, der gleich im ersten Satz eine große amerikanische Firma und "proprietärer Standard" erwähnt. Der Hersteller des Transponders spricht allerdings nicht grundlos nur von Beacon ohne i bei seinem Produkt. Auch Behörden sprechen nur von "iBeacon-Funktion".

Zwar kommt für die reine Identifikationsfunktion tatsächlich das gleiche Protokoll wie bei iBeacons zum Einsatz. Doch um das Gerät als iBeacon bezeichnen zu können, müsste der Transponder dafür eine von Apple lizenzierte ID besitzen. Doch der App-Screenshot von Digitalcourage selbst zeigt, dass das nicht der Fall ist.

Mehr Sensoren in der Hardware als notwendig

Ein weiterer - an sich korrekter - Vorwurf lautet, der Transponder erhebe zusätzliche Daten und speichere diese womöglich, obwohl sie keinerlei Relevanz im Rahmen des Projekts hätten. Der Transponder besitzt einen Temperatursensor und sowie einen Beschleunigungsmesser, unter anderem für Energiesparfunktionen. Das ergibt sich aus der Herstellerdokumentation und einem weiteren App-Screenshot von Digitalcourage.

Fragwürdig sind allerdings erneut die Spekulationen des Vereins zum Abruf dieser Daten. Dabei müssen wir die aktuelle Temperatur- und die Accelerometerdaten sowie die möglicherweise gespeicherten Daten getrennt betrachten.

Aufgrund der öffentlichen Dokumentation zum Transponder und unter Kenntnis des Bluetooth-Low-Energy- sowie iBeacon-Standards scheint es, als ob das Gerät im Rahmen seiner Identifikationsaussendungen auch den aktuellen Temperaturmesswert übermitteln kann. Das geht innerhalb weniger Millisekunden - also auch im Vorbeigehen an einer Transponder-Erfassungsstelle im Bahnhof Südkreuz.

Innenministerium verneint Datenübertragung

"Die iBeacon-Funktion sowie der Beschleunigungssensor wurden beide im Auslieferungszustand inaktiv geschaltet und werden nicht genutzt", teilte das Bundesinnenministerium auf Anfrage von Golem.de mit, was auch der Hersteller bestätigte. Die beim Projekt eingesetzten Transponder sendeten in der ausgelieferten Konfiguration pro Sekunde einmal die Transponderadresse (ID), die Signalstärke, den Batteriestand sowie die Temperatur des Transponders. Ob das stimmt, kann jeder auch mit geringsten Mitteln zu Hause prüfen, ganz ohne Hersteller-App oder proprietäres Programm. Wie das geht, haben wir schon vor drei Jahren erklärt. Wäre die iBeacon-Funktion aktiv, würde sich ein Teil der Advertising-Daten des Geräts mit jeder Temperaturmessung ändern.

Komplizierter wird es hinsichtlich der Accelerometerdaten. Diese können gar nicht per iBeacon-Modus versendet werden, dafür sind sie zu groß. Der Transponder benötigt hierfür einen expliziten Verbindungsaufbau über Bluetooth Low Energy. Das kostet Zeit, zwar nur wenige Sekunden, doch es würde einen expliziten Halt vor der Transponder-Erfassung erfordern. Weder die FAQ der Bundespolizei noch Digitalcourage erwähnen eine solche Verhaltensvorgabe für die Teilnehmer.

Digitalcourage hat Transponder neu konfiguriert

Nun zeigt ein Screenshot der Hersteller-App für den Transponder aber eindeutig Accelerometerdaten, während das Innenministerium von einer Inaktivierung spricht. Der Beacon-Hersteller, die Schwarzwälder Schneider Schreibgeräte GmbH, erläuterte dazu auf Anfrage von Golem.de: "Der Sensor ist nicht-verbindbar ausgeliefert worden. Den Zustand kann man ändern, wenn man die Batterie herausnimmt und wieder einsetzt. Dann ist er für 30 Sekunden verbindbar und kann neu konfiguriert werden." Das hat Digitalcourage offenbar gemacht.

 Gesichtserkennung am Südkreuz: Warum Digitalcourage "falsch informiert" hatDaten sammeln ohne Speicher 

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Askaaron 30. Aug 2017

Letztlich geht es um Presse und Aufmerksamkeit. Da sind Details dann nicht mehr so...

Askaaron 30. Aug 2017

Offenbar hast Du den Artikel nicht wirklich gelesen. Digitalcourage wird - zurecht...

Clara 29. Aug 2017

Die Phrase meinte ich nicht. Bei den Fällen, die ich mitbekommen habe, waren sie nicht...

Rocky Horror... 29. Aug 2017

Eine gute Idee, das fördert die Durchblutung.

Rocky Horror... 29. Aug 2017

Doch, mich stört das sehr.



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