Gesichtsbilder: Polizei-Behörden erhalten europaweit mehr Datenzugriff

Über 60 Millionen biometrische Fotos sollen Polizei-Behörden im Schengen-Raum zugänglich gemacht werden. Auch ein zentraler Datenspeicher ist geplant - und mehr.

Ein Bericht von Matthias Monroy veröffentlicht am
Die EU plant ein Nachfolgeabkommen für Prüm.
Die EU plant ein Nachfolgeabkommen für Prüm. (Bild: Pixabay / Montage: Golem.de)

Fingerabdrücke, nicht codierende DNA-Daten, Kraftfahrzeug- und Halterdaten können die meisten europäischen Länder bereits untereinander abfragen. Jetzt sollen auch Gesichtsbilder und Polizeiakten dazukommen. Das eigentlich dezentrale System erhält einen zentralen Router bei einer EU-Agentur. Das deutsche Bundeskriminalamt ist bei den Plänen tonangebend.

Inhalt:
  1. Gesichtsbilder: Polizei-Behörden erhalten europaweit mehr Datenzugriff
  2. Dezentral mit zentralem Router
  3. Daten von Geheimdiensten aus Drittstaaten

Grundlage für die Zusammenarbeit ist der Vertrag von Prüm, den 2005 zunächst sieben EU-Mitglieder in der Eifel-Stadt unterzeichnet haben. Drei Jahre später folgte der EU-Prüm-Beschluss, womit das Regelwerk zur Verbesserung des polizeilichen Datenaustauschs in der gesamten Union Gültigkeit erhielt. Als Nicht-EU-Staaten nehmen auch Norwegen, Island, die Schweiz, Liechtenstein sowie Großbritannien am Prüm-Verbund teil.

Zum zehnjährigen Bestehen des Beschlusses 2018 schlug der Rat vor, die Zusammenarbeit auf Gesichtsbilder auszuweiten. Für ein solches Prüm II hat die Kommission jüngst einen Entwurf vorgelegt.

Mindestens 60 Millionen Gesichtsbilder

Mit Gesichtsbildern in Prüm II kann eine Polizeibehörde in anderen Ländern erfahren, ob dort zu einer unbekannten Person Informationen vorliegen. Neben den polizeilichen Lichtbilddateien können für eine solche Abfrage auch Standbilder aus öffentlichen Überwachungskameras verwendet werden.

Stellenmarkt
  1. Senior Business Analyst*
    IKOR GmbH, deutschlandweit, remote
  2. Projektverantwortliche:r - Infotainment Diagnose
    IAV GmbH, Gifhorn
Detailsuche

Deshalb soll das neue EU-Gesichtserkennungssystem Suchläufe mit Bildern schlechterer Qualität ermöglichen. Laut einer Machbarkeitsstudie des Beratungsunternehmens Deloitte würden dabei jedoch einige falsche Treffer erzeugt. Die zu erwartenden Ermittlungserfolge würden dieses Manko aber überwiegen, heißt es in einem EU-Papier.

Laut einer Präsentation der Kommission verfügen derzeit elf EU-Staaten über nationale Datenbanken mit Lichtbildern. Die Hälfte von ihnen hat Angaben zur Zahl der dort gespeicherten Personen gemacht; demnach würden über ein Prüm II allein in diesen sechs Ländern 60 Millionen Gesichtsbilder zugänglich gemacht.

Hacking & Security: Das umfassende Handbuch. 2. aktualisierte Auflage des IT-Standardwerks (Deutsch) Gebundene Ausgabe

Zwang zur Einrichtung einer Gesichter-Datenbank?

Mit einer im polizeilichen Inpol-System angesiedelten Lichtbilddatei war Deutschland 2008 Vorreiterin einer solchen Datensammlung. In der beim BKA zentral geführten Datenbank sind mittlerweile fast sechs Millionen biometrische Fotos zu beinahe ebenso vielen Personen gespeichert; die Zahl der Einträge wird jedes Jahr größer. Die biometrischen Fotos stammen etwa aus einer erkennungsdienstlichen Behandlung oder aus Asylanträgen.

Das BKA ist auch tonangebend bei der Ausweitung des Prüm-Systems auf seine zweite Generation. Deutsche Beamte sind Teil einer "Fokusgruppe", die sich im Projekt "Next Generation Prüm" mit der technischen Umsetzung des Abgleichs von Gesichtsbildern befasst. Mindestens ein Treffen der Gruppe, die von Österreich geleitet wird, fand dazu in Wiesbaden statt.

In den zuständigen Ratsarbeitsgruppen, in denen der Vorschlag für ein Prüm II derzeit behandelt wird, herrscht Uneinigkeit, ob die Teilnahme an dem System vorgeschrieben oder freiwillig sein soll. Ein Zwang würde bedeuten, dass auch jene Länder, die über keine zentrale Datei mit Gesichtsbildern verfügen, eine solche einrichten müssten. Auch die entstehenden Kosten müssten aus den nationalen Haushalten getragen werden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Dezentral mit zentralem Router 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


NativesAlter 28. Jan 2022

Fixed it for you. ;) SCNR

k2r 28. Jan 2022

Hey, die Leute gehen immerhin dafür auf die Strasse, OHNE Maske in den Supermarkt gehen...

k2r 28. Jan 2022

Das kommt natürlich wieder völlig überraschend und ist natürlich wieder total vergessen...

Leviosa 27. Jan 2022

Nicht bei Politiker mit beleidigen oder Sarkastischen Äusserungen, wenn dich dann die...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Sicherheitslücke
Die Schadsoftware, die auf ausgeschalteten iPhones aktiv ist

Forschern ist es gelungen, eine Schadsoftware auf ausgeschalteten iPhones mit vermeintlich leerem Akku auszuführen. Denn ganz aus sind diese nicht.

Sicherheitslücke: Die Schadsoftware, die auf ausgeschalteten iPhones aktiv ist
Artikel
  1. Bundeswehr: Das Heer will sich nicht abhören lassen
    Bundeswehr
    Das Heer will sich nicht abhören lassen

    Um sicher zu kommunizieren, halten die Landstreitkräfte in NATO-Missionen angeblich ihre Panzer an und verabreden sich "von Turm zu Turm".
    Ein Bericht von Matthias Monroy

  2. Einstieg in Linux mit drei Online-Workshops
     
    Einstieg in Linux mit drei Online-Workshops

    Linux-Systeme verstehen und härten sowie die Linux-Shell programmieren - das bieten drei praxisnahe Online-Workshops der Golem Akademie.
    Sponsored Post von Golem Akademie

  3. Milliarden-Übernahme: Musk spricht von günstigerem Übernahmeangebot für Twitter
    Milliarden-Übernahme  
    Musk spricht von günstigerem Übernahmeangebot für Twitter

    Mit Blick auf die Zählung von Spam-Konten bei Twitter hat Elon Musk gefragt, ob die mehr als 200 Millionen Twitter-Nutzer angerufen worden seien.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 400€ Rabatt auf Gaming-Stühle • AOC G3 Gaming-Monitor 34" UWQHD 165 Hz günstig wie nie: 404€ • Xbox Series X bestellbar • MindStar (u.a. Gigabyte RTX 3090 24GB 1.699€) • LG OLED TV (2021) 65" 120 Hz 1.499€ statt 2.799€ [Werbung]
    •  /