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Gesetzliches Verbot: Die schlechte Adblocker-Satire der Verleger

Die Verleger rufen im Streit um Adblocker nach dem Gesetzgeber. Das ist eine gute Tradition in Deutschland und würde mit einem Schlag Millionen Nutzer kriminalisieren.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Die deutschen Verleger drängen auf ein Verbot von Adblockern.
Die deutschen Verleger drängen auf ein Verbot von Adblockern. (Bild: Adblock Plus)

Wenn der Berliner Schriftsteller und Satiriker Kurt Tucholsky zitiert wird, sind es meist die Klassiker "Satire darf alles" oder "Soldaten sind Mörder". Weil Letzteres der Bundeswehr oft nicht gefällt, reicht bei Rekrutenvereidigungen schon der Satz "Tucholsky hat recht" - und alle wissen, was gemeint ist. Die deutschen Verleger scheinen ihren Tucholsky ebenfalls ganz gut zu kennen, denn sie haben eine seiner weniger bekannten Einschätzungen ziemlich gut verinnerlicht. Das sieht man auch an ihrem jüngsten Gesetzesvorschlag zum Verbot von Adblockern.

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Natürlich könnte man den Vorschlag des Verbandes der NRW-Verleger unter dem Stichwort Satire abheften. Die darf schließlich alles. Oder meinen die Verlage ernsthaft, die Verbreitung von Adblockern sei für den Brexit oder den Wahlsieg von Donald Trump mit verantwortlich? Doch ebenso wie beim Leistungsschutzrecht denken die Verleger weniger an die Freiheit der Satire als an einen Satz Tucholskys aus dem Text Wir Negativen: "Politik kann man in diesem Lande definieren als die Durchsetzung wirtschaftlicher Zwecke mit Hilfe der Gesetzgebung."

Die Politik soll es wieder mal richten

Wenn es Probleme mit dem Geschäftsmodell gibt und die Gerichte beim soundsovielten Versuch nicht mitmachen, die unliebsame Konkurrenz auszuschalten, muss eben die Politik ran. Wie gut, dass man über gewisse Kontakte verfügt und zur Not über die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten den Medien-Kommissionen bestimmte Themen aufdrücken kann. Was beim Leistungsschutzrecht hervorragend funktioniert hat, könnte auch bei Adblockern gelingen.

Mit ihrem Gesetzesvorschlag gehen die Verleger aber noch weiter. Sie wollen nicht nur die Herstellung und den Vertrieb von Adblockern verbieten, sondern auch deren Verwendung. Damit würden sie mit einem Schlag Millionen Nutzer in Deutschland kriminalisieren. Den Verlagen ist offenbar klar, dass sich die Herstellung und Verbreitung von Adblockern von Deutschland aus nicht weltweit verbieten lässt. Was bleibt dann anderes übrig, als diejenigen Nutzer zu ermitteln und abzumahnen, die weiterhin einen Adblocker verwenden?

Mit Gewalt in werbefreie Abos zwingen?

Keine Frage: Werbeblocker fügen den Verlagen, auch Golem.de, wirtschaftlichen Schaden zu. Allerdings kommen die Verlage auch nicht auf die Idee, Internetportale für Rubrikenanzeigen wie Immobilienscout oder Monster.de zu verbieten. Im Gegenteil. Der Axel-Springer-Verlag hat längst Portale wie Immonet oder Stepstone übernommen, um an der Digitalisierung zu verdienen. Gleichzeitig soll der Gesetzgeber aber dafür sorgen, dass die vordigitalen Geschäftsmodelle der Verlage, die auf einer Verbindung von Inhalten mit Anzeigen basieren, auch im Netz gewahrt bleiben. Die Querfinanzierung von Journalismus durch Anzeigen kann innerhalb eines Verlages auch funktionieren, ohne dass die Anzeigen unter dem Dach des Pressemediums veröffentlicht werden.

Leider wäre zu befürchten, dass mit einem Adblocker-Verbot die Onlinewerbung vielfach unerträglich würde. Schon jetzt passiert es häufig genug, dass Videos mit Ton automatisch beim Besuch einer Website losplärren. Die digitale Selbstverteidigung von Nutzern mit Hilfe von Adblockern ist daher teilweise nachvollziehbar. Von Malware oder Tracking ganz zu schweigen. Oder wollen die Verlage mit extrem aufdringlicher Werbung ihre Leser mit Gewalt in ein werbefreies Abo zwingen, wie es Golem.de bereits anbietet? Damit liefen die Medien Gefahr, viele Nutzer ganz zu vergraulen.

BGH könnte Einigung auf akzeptable Werbung beschleunigen

Bedauerlich ist zudem, dass das eigentlich sinnvolle Modell von "akzeptabler Werbung" durch das Gebaren des Adblock-Plus-Betreibers Eyeo für die Verlage und Werbewirtschaft ein rotes Tuch ist. Vielleicht würde es in diesem Zusammenhang helfen, wenn der Bundesgerichtshof (BGH) das bezahlte Whitelisting von Anzeigen untersagen würde. Dann würde es vielleicht möglich, gemeinsam entsprechende Kriterien zu entwickeln und für die zusätzlichen Einnahmen nicht 30 Prozent an Eyeo abdrücken zu müssen.

Doch die Verlage agieren nach dem Motto: Alles oder nichts. Trotz des Teilerfolgs vor dem Oberlandesgericht Köln will der Axel-Springer-Verlag sämtliche Anzeigen durch das Acceptable-Ads-Programm bringen. Was die Verlage unter "wirklich kreativer Werbung" verstehen, ist für viele Nutzer der entscheidende Grund, einen Adblocker überhaupt einzuschalten.

Es bleibt zu hoffen, dass sich der Gesetzgeber anders als beim Leistungsschutzrecht dieses Mal nicht vor den Karren der Verlage spannen lässt. Tucholsky dürfte es postum verschmerzen dürfen, in diesem Fall nicht recht behalten zu haben.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)



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go4java 25. Feb 2018

Danke, klingt interessant. 1.) wie groß ist der zeitliche Aufwand, einen Pi von Grund auf...

bonum 22. Mär 2017

Die NUTZER müssen diese "Verlage" verklagen, denn die Nutzer zahlen für den Download von...

alsomalwirklich 17. Mär 2017

+1

alsomalwirklich 17. Mär 2017

full ack falls du dich an deine fernsehzeit noch erinnerst: du hattest ne super...

david_rieger 16. Mär 2017

1) Karten kaufen und live vor Ort anschauen 2) (nachträgliche) Berichterstattung ohne...


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