Gesetzesentwurf: Ein Etikettenschwindel bremst das automatisierte Fahren aus

Eine neue Qualität des Autofahrens sollte der Gesetzesentwurf der großen Koalition ermöglichen - und scheitert daran. Unklare Bestimmungen und hohe Haftungsrisiken für den Fahrer verhindern jede Entwicklung zu hoch- oder vollautomatisiertem Fahren.

Eine Analyse von Hannes Doderer/IKEM veröffentlicht am
Das hochautomatisierte Fahren will künftig gut überlegt sein.
Das hochautomatisierte Fahren will künftig gut überlegt sein. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Bekommt Deutschland in wenigen Wochen das "modernste Straßenverkehrsrecht der Welt", wie es Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vollmundig behauptet? Der im Januar dieses Jahres vom Kabinett beschlossene Gesetzesentwurf soll die rechtlichen Grundlagen für hoch- und vollautomatisierte Fahrzeuge schaffen. Trotz der weitreichenden Kritik von Bundesrat und Opposition, Verbraucher- und Datenschützern sowie Verkehrsverbänden will die große Koalition die Pläne bislang nicht wesentlich verändern. Doch der Entwurf hält bei weitem nicht, was die Regierung verspricht. Eine neue Qualität des Autofahrens, die Nebentätigkeiten ermöglicht, wird damit gerade nicht erreicht.

Inhalt:
  1. Gesetzesentwurf: Ein Etikettenschwindel bremst das automatisierte Fahren aus
  2. Einschlafen nicht erlaubt
  3. Minister führen in die Irre
  4. Mangelhafte Datenschutzbestimmungen

Mit der Novelle des Straßenverkehrsgesetzes soll auf nationaler Ebene erstmals definiert werden, was Fahrzeuge mit hoch- oder vollautomatisierter Fahrfunktion sind und in welchem Verhältnis die Aufgaben des Automatisierungssystems zu den Verhaltenspflichten des menschlichen Fahrers stehen. Demnach ist der Betrieb solcher Fahrzeuge zulässig, "wenn die Funktion bestimmungsgemäß verwendet wird". Die Funktionen müssen unter anderem "jederzeit durch den Fahrzeugführer manuell übersteuerbar oder deaktivierbar" sein.

Es existieren gleichzeitig zwei "Fahrzeuglenker"

Festgelegt wird im Entwurf zudem, dass der Fahrer auch während automatisierter Fahrphasen als Fahrzeugführer gilt und damit den modifizierten Verhaltenspflichten im Straßenverkehr nachzukommen hat. Ein wesentliches Kernstück des Gesetzesentwurfs ist folglich, dass es während automatisierter Fahrphasen zwei Akteure gibt, die sich mit der Fahrweise des Fahrzeugs auseinanderzusetzen haben.

Zum einen ist dies das technische Automatisierungssystem, das in der Lage sein muss, das Fahrzeug entsprechend den Verkehrsvorschriften zu lenken und Systemgrenzen zu erkennen, die eine Rückübergabe der Steuerung an den menschlichen Fahrer erforderlich machen. Für diesbezügliche Fehler hat nach den Regelungen der Produkt- bzw. Produzentenhaftung grundsätzlich der Hersteller einzustehen.

Überwachungspflicht bleibt bestehen

Stellenmarkt
  1. Anwendungsbetreuer (m/w/d) mit Schwerpunkt Softwareentwicklung
    KEMNA BAU Andreae GmbH & Co. KG, Pinneberg
  2. Administrator ServiceNow (m/w/d)
    operational services GmbH & Co. KG, Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, München
Detailsuche

Zum anderen ist dies der menschliche Fahrzeugführer, der nach dem Gesetzesentwurf nicht etwa gänzlich von einer Überwachungspflicht während automatisierter Fahrphasen befreit ist, sondern gegebenenfalls auftretende technische oder sensorische Unzulänglichkeiten des Automatisierungssystems kompensieren muss und für dahingehende Pflichtverstöße einzustehen hat.

Bestehen für zwei Akteure Verpflichtungen hinsichtlich der Fahrzeugsteuerung, bedarf es einer sicheren Abgrenzung der Verantwortlichkeiten auf Gesetzesebene, denn der Anwender muss wissen, welche Rechtsfolgen sich aus seinem Verhalten ergeben. Die Bundesregierung will im Gesetzesentwurf das Zusammenwirken zwischen Fahrzeugführer und dem technischen Automatisierungssystem durch Verhaltenspflichten gegenüber dem Fahrzeugführer regeln.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Einschlafen nicht erlaubt 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5.  


Jojo10 29. Mär 2017

Dagegen sprechen: -die Fahrschullehrer-Lobby (wer braucht dann noch einen Fuehrerschein...

Solarix 29. Mär 2017

ich habe in meinem derzeitigen Auto auch einige halbautomatische Systeme eingebaut...

sedremier 28. Mär 2017

Mal ehrlich - bevor ich bei sowas dann ggf auf einmal hochschrecken muss und jederzeit in...

andy01q 28. Mär 2017

Du liegst weit daneben. Tesla hat einen Autopilot. Der fährt auf Landstraßen bis 100km...

matok 27. Mär 2017

Dafür sehen die vielen Sensoren des Fahrzeugs viel mehr, als ein Mensch und der Computer...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Prozessoren
Intel lagert zehn Jahre alte Hardware in geheimem Lagerhaus

Tausende ältere CPUs und andere Hardware lagern bei Intel in einem Lagerhaus in Costa Rica. Damit lassen sich Probleme exakt nachstellen.

Prozessoren: Intel lagert zehn Jahre alte Hardware in geheimem Lagerhaus
Artikel
  1. Zu wenig Triebwerke: Musk warnt vor SpaceX-Pleite
    Zu wenig Triebwerke
    Musk warnt vor SpaceX-Pleite

    Elon Musk sieht sich der nächsten "Produktionshölle" ausgesetzt. Dieses Mal stockt die Fertigung im Raumfahrtunternehmen SpaceX.

  2. 470 - 694 MHz: Streit um DVB-T2 und Veranstalterfrequenzen spitzt sich zu
    470 - 694 MHz
    Streit um DVB-T2 und Veranstalterfrequenzen spitzt sich zu

    Nach dem Vorstoß von Baden-Württemberg, einen Teil des Frequenzbereichs an das Militär zu vergeben, gibt es nun Kritiken daran aus anderen Bundesländern.

  3. Factorial Energy: Mercedes und Stellantis investieren in Feststoffbatterien
    Factorial Energy
    Mercedes und Stellantis investieren in Feststoffbatterien

    Durch Festkörperakkus sollen Elektroautos sicherer werden und schneller laden. Doch mit einer schnellen Serienproduktion ist nicht zu rechnen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Nur noch heute: Bis zu 75% auf Switch-Spiele • AOC 31,5" WQHD 165Hz 289,90€ • Gaming-Sale bei MediaMarkt • G.Skill 64GB Kit DDR4-3800 319€ • Bis zu 300€ Direktabzug: u. a. TVs, Laptops • WD MyBook HDD 18TB 329€ • Switch OLED 359,99€ • Xbox Series S 275,99€ [Werbung]
    •  /