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Führung durch Folienpflege ersetzt

Jede Woche folgt das gleiche Ritual: Entwürfe werden präsentiert, danach die finalen Versionen und schließlich die englische Ausgabe für den internationalen Austausch. Folien werden gefeiert wie Oscar-Gewinner, weil Überschriften noch eleganter klingen und Bilder nun exakt an der richtigen Stelle sitzen. Während draußen echte Probleme auf Lösungen warten, diskutiert man drinnen, ob "therefore" oder "thus" professioneller wirkt. Irgendwann stellt sich unweigerlich die Frage: Wann wurde Führung eigentlich durch Folienpflege ersetzt? Vielleicht genau in dem Moment, als Loyalität bedeutete, jedes Wochenende mitzuarbeiten – solange nur der Zeilenabstand perfekt war.

➤ Chef arbeitet gern unten inhaltlich mit, anstatt zu koordinieren.

➤ Ich arbeite bei der DB Systel und auch wenn die Bahn kein Geld hat und nach außen hin oft doof dasteht, macht es echt Spaß und mein Vorgesetzter ist ein netter Typ. End of story.

➤ Chef ist nicht präsent. Hat keine Struktur. Sollen seine Mitarbeiter alles unter sich ausmachen.

➤ Meinen Chef empfinde ich einfach als anstrengend und unhöflich:

Er kommt regelmäßig 5-10 Minuten zu spät zu Meetings, alle müssen auf ihn warten. Die Agenda wird oft wegen angeblich "dringenden und wichtigen" Themen verworfen, dabei sind es meist nur Kleinigkeiten, worüber sich wichtige Stakeholder beschweren (ganz nach dem Motto: Wer am lautesten schreit, bekommt Recht).

Selbst bei einfachen Rückfragen erhält man keine Antwort ohne Erinnerung an die Frage

Während der Meetings schreibt er fleißig Slack-Nachrichten bzw. E-Mails und entschuldigt sich danach, dass er gerade nicht zugehört hat und man das Gesagte nochmal wiederholen sollte. Sein Terminkalender ist grundsätzlich voll. Er hat noch 1:1-Termine im Kalender mit Leuten, die das Unternehmen bereits verlassen haben. Dadurch ist es unmöglich, mit ihm kurzfristig einen Termin zu vereinbaren. Man muss ihn regelmäßig erinnern, Slack-Nachrichten und E-Mails auch zu beantworten.

Selbst bei einfachen Rückfragen erhält man keine Antwort ohne Erinnerung an die Frage. Wenn er jedoch etwas von einem will, muss es dagegen immer ständig und sofort sein. Das Ganze wird dadurch getoppt, dass er bei allen Themen beteiligt sein will und daher nichts ohne ihn geht. Es ist einfach nur anstrengend und kompliziert.

PS: Ich arbeite in einer Strategie-Abteilung und sein Verhalten empfinde ich einfach vollkommen unstrategisch.

➤ Mein Teamleiter ist wirklich super, er schützt das Team vor Management-Shitstorms und nimmt Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Untertanen.

Der R&D-Direktor eine Ebene höher ist allerdings im besten Fall als problematisch zu bezeichnen. Er ist super in der Selbstvermarktung und das ist wohl auch der Hauptgrund, warum er dort ist, wo er heute ist. Allerdings übersteht er als Direktor Fachgebieten, von denen er keine Ahnung hat. Das ist per se erst mal nicht schlimm, in diesem Falle allerdings schon. Denn sein Ego lässt es nicht zu, diese Wissenslücken zuzugeben. In Kombination mit seinem Hang zum Mikromanagement führt dies zu den absurdesten Management-Entscheidungen, die aus meiner Sicht weder technisch noch ökonomisch Sinn ergeben.

Weiterhin mag er Ja-Sager, die ihm zustimmen. Ich habe ihn schon mehrfach sachlich kritisiert und bin daher vermutlich auf der Abschussliste. Ich selbst habe die Situation akzeptiert und warte auf das Ende. Ich bin leider in einer "locked-in"-Situation und ein Wechsel ist momentan nur unter erheblichen Gehaltseinbußen und Einbußen der Lebensqualität zu realisieren. Daher schaue ich mir das Trauerspiel weiterhin an, vielleicht gibt's ja mal 'ne Kündigung mit einer netten Abfindung.


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