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Inhalt kann man später noch betrachten

Nach ein paar Wochen bekam ich mein erstes eigenes kleines Projekt und nutzte dort, was ich alles gelernt hatte. Nach der Abgabe rief mein Chef das ganze Team in einen Konferenzsaal. Man merkte direkt, dass er wütend war. Er zeigte meinen Code an der Wand und beschwerte sich darüber, dass er ihn nicht lesen könne. Ich fragte, was damit verkehrt sei. Für mich war er nicht perfekt, aber schon qualitativ hoch, ich gab mir Mühe.

"Mit der Zeit lernte ich aber, dass mein Chef einfach ein Choleriker war"

Er zeigt auf eine Stelle, an der ich ein Feature aus den neueren Versionen genutzt hatte. Wohlgemerkt: Es gab bei uns keine Richtlinien, was die Version von C# anging. Wir nutzten standardmäßig den letzten Release.

Er meinte dann, er kenne dieses Feature nicht und könne meinen Code daher nicht reviewen. Ich fragte ihn verwundert, warum er es nicht nachlesen und das neue Feature lernen wolle, woraufhin er mich anschrie, dass seine Zeit zu wertvoll sei, um sie mit sowas zu verschwenden, ich solle den Code so schreiben, dass er ihn lesen könne. Ich musste ihn dann umschreiben und lernte mit der Zeit, wo mein Chef in seiner Entwicklung stehen geblieben war.

Da es mein erster Job war, dachte ich zuerst noch, dass so eben die Stimmung im Job sei. Mit der Zeit lernte ich aber, dass mein Chef einfach ein Choleriker war. Während Corona nutzte er die weicheren Regeln für Kurzzeit-Arbeit direkt aus und ich nutzte die Chance, mich nach einer neuen Stelle umzuschauen.

Mein jetziger Chef ist das genaue Gegenteil. Er hört uns an und ist für Kritik und Vorschläge immer offen. Er erkennt es an, wenn wir Eigeninitiative zeigen, und als ich eine (längere) Zeit lang gesundheitliche Probleme hatte, rief er mich zu sich, um mir zu sagen, dass es kein Problem sei, wenn ich etwas langsamer arbeiten würde, um mich auf meine Gesundheit zu konzentrieren.

Verglichen mit Kollegen aus anderen Firmen ist mein Gehalt recht klein. Aber die Stimmung im Team ist toll und unsere Führungsebene hat ihre Bezeichnung verdient. Ich sehe mich hier noch in 10 Jahren arbeiten und kann glücklich sagen, dass ich meinen Job wirklich mag. Der Text war etwas lang, aber er zeigt meine Erfahrung als Entwickler in den 10 Jahren nach der Uni. Ich hoffe, er ist brauchbar.

➤ Ich habe einen Vorgesetzten, der ein Genie in Unternehmenspolitik ist und uns mit Budget, Material und Personal ausstattet. Leider versteht er nichts von unserer Arbeit und wir wissen meist nicht, wohin mit dem ganzen Zeug.

➤ Es gibt Chefs. Es gibt Mikromanager. Und dann gibt es MikroPi. Während andere Führungskräfte auf Ergebnisse schauen, kämpft MikroPi heldenhaft gegen falsche Schriftgrößen, Zeilenabstände und unharmonische Formulierungen. Inhalt? Kann man später noch betrachten. Zuerst muss geklärt werden, ob das Komma strategisch genug sitzt.

An seiner Seite: Sattel. Der treueste Begleiter, der jedem Business-Trip folgt – auch wenn Hin- und Rückflug am Wochenende liegen. Mit sichtbarem Stolz berichtet er anschließend, dass ihm im Flugzeug zwar ständig die Augen zufielen, man aber dennoch gemeinsam Präsentationen optimiert habe. Freizeit ist schließlich nur verschwendete Arbeitszeit.


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