Abteilungsmeetings auf Trump-Manier
Unerwartet wurde von dem Tech-Geschäftsführer die erst sechs Monate im Amt befindliche Gruppenleiterin, welche eigentlich als Facharbeiterin eingestellt wurde, als Interims-Abteilungsleiterin berufen. Das wäre an sich kein Problem, nur hat sie mir bereits an ihrem ersten Tag als Leiterin das Vertrauen entzogen, weil ich eine Mitschuld trage an der Entlassung des vorherigen Vorgesetzten. Trotz ohne Begründung wurden mir schrittweise innerhalb von sechs Monaten meine Befugnisse eingeschränkt, und ich schließlich von meinen Tätigkeiten freigestellt.
"Sie selbst stellt sich und die Abteilung in ihren Abteilungsmeetings auf Trump-Manier immer toll hin"
Nach dieser Zeit habe ich intern eine neue Stelle als stellv. Gruppenleiter einer anderen Abteilung angetreten. Der neue Abteilungsleiter ist merkwürdigerweise außerordentlich zufrieden mit meinen Tätigkeiten und meinem Charakter, so dass er mich offiziell in das Management-Board seiner Abteilung befördert hat. Nebenbei hat die neue IT-Leiterin, welche inzwischen das Amt offiziell übernommen hat, vier gute Mitarbeiter durch Entlassung und Kündigung verloren. Sie selbst stellt sich und die Abteilung in ihren Abteilungsmeetings auf Trump-Manier immer toll hin, als würde nun alles besser laufen als vorher. Zwei weitere Mitarbeiter, ehemals in der IT-Abteilung, wünschen den Wechsel in meine Abteilung.
➤ Kurz vor seiner Rente sagte mein Vorgesetzter zu mir, er bewundere meine Stärke und dass ich unter den schwierigen Umständen trotzdem geblieben sei. Er bezog sich dabei auf die Anfangsphase meines ersten Jobs, als ich aufgrund von Krankheitsfällen ohne jegliche Einarbeitung plötzlich die Verantwortung für ein großes Projekt übernehmen musste, mit einem extrem schwierigen externen Partner und einer sehr fehlerhaften Software.
Er meinte es als Kompliment. Für mich war es jedoch ein Augenöffner und im Nachhinein die Bestätigung, dass ich viel früher hätte kündigen sollen. Damals dachte ich, die Probleme lägen an mir, aber das war nicht der Fall.
➤ Ich bin in einer Führungsposition und mein Chef hat mich dazu gezwungen, eine Sammlung von Kritikpunkten, die meine Unterstellten zusammengetragen hatten, ohne Kontext vor versammelter Mannschaft vorzutragen. Er hat keine Ahnung von dem, was er macht, wirkt so, als wäre er Angestellter eines großen US-Unternehmens, für das er praktisch den Alleinvertrieb realisiert. Alles in allem einfach nur kompetenzbefreit in allen Belangen.
➤ Chef hat keine fachliche Kompetenz und weist täglich Mitarbeiter an, managementtaugliche One Slider zu erstellen, um mit diesen selbst vor seinen Vorgesetzten Fachkompetenz vorzugaukeln. Wenn Mitarbeitende dann eher zufällig bei diesen Management-Meetings dabei sind, ist es sehr unangenehm, mitzubekommen, wie sich die Vorgesetzten (zwei fachlich Blinde) über Farbe unterhalten. Und ein sinnloses Meeting mit der Management-Überzeugung beendet wird, den Kahn (Firma) in die richtige Richtung gesteuert zu haben.
➤ Der/die IT-Leiter:in bei uns im Unternehmen war zuvor ein/e Projektmanager:in im Bereich Digitalisierung. Dies allein ist zunächst kein Problem und ich denke, in vielen Unternehmen funktioniert so ein Konstrukt auch. Aber für die Person sind sämtliche IT-Projekte planbar bzw. müssen planbar sein. Das gilt selbst für Entwicklungsprojekte, wo versucht wird, eine Lösung umzusetzen, zu integrieren und eine Optimierung für das Unternehmen zu erzielen.