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Bloß nicht rangehen!

An einer anderen Stelle durfte ich das Backend eines Kursbuchungssystems für eine Unifakultät betreuen. Als HiWi für den Mindeststundensatz, versteht sich. Der Job war für eine Weile auch recht entspannt, die 10 Wochenstunden an Arbeit habe ich meistens samstags vormittags innerhalb von 2-3 Stunden erledigt. Dann kamen immer mehr Zusatzaufgaben hinzu, teilweise total fachfremd (Telefondienst/-vermittlung). Mein unmittelbarer Vorgesetzter war sehr kreativ darin, mich an alle möglichen Kollegen "auszuleihen", wenn mal Not am Mann war.

"Mein Vorgesetzter sieht kein Problem darin, dass ich quasi alles im System ändern und niemand das zurückverfolgen könnte"

Es stellt sich heraus, dass man mir ziemlich weitreichende Administratorenrechte erteilt hat, statt meinen Zugriff auf das notwendige Minimum zu beschränken. Als ich darauf hinweise, stellt sich zu allem Überfluss heraus, dass niemand eine Log-Funktion etabliert hat. Selbst nachdem die Datenbank, die lediglich alle Wochen gesichert wird, von einigen begabten Mitarbeitern mehrfach plattgemacht wurde. Ich weise also wiederholt darauf hin, dass man mich doch bitte der richtigen Nutzergruppe zuweisen soll. Irgendwann bekomme ich von einem genervten Mitarbeitenden der Verwaltung den Hinweis, es gäbe nur eine einzige Benutzergruppe und in der sei ich ja eingeteilt, sonst hätte ich gar keinen Zugriff. Mein Vorgesetzter sieht kein Problem darin, dass ich quasi alles im System ändern und niemand das zurückverfolgen könnte.

Jahre später, den Job hatte ich bereits lange gekündigt, bekomme ich einen Anruf auf mein Mobiltelefon. Ja, die Nummer ist dieselbe wie damals, hatte sie einfach immer mitgenommen und nicht daran gedacht, dass sie vielleicht noch auf der Notfallkontaktliste der Uni vermerkt sein könnte. Es ist eine Stelle des Bundeslandes dran. Man bräuchte dringend die Freigabe der Ergebnisse der Abschlussprüfungen, sonst käme es zu relevanten Verzögerungen und möglichen Regressklagen. Ich weise darauf hin, dass ich seit Jahren nicht mehr für die Uni arbeite. Daraufhin erfahre ich, dass ich bereits die siebte Nummer sei, die angerufen wurde, und der Erste, der geantwortet hätte.

Meinen ehemaligen Vorgesetzten gibt es immer noch, aber der ist inzwischen die Karriereleiter hochgefallen und hat schlauerweise seine Telefonnummer geändert. Ich bin sicher, dass ich mich ohnehin nicht mehr einloggen kann, aber ich will der guten Frau, die mich so verzweifelt am Wochenende angerufen hat, wenigstens den Gefallen tun und es versuchen. Natürlich sind meine Log-in-Daten noch gültig. Mehr als ein Jahr, nachdem ich gekündigt habe. Ich erledige für sie, was ich kann, und schreibe im direkten Anschluss eine E-Mail mit der Aufforderung, meine Daten zu löschen und den Zugang zu sperren. Ein Jahr später probiere ich erneut, mich einzuloggen. Es funktioniert noch immer. Und ich habe auch noch mal einen Anruf von derselben Landesstelle bekommen, aber ich hatte sie gespeichert unter "Bloß nicht rangehen!"

➤ Zum Thema IT-Sicherheit:

Unser Abteilungsleiter meinte, dass IT-Sicherheit keine Kernkompetenz sei und im Zweifel ja sowieso das THW kommen würde, um die IT-Lage zu beurteilen und zu beheben. Der Dienstleister vom Land und die ganze IT haben ihn erschüttert und verwirrt angeschaut. Als er den Raum verlassen hatte, mussten wir alle, inklusive des Dienstleisters, lachen. Seit diesem Tag ist dies der Running Gag in der IT.

➤ Ich war Teamleiter für IT-Infrastruktur und hatte einen kompetenten Abteilungsleiter mit einer Vision. Die drei Geschäftsführer, von denen einer die Technik übernahm, hatten keine Vision, Mission oder Leitlinien vorgegeben. Somit war es am Abteilungsleiter, eine IT-Strategie mit seinen Gruppenleitern zu entwickeln. Unvorhergesehen wurde der Abteilungsleiter gekündigt.


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