Geschichten am laufenden Band: Sci-Fi-Anthologien von Twilight Zone bis Black Mirror
Anthologien gehören fast seit jeher zur TV-Science-Fiction. Eine der frühesten, das Science Fiction Theatre (1955 bis 1957), fand nie den Weg nach Deutschland. Andere schon. Welche sind die Highlights dieser besonderen Form von Serien-Erzählung?
Die größte aller Anthologien: Twilight Zone (1959 bis 1964)
Die von Rod Serling entwickelte Serie hieß hierzulande Unglaubliche Geschichten, längst ist sie aber unter ihrem ursprünglichen Namen bekannt. An ihr müssen sich alle anderen messen, denn ihre fünf Staffeln mit 156 Folgen haben definiert, wie man ein Anthologie-Format umsetzt.
Serling selbst war Erzähler und begrüßte das Publikum zu den Geschichten, die nicht selten auch eine Moral beinhalteten. Twilight Zone war seiner Zeit voraus, indem soziokulturellere Probleme angesprochen wurden, die das Fernsehen jener Zeit ansonsten nicht mit der Kneifzange angefasst hätte. Auch mehr als 60 Jahre nach ihrer Entstehung ist Twilight Zone nicht angestaubt oder wirkt altmodisch. Einige der Gastdarsteller von damals wurden später zu Stars, etwa William Shatner.
1983 gab es einen Film, Neuauflagen der Serie folgten von 1985 bis 1989, 2002 bis 2003 und 2019 bis 2020.
Der große Twilight-Zone-Konkurrent: Outer Limits (1995 bis 2002)
Die ursprüngliche Serie wurde von 1963 bis 1965 produziert. In Deutschland lief sie nie, in den USA ist sie ein Klassiker, der mit Twilight Zone in einem Atemzug genannt wird. Die Neuauflage aus den Neunzigerjahren übertraf das Original noch – an Erfolg und Langlebigkeit.
Sieben Staffeln wurden ab 1995 produziert, wobei die Arbeiten bekannter Autoren wie George R.R. Martin (für den Pilotfilm) adaptiert wurden. Außerdem spielten Stars wie Alyssa Milano oder Leonard Nimoy in den Folgen mit.
Das Anthologie-Format wurde hier ein bisschen aufgebrochen, weil es immer mal wieder Fortsetzungen einzelner Episoden gab. In erster Linie standen die Geschichten aber für sich und arbeiteten mit unterschiedlichen Spielarten der Science-Fiction – es ging um Roboter, Außerirdische, paranormale Phänomene und eine Technologisierung, die heute weniger phantastisch anmutet als vor 30 Jahren.
Konsequent weitergedacht: Black Mirror (seit 2011)
Charlie Brookers Serie ist eine der jüngsten Anthologie-Shows und eine der besten. Die britische Serie versteht es besser als jede andere, konsequent weiterzudenken, was heutige Technik kann und wie sie in Zukunft wirken könnte – meist mit eher negativem Einschlag.
Die Serie ist in einer Zeit, in der KI gewaltige Schritte macht, aktueller denn je. Sie ist auch eine der langlebigsten und wird seit mehr als einem Jahrzehnt produziert, mit kleineren und größeren Pausen. Nach der Einstellung im britischen Fernsehen wanderte sie zu Netflix. Bislang hat die Serie es auf sieben Staffeln und einen Film gebracht. Eine neue Staffel wurde für 2025 produziert.
Viele Meister der Science-Fiction
Ein Autor, eine Serie: Philip K. Dick's Electric Dreams (2017)
Der visionäre Schriftsteller Philip K. Dick (Blade Runner, Minority Report) hat im Lauf seiner Karriere Dutzende Kurzgeschichten geschrieben – allesamt Science-Fiction. Aus diesem Füllhorn an Ideen und Vorlagen wurde mit Philip K. Dick's Electric Dreams eine eigene Serie gestaltet.
Alle zehn Folgen basieren auf Geschichten des Autors und befassen sich immer wieder auch mit seinem Hauptthema: der Frage nach der Identität. Die Folgen sind mehrheitlich interessant, mitunter ist die Laufzeit etwas zu lang, aber das ist häufig die Krux, wenn Kurzgeschichten adaptiert werden.
Dafür ist die von Bryan Cranston (Breaking Bad) produzierte Reihe hochkarätig besetzt, unter anderem mit Richard Madden (Game of Thrones), Anna Paquin (True Blood) und Steve Buscemi (Miracle Workers). Es gab nur eine Staffel, dabei hätten sich noch sehr viele Geschichten für weitere Staffeln angeboten.
Von Stephen Hawking präsentiert: Masters of Science Fiction (2007)
Die Serie Masters of Horror, in der bekannte Regisseure wie John Carpenter, Joe Dante oder Dario Argento Horrorkurzfilme inszenierten, stand Pate für Masters of Science Fiction. Die Serie war mit einer Staffel mit nur sechs Folgen aber weniger erfolgreich als die Horrorvariante.
Interessant ist sie, weil sie einen sehr ungewöhnlichen Moderator hat: Stephen Hawking . Der Wissenschaftler leitete jede Episode ein.
Es wurde auf die Arbeiten bekannter Schriftsteller zurückgegriffen: Kurzgeschichten von Harlan Ellison, Richard Matheson und Robert A. Heinlein standen Pate, um nur ein paar bekannte Namen zu nennen. Die Serie kam nicht gut an, was vor allem daran lag, dass sie recht mittelmäßig war. Die Vorlagen der Geschichten waren gut, die Umsetzung oft etwas langatmig.
Ein Kessel Buntes: Love, Death & Robots (seit 2019)
Seit 2019 sind drei Staffeln bei Netflix gelaufen, die vierte startet demnächst. Die von Tim Miller (Deadpool) entwickelte Serie ist eine der kühnsten Anthologien. Denn hier variieren Länge und Form. Immer ist es Animation, aber es kann mal Stop-Motion, mal Computeranimation oder Zeichentrick sein.
Die Folgen können sieben, aber auch zwanzig Minuten lang sein und auf existierenden Kurzgeschichten basieren oder gänzlich originär sein. Was sie immer sind: herausfordernd.
Von einigen weniger eindrucksvollen Folgen abgesehen, ist Love, Death & Robots eine erstaunlich hochwertige Serie, bei der man nie genau weiß, was die nächste Folge bietet. Damit sticht sie auch alle anderen Anthologien aus, die in Länge und Form fast immer identisch sind.
Das Werk eines großen Autors: Bradburys Gruselkabinett (1985 bis 1992)
Sechs Staffeln mit 48 Episoden wurden von der Serie produziert, die im Original The Ray Bradbury Theater heißt. Sie basiert auf dem immensen Geschichtenfundus von Ray Bradbury, der die Drehbücher selbst verfasst hat.
Nicht alle Geschichten sind Science-Fiction, der deutsche Titel setzt den Fokus eher auf die gruseligeren Arbeiten von Bradbury. Science-Fiction ist vom Schöpfer der Mars-Chroniken aber natürlich zu erwarten – und hier auch gegeben.
Die Serie hat ein paar herausragende Episoden, ist hierzulande aber kaum bekannt, was auch daran liegt, dass sie letztmalig 1992 im deutschen Fernsehen lief. Aus heutiger Sicht ist sie technisch nicht mehr gar so toll. Man merkt der kanadischen Produktion das limitierte Budget an, dafür gibt es aber reichlich Schauspieler, die später zu Stars wurden, wie Jeff Goldblum, Eugene Levy oder Drew Barrymore.
Von Spielberg bis zu Schwermetall
Eine Steven-Spielberg-Produktion: Amazing Stories – Unglaubliche Geschichten (1985 bis 1987)
Steven Spielberg hat die Serie produziert und vor und hinter der Kamera große Stars angelockt. Einzelne Folgen wurden von Spielberg, Clint Eastwood, John Hyams, Joe Dante oder Martin Scorsese inszeniert. Vor der Kamera fanden sich bekannte Gesichter wie Danny DeVito, Mark Hamill, John Lithgow, Patrick Swayze oder der damals noch recht unbekannte Kevin Costner.
Das macht es interessant und amüsant, sich diese Serie von knapp halbstündigen Episoden auch heute noch anzusehen – zumal die einzelnen Folgen Spielberg-Flair haben, nicht nur das seiner eigenen Arbeiten, sondern auch das seiner Produktionen der 80er, die ihren eigenen Look hatten.
Die Geschichten konnten in alle Richtungen gehen, mal extrem lustig (Stichwort: Mumie), mal dramatisch (Kevin Costners Weltkriegsgeschichte), aber immer mit einem phantastischen, manchmal märchenhaften Touch. Es gab zwei Staffeln – letztlich wurden es nicht mehr, weil die Serie für die damalige Zeit sehr teuer war. Im Jahr 2020 gab es eine kurzlebige Neuauflage.
Wahrheit oder nicht: X-Factor – Das Unfassbare (1997 bis 2024)
Nach den ersten drei Staffeln X-Factor war Schluss, dann ging es ein paar Jahre später mit einer weiteren Staffel weiter. Die letzten zwei Staffeln folgten dann in den letzten beiden Jahren. Die Serie, die zuerst von James Brolin, dann von Jonathan Frakes moderiert wurde, entwickelte sich bei RTL 2 über die Jahre zum Dauerbrenner.
Erstaunlich, wenn man bedenkt, wie günstig die Serie ist. In jeder Folge gibt es mehrere kurze Geschichten, nach denen der Moderator fragt, was das Publikum glaubt: wahr oder unwahr? Am Ende gibt es dann die Auflösung.
X-Factor – Das Unfassbare erfreut sich auch heute noch enormer Beliebtheit, dabei gehört die Serie weder produktionstechnisch noch inhaltlich zu den Sternstunden des Anthologie-Formats.
Vom Comic zur Serie: Schwermetall Chronicles (2012 bis 2014)
Metal Hurlant hieß das Comicmagazin in Frankreich, in den USA lautete der Name Heavy Metal. Das Markenzeichen waren Sci-Fi-Kurzgeschichten großer Künstler. In den frühen achtziger Jahren gab es einen Animationsfilm, im Jahr 2012 setzte man dann auf eine real gedrehte Serie.
Es gab zwei Staffeln mit zwölf Folgen, die gut 20 Minuten lang sind. Allerdings ist selbst das bei manchen Episoden zu viel. Zudem wurde die Serie sehr kostengünstig umgesetzt, was schon damals mit den CGI-Hintergründen auffiel, heutzutage aber noch mehr ins Auge sticht.
Adaptiert wurden auch Geschichten von Künstlern wie Richard Corben oder Alejandro Jodorowsky. Diesen Vorlagen ist es zu verdanken, dass ein paar Episoden über den Twist am Ende hinaus Unterhaltungswert haben. Aber letztlich ist Schwermetall Chronicles zu Recht vergessen.
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