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Gesamtbetriebsrat von DB Regio: Bahn kauft den kompletten Bodycam-Markt leer

Laut einem Bahn-Betriebsrat sind Bodycams eine Lösung. Ein Beschäftigter der DB -Sicherheit sieht das anders.
/ Achim Sawall
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Netco ist der Lieferant für Bodycams der Bahn (Bild: NetCo)
Netco ist der Lieferant für Bodycams der Bahn Bild: NetCo

Unmittelbar vor dem Sicherheitsgipfel der Deutschen Bahn (DB) am 13. Februar 2026 hat der Konzern erste praktische Schritte beschlossen. Ab sofort sind Bodycam-Schulungen für alle 5.200 Kundenbetreuer im Nahverkehr (KiN) der Bahn Pflicht, genauso für alle Prüfer im Reisezug (PiR), wie die Kontrolleure bei der S-Bahn heißen.

Das geht aus einem Aushang des Gesamtbetriebsrats von DB Regio hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt(öffnet im neuen Fenster) . Außerdem werden Bodycams nicht mehr nur auf Nachfrage gekauft, sondern wurden bereits in großer Stückzahl auf Vorrat bestellt.

"Wir haben den kompletten Markt leergekauft" , sagte Ralf Damde, Gesamtbetriebsratschef von DB Regio. "Das ist ein wichtiges Signal." Die Nutzung bleibe aber freiwillig – wer nicht wolle, müsse nicht.

Der Gesamtbetriebsrat (GBR) sieht in Bodycams "nachweislich ein wirksames Instrument, um in gefährlichen Situationen deeskalierend zu wirken" . Allerdings könne sie nur durch regelmäßiges Tragen ihre volle Schutzfunktion entfalten. Der GBR appelliere daher an alle Beschäftigten: "Bitte nutzt die Bodycam! Jede getragene Bodycam erhöht die Sicherheit und wirkt präventiv für alle."

Beschäftigter: Praxisbezogene Ausbildung kommt viel zu kurz

Ein Beschäftigter der DB Sicherheit sagte der Redaktion Rfnews dagegen(öffnet im neuen Fenster) : "Der reale Sicherheitsgewinn von Bodycams ist gering, da die Züge sowieso schon kameraüberwacht sind. Mehr eigenes Sicherheitspersonal der Bahn ist sinnvoll, aber tatsächlich fehlt vielen Kollegen eine gute Ausbildung."

Real würden Tausende vom Arbeitsamt in Kurse von Sicherheitsakademien geschickt, die nur darauf abzielten, die theoretische Abschlussprüfung zu bestehen und ein Zertifikat in der Hand zu haben – die praxisbezogene Ausbildung komme viel zu kurz.

"Es ist ein Kernproblem bei der Organisierung der Sicherheit, dass Ignoranz, formale Handhabung und Versäumnisse jahrelang gutgehen beziehungsweise nicht auffallen" , bis irgendwann doch was passiere, sagte der Mitarbeiter. "Tatsächlich verlaufen die meisten Schichten ruhig und die Masse der Fahrgäste verhält sich korrekt. Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass Verrohung und Egoismus zunehmen und dass es häufiger als früher zu feigen Angriffen auf Kollegen oder auch andere Fahrgäste kommt, nicht nur von Schwarzfahrern" , erklärte er.

Die Kernforderung von Gesamtbetriebsratschef Damde für den Bahn-Sicherheitsgipfel ist eine verbindliche Doppelbesetzung auf allen Regionalzügen. "Dass wird Geld kosten" , sagte er der Süddeutschen Zeitung, "aber es ist gut investiert." Zu lange sei systematisch an der Personaldecke gespart worden.

Er forderte außerdem, auch Tonaufnahmen bei Bodycams zu ermöglichen – bislang steht dem der Datenschutz entgegen. Zudem will er die Bodycams mit dem Prio-Ruf verbinden, mit denen die Leitstellen in einer Gefahrensituation alarmieren können. Dieser Alarm soll künftig auch beim Einschalten der Bodycam ausgelöst werden.

Netco: Bodycam kann deeskalieren

Netco-Sprecherin Caroline Meisenburg Silva sagte Golem: "Unsere Body-Cam verfügt über ein großes Frontdisplay mit Spiegelfunktion. Wird die Kamera aktiviert, sieht sich die aggressive Person darin selbst – in Echtzeit. Dieser Moment der Konfrontation mit dem eigenen Verhalten löst einen psychologischen Effekt aus, der zur Selbstreflexion führt und Situationen deeskaliert – oft, ohne dass überhaupt eine Kamera-Aufnahme gestartet werden muss."

Während klassische Überwachungskameras an der Decke des Zugs passiv aufzeichneten und nachträglich der Beweissicherung dienten, wirke die Body-Cam mit Frontdisplay aktiv und präventiv im Moment der Eskalation.


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