Gerichtsurteil: Pentagon muss Anthropic-Einstufung aufheben
Das KI-Unternehmen Anthropic hat im Streit mit dem Pentagon über die Verwendung künstlicher Intelligenz im Militär einen wichtigen Etappensieg errungen. Eine kalifornische Richterin entschied (PDF-Datei)(öffnet im neuen Fenster), dass die Einstufung von Anthropic als Lieferkettenrisiko für die nationale Sicherheit durch das US-Verteidigungsministerium nicht gerechtfertigt gewesen sei und aufgehoben werden müsse.
Auslöser für den Konflikt war das Beharren von Anthropic darauf, dass KI-Modelle des Unternehmens nicht zur Massenüberwachung von US-Bürgern sowie in autonomen Waffensystemen genutzt werden dürften. Anthropic-Chef Dario Amodei warnte Ende Februar, künstliche Intelligenz mache es möglich, über das Netz verstreute Daten einzelner Menschen in großem Stil automatisiert zu einem detaillierten Bild ihres Lebens zusammenzusetzen.
Zugleich sei KI noch nicht verlässlich genug, um in vollständig autonomen Waffen eingesetzt zu werden. "Wir werden nicht wissentlich ein Produkt liefern, das Amerikas Kämpfer und Zivilisten in Gefahr bringt", schrieb Amodei in einem Blogbeitrag(öffnet im neuen Fenster). Das US-Verteidigungsministerium fordert hingegen das Recht auf "jede rechtmäßige Nutzung" ein und betont, dass kein Unternehmen der Regierung Vorschriften machen könne. Anthropic legte daraufhin Klage (PDF-Datei)(öffnet im neuen Fenster) ein.
Richterin kritisiert Vorgehen des Pentagons
Richterin Rita Lin kam zu dem Schluss, dass die Einstufung als Lieferkettenrisiko auf dem Wunsch basiere, ein Exempel zu statuieren, weil Anthropic die Regierung kritisiert habe – und nicht auf einer begründeten Befürchtung, dass das Unternehmen sein KI-Modell tatsächlich sabotieren würde. Lin hatte bereits im Frühjahr die Umsetzung der Regierungsentscheidung blockiert.
Zugleich stellte sie klar, dass das Pentagon nicht verpflichtet sei, Anthropic-Software weiter zu nutzen und stattdessen auf Technologie anderer KI-Unternehmen umsteigen könne, solange dies rechtlich einwandfrei geschehe.
Folgen reichen über das Pentagon hinaus
Eine Einstufung als Lieferkettenrisiko hat für ein Unternehmen weitreichende Konsequenzen über die Nutzung im US-Militär hinaus. So hatte Präsident Donald Trump angeordnet, dass alle US-Bundesbehörden die Nutzung von Anthropic-Technologie einstellen sollten. Zudem hieß es von Verteidigungsminister Pete Hegseth, dass auch alle Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen zu Anthropic kappen müssten, wenn sie das US-Militär beliefern wollten.
Für die Nutzung von Anthropic-KI im Pentagon selbst ist der Kurs dagegen bereits klar: Das Verteidigungsministerium fährt diese seit Anfang März zurück und will bis Ende September vollständig darauf verzichten. Ob die Regierung gegen die Entscheidung der Richterin Berufung einlegen wird, ist noch offen.
- Anzeige Hier geht es zu Künstliche Intelligenz: Wissensverarbeitung bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.