Gerichtsunterlagen: E-Mails zeigen Microsofts Skepsis gegenüber OpenAI
Gerichtsunterlagen zeigen, dass Führungskräfte von Microsoft im Jahr 2018 Bedenken hatten, dem damals noch kleinen und gemeinnützigen Forschungslabor OpenAI weitere finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Wie Wired berichtet(öffnet im neuen Fenster), geht dies aus E-Mails zwischen mehreren Microsoft-Führungskräften inklusive CEO Satya Nadella hervor, die während des Prozesses zwischen Elon Musk und OpenAI vorgelegt wurden.
Darin schrieben die Manager, dass ein Besuch bei OpenAI keinerlei Anzeichen für einen bevorstehenden Durchbruch im Bereich der künstlichen Intelligenz ergeben hätten. Da sie befürchteten, dass OpenAI im Falle eines Entzugs der Mittel von Microsoft zu Amazon getrieben werden könnte, wurde die Unterstützung des Labors fortgesetzt.
Der offengelegte E-Mail-Verkehr begann im August 2017, als Nadella OpenAI zum Sieg eines Gaming-Wettbewerbs gratulierte. In diesem Jahr konzentrierte sich die Arbeit von OpenAI auf KI-Systeme, die Videospiele spielen konnten. Trotz erster Erfolge war das Labor aber auf das Fünffache der ursprünglich von Microsoft zugesagten Cloud-Computing-Dienste im Wert von 60 Millionen US-Dollar angewiesen.
Kein Mehrwert durch Zusammenarbeit
Zehn Tage nach den Glückwünschen von Nadella bat Sam Altman Microsoft um Azure-Dienste im Wert von 300 Millionen US-Dollar und schrieb, dass OpenAI am bisher beeindruckendsten Unterfangen in der Geschichte der künstlichen Intelligenz arbeite.
Nadella bat daraufhin seine Führungskräfte um ihre Einschätzung. Microsofts KI-Team sah den E-Mails zufolge "keinen Mehrwert durch eine Zusammenarbeit" und die eigene Arbeit als fortschrittlicher an. Das PR-Team von Microsoft zeigte sich zudem wenig begeistert vom Konzept der "Maschinen, die den Menschen besiegen".
Elon Musk war von OpenAIs Forschung überzeugt
Nadella selbst äußerte seine Einschätzung, nach der es für ihn nicht ersichtlich sei, welche Art von Forschung OpenAI betreibe und inwieweit sie Microsoft dabei helfen könne, einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Er gab aber zu bedenken, dass Elon Musk überzeugt davon sei, dass OpenAI kurz vor einem Durchbruch im Bereich der Allgemeinen Künstlichen Intelligenz stehe.
Microsofts CTO Kevin Scott äußerte sich ebenfalls unsicher über den zu erwartenden Nutzen, wies aber auf PR‑Nachteile hin, wenn OpenAI "wütend zu Amazon abziehen und beim Gehen über uns und Azure herziehen" würde. Weitere Manager teilten diese Ansicht, wollten die Zusammenarbeit mit OpenAI aber nicht unter der Bedingung aufrechterhalten, dafür Millionen von US-Dollar auszugeben. Diese Entscheidung wurde OpenAI mitgeteilt, die Zusammenarbeit pausiert und erst im Jahr 2019 wieder aufgenommen.
Im Prozess zwischen Elon Musk und OpenAI spielt Microsoft nur eine untergeordnete Rolle. Mit den vorgelegten E-Mails wollten Musks Anwälte die wechselhafte Beziehung zwischen OpenAI und Microsoft verdeutlichen.
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