Mit Embracer in die Katastrophe konsolidiert
Rund 69 Milliarden US-Dollar legte Microsoft für das Studio-Konglomerat Activision Blizzard King auf den Tisch und setzte diese Übernahme gegen die Widerstände britischer und US-amerikanischer Kartellbehörden durch. Es war die größte Übernahme in der Geschichte des wertvollsten Unternehmens – und schuf nebenbei auch den größten Gamingkonzern der Welt.
Ein Gegengewicht zum wachsenden Oligopol der Plattformbetreiber Microsoft und Sony wollte die schwedische Embracer Group sein. Die aus THQ Nordic hervorgegangene Holding investierte schon in den Jahren vor der Coronapandemie Milliarden in Übernahmen, vom deutschen Traditionsunternehmen Piranha Bytes über den Brettspiel-Publisher Asmodee bis hin zu den Rechten am Herr der Ringe.
Doch im Mai 2023 platzte ein nur mündlich zugesagter Milliarden-Deal mit einem Investor – mutmaßlich der saudischen Savvy Games Group – und brachte die gesamte Studiogruppe ins Wanken. Die Folge: eine massive Umstrukturierung und damit einhergehend gestrichene Projekte, Massenentlassungen, Verkäufe und Studioschließungen.
Auch kleinere Firmen packte die Fomo. Thunderful ist nicht nur ein Nachbar von Embracer – die Firmenzentralen in Göteborg und Karlstad sind gerade einmal drei Autostunden voneinander entfernt –, sondern eine Miniaturversion des kauftüchtigen Konzerns. Die Gruppe ist selbst im Jahr 2017 durch den Zusammenschluss zweier Spielestudios und einem Publisher entstanden. Im Wettrennen um Wachstum übernahmen die Schweden so 2021 etwa den Dürener Indie-Publisher Headup Games für mehrere Millionen Euro. Heute steht Headup schon wieder zum Verkauf – Ausgang offen.
Weg aus der Krise
Obwohl die Embracer-Gruppe im letzten Quartal des Jahres 2023 sogar einen Gewinn von rund 204 Millionen Euro verbuchen konnte, brach der Aktienkurs um 20 Prozent ein. Thunderful beendete das Jahr mit einem Minus von rund 54 Millionen Euro. In einer Pressemitteilung spricht das Unternehmen Anfang 2024 selbst von den "Überinvestitionen der letzten Jahre". Die Aktie hat seit dem Börsengang mehr als 90 Prozent an Wert eingebüßt. Bei einem Kurs von 30 Cent ist Thunderful heute ein Pennystock.
Ein Stück weit sieht er – wie viele andere Branchenkenner auf der Hamburg Games Conference ebenfalls – in der aktuellen Krise eine Kurskorrektur. "Der Markt war die letzten zwei, drei Jahre sehr überhitzt und es herrschte eine krasse Goldgräberstimmung", sagt Wolf Lang. "Idealerweise ist das ein gesundes Konsolidierungsjahr, was jetzt vielen sehr, sehr wehtun, aber uns alle 2025 wieder auf einen guten Weg bringen wird."
Auf einem Panel spricht Wolf Lang davon, dass Hoffnung allein nicht genügt, um eine angeschlagene Firma zu retten – man müsse auch etwas haben, das diese Hoffnung begründen kann. Und doch höre man "an der einen oder anderen Ecke schon, dass einige sagen, sie spüren irgendwie, dass es jetzt schon besser wird", sagt Lang Golem.de – die Hoffnung stirbt, so wie der Held eines Videospiels, zuletzt.
Zu einer allzu konkreten Vorhersage, wie die Branche im Jahr 2025 aussieht, will sich auf der Hamburg Games Conference aber niemand so recht hinreißen lassen. Viele hoffen aber darauf, dass das Versiegen der Investorengelder auch sein Gutes hat und die Unternehmen, die dieses Jahr überleben, nachhaltiger aufgestellt sein werden. Ob die Branche langfristig aus dem aktuellen Crash gelernt hat, werden wir allerdings erst in drei bis vier Jahren erfahren – je nachdem, ob sich der Kreislauf erneut wiederholt.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
- ohne Werbung
- mit ausgeschaltetem Javascript
- mit RSS-Volltext-Feed
| So geht eine deutsche Firma mit der Krise um |










Eventuell sollte sich mal jemand schlau machen, was eine "geplatzte Blase" ist, außer ein...
Richtig. Zu viel Personal. Zu beschissene Games. In Spiele werden hunderte Millionen...
Was würdest du als Boss eines kleinen Independent Game-Studios machen in folgender...
Gewagte These, die mich immer an das Argument erinnert, dass ja jeder "Raubmordkopierer...
Kommentieren