Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Geplantes Wasserkraftwerk Medog: Chinas Megastaudamm zeigt die Probleme der Wasserkraft

So viel Leistung wie 40 Atomreaktoren soll das Kraftwerk nach Fertigstellung haben. Es wäre der größte Staudamm der Welt, der wohl nie gebaut wird.
/ Mario Petzold
48 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das Wasserkraftwerk von Krasnojarsk hat eine Leistung von 6 Gigawatt und ist weltweit auf Platz 13. China plant zehnmal größer. (Bild: Wikipedia/Alex Polezhaev)
Das Wasserkraftwerk von Krasnojarsk hat eine Leistung von 6 Gigawatt und ist weltweit auf Platz 13. China plant zehnmal größer. Bild: Wikipedia/Alex Polezhaev / CC-BY 2.0
Inhalt
  1. Geplantes Wasserkraftwerk Medog: Chinas Megastaudamm zeigt die Probleme der Wasserkraft
  2. Problematischer kann ein Staudamm nicht liegen
  3. Seit Jahrzehnten Pläne für das Wasserkraftwerk

Die Zahlen allein sind schon beeindruckend. 60 Gigawatt (GW) soll der Staudamm im Hochland von Tibet nach der Fertigstellung leisten können. Das entspricht 40 Atomreaktoren oder Kohlekraftwerken. 70.000 große Windkraftanlagen müssten für eine äquivalente Strommenge gebaut werden.

Zudem werden für dieses enorme Projekt, das das aktuell größte Wasserkraftwerk, den Drei-Schluchten-Damm, dreifach überträfe, Baukosten von 120(öffnet im neuen Fenster) bis 150(öffnet im neuen Fenster) Milliarden Euro aufgerufen, je nach Quelle. Um den obigen Vergleich aufzugreifen: Ein Windrad kostet etwa das Doppelte, der Reaktorblock eines Atomkraftwerks das Drei- bis Zehnfache in Bezug auf die Leistung.

Für chinesische Verhältnisse keineswegs gigantisch

Wobei man bei der Investitionssumme etwas vorsichtig sein muss. Bau- und Materialkosten lassen sich in China nicht immer transparent nachvollziehen. Durch Subventionen und staatliche Eingriffe an anderer Stelle unterliegen solche Summen Verzerrungen, so dass ein Vergleich mit Preisen in Europa nicht möglich ist.

Die Einordnung der Kraftwerksgröße gelingt schon eher. Allein im Jahr 2025 hat China laut einer Studie von Crea(öffnet im neuen Fenster) , einem privaten Forschungsinstitut, 500 GW an Solar- und Windkraftleistung errichtet. Das entspricht ziemlich genau der Energieproduktion des geplanten Wasserkraftwerks, wenn die Volatilität erneuerbarer Energien einkalkuliert wird.

Fossile Energie dominiert

Die Leistung aus Kohlekraftwerken wurde im gleichen Zeitraum nur um knapp 20 GW erhöht. Laut dem US-Energieministerium liegt die gesamte in China verfügbare Leistung aus fossilen Kraftwerken bei etwa 1.400 GW. Ein großer Schritt zur CO 2 -Neutralität gelänge mit dem Megastaudamm also keineswegs.

20 bis 30 Stück müssten es schon sein, aber die einmalige Lage am tibetischen Fluss Yarlung Tsangpo(öffnet im neuen Fenster) , einem der größten Ströme der Welt mit einem der steilsten Gefälle der Welt, lässt sich natürlich nicht beliebig reproduzieren. Baut China dagegen im gleichen Tempo Photovoltaik und Windkraft weiter aus, wären Kohle und Gas in 20 Jahren ersetzt.


Relevante Themen