Problematischer kann ein Staudamm nicht liegen
Der Yarlung Tsangpo, der flussabwärts zum Brahmaputra wird, entspringt in fast 6.000 Metern Höhe und erreicht bereits im Hochland von Tibet die Mächtigkeit des Rheins an der Mündung. Außerdem stürzt der Fluss östlich des Himalaya auf wenigen hundert Kilometern 3.000 Höhenmeter nach unten.
Nur deshalb ist es möglich, die angestrebte Leistung von 60 Gigawatt zu erreichen. Allerdings müsste dafür eine Vielzahl von Staumauern errichtet werden, die gemeinsam einen Großteil des Gefälles zur Energieerzeugung nutzen müssten.
Dadurch würden die Dihangschluchten(öffnet im neuen Fenster) , ein unwegsames, gering bevölkertes und somit kaum verändertes Stück Natur, mehrheitlich zerstört. Dass einmal Pläne existierten, daraus einen Nationalpark zu machen, verwundert nicht.
Seismisch hochaktiv
Eine weitere Herausforderung ist die Tatsache, dass der Himalaya weiterhin geformt wird, weil die indische auf die eurasische Platte drückt. Zu dieser aktiven Zone gehört exakt der Abschnitt des Yarlung Tsangpo, der für den Bau des Wasserkraftwerks interessant ist.
Seit der flächendeckenden Erfassung von Erdbeben haben zwei Beben einen Wert von 7 auf der Richterskala überschritten. Großflächige Zerstörungen über Hunderte Quadratkilometer sind die Folgen einer derart starken Erschütterung. Entsprechend aufwendig dürfte sich der Bau in einer noch dazu schwierig zu erreichenden Region gestalten. Zweifel an den prognostizierten Kosten sind auch deshalb angebracht.
Umstrittene Grenzen
Wesentlich hinderlich für die Realisierung des Staudammprojekts dürfte das Verhältnis zwischen China und Indien sein, in dessen Provinz Arunachal Pradesh der untere Abschnitt der betroffenen Schlucht liegt. Der gesamte Grenzverlauf gilt als umstritten, was darüber hinaus auch auf die meisten anderen Grenzabschnitte zwischen den beiden Ländern zutrifft.
Obwohl ein Staudamm im tibetischen Abschnitt des Flusses den Hochwasserschutz im Nordosten Indiens und in Bangladesch, wo der Brahmaputra mündet, stärken könnte, befürchten beide Länder, dass die Wasserversorgung insgesamt beeinträchtigt würde.
Zudem gestaltet es sich bereits kompliziert, Informationen über aktuelle Wasserstände zwischen den beiden zerstrittenen Ländern auszutauschen. Dabei könnte allein das entlang des unteren Flusslaufs bereits helfen, die Auswirkungen von Überschwemmungen zu verringern.
Regelmäßige militärische Eskalation
Zu den diversen Grenzkonflikten, die im Grunde seit der Besetzung von Tibet 1950 ausgetragen werden, kommt erschwerend hinzu, dass es sich um zwei Atommächte handelt. Darüber hinaus wollen beide ihren Einfluss gegen den anderen in den Nachbarländern durchsetzen.
Dass Indien einen Eingriff in den Lauf des wichtigen Brahmaputra ohne weiteres zulässt, gilt auch deshalb als unwahrscheinlich. Dann müsste das Projekt gleichzeitig die Wasserversorgung sichern und einen effektiven Hochwasserschutz gewährleisten. Ein Teil der Stromproduktion würde wohl ebenfalls in Richtung Indien abfließen müssen.
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