Abo
  • Services:
Anzeige
US-Forscher lassen Mikroprozessoren mit raffinierter Software rasend schnell altern.
US-Forscher lassen Mikroprozessoren mit raffinierter Software rasend schnell altern. (Bild: Intel)

Geplante Obsoleszenz: Diese Software lässt Computer rasend schnell altern

US-Forscher lassen Mikroprozessoren mit raffinierter Software rasend schnell altern.
US-Forscher lassen Mikroprozessoren mit raffinierter Software rasend schnell altern. (Bild: Intel)

Forscher haben ein Programm entwickelt, das Prozessoren in kurzer Zeit so abnutzt, dass sie unbrauchbar werden. Mögliche Nutznießer: Hersteller, Kunden - oder Militärs.

Anzeige

Progerie bedeutet frühes Altern. Der Begriff bezeichnet verschiedene seltene Erbkrankheiten, die den menschlichen Körper im Zeitraffer vergreisen lassen. Forscher von der New York University haben eine Art Computer-Progerie entwickelt.

Die Software des Teams um Professor Ramesh Karri macht Mikroprozessoren nicht nur weniger effizient, sondern lässt sie so schnell altern, dass ihre Schaltkreise schon nach wenigen Wochen den Geist aufgeben.

Wie Zigaretten, Whiskey und Buttercremetorte als Nahrungsgrundlage für den menschlichen Körper, gibt es auch für Computer-Prozessoren bestimmte Inputs, die der Degeneration Vorschub leisten. Genau das leistet der Code der New Yorker IT-Spezialisten.

"Mit unserer Software namens Magic (Malicious Ageing in Circuits/Cores) konnten wir einen handelsüblichen Prozessor innerhalb eines Monats an die Grenze seines Lebens bringen", sagt Arun Karthik Kanuparthi, Zweitautor der Studie. "Normalerweise erholen sich Transistoren von belastenden Inputs. Mit unserer Software haben wir diese Erholungsphase aber verhindert."

Wie der Angriff funktioniert

Dabei wirkt Magic in der Exekutionsphase des Prozessors, in der geladener Maschinencode ausgeführt wird. Praktisch jeder moderne Prozessor zerteilt Maschinenbefehle in Teilaufgaben, die mit dem Takt des Prozessors parallel abgearbeitet werden. Danach werden die Resultate der Teilaufgaben zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst. Denn wie auf der Produktionsstraße eines Autoherstellers, auf der spezialisierte Teams nacheinander einzelne Teile eines Fahrzeuges bearbeiten, ist es auch bei Prozessoren effizienter, wenn eine Aufgabe auf verschiedene Prozessorabteilungen verteilt wird.

Die Magic-Software verabreicht nun gleichsam der langsamsten Abteilung einen einmonatigen Dauerrausch und unterbindet die eigentlich vorgesehene Erholungsphase. Damit gelang es Karri und seinen Kollegen, eine Art elektronische Leberzirrhose in den Transistoren eines Prozessors zu erzeugen, die sogenannte Negative-Bias Temperature Instability (NBTI). Dabei wird die Spannung, die nötig ist, um die Transistoren im Prozessor von Off auf On (oder Null auf Eins) zu schalten, mit der Zeit immer höher. Sobald die damit entstehenden Schaltverzögerungen einen bestimmten Wert überschreiten, bricht der gesamte Prozessor zusammen.

Bei normaler Nutzung führt der NBTI-Effekt erst nach vielen Jahren dazu, dass ein Prozessor unbrauchbar wird. Eine Magic-Attacke dagegen manipuliert den Input des Prozessors derart, dass jeder Arbeitsschritt den NBTI-Effekt verstärkt. So konnten die Forscher bei ihrer Testattacke die Leistungsfähigkeit eines OpenSPARC-Prozessors in nur einem Monat um rund elf Prozent senken und damit an den Rand des Zusammenbruchs bringen.

"Der OpenSPARC-Prozessor war unser Studienobjekt, weil Oracle seine Architektur offengelegt hat", sagt Kanuparthi. "Mit etwas Aufwand kann man aber für jeden Prozessortyp einen Magic-Code erzeugen. Ein Kollege von mir hat Magic bereits erfolgreich an einer anderen Prozessorarchitektur ausprobiert."

Magic kann von Konzernen und Verbrauchern genutzt werden

Aber wem würde eine solche Attacke etwas bringen? In ihrem Artikel stellen Karri und seine Kollegen drei mögliche Szenarien vor.

Erstens könnten Hersteller kurz vor der Veröffentlichung ihrer neuen Smartphones oder Laptops per Softwareupdate die Leistungsfähigkeit älterer Geräte mindern, um einen besonderen Kaufanreiz zu schaffen. Belastbare Daten zur Verbreitung dieser "geplanten Obsoleszenz" gibt es bislang aber nicht, konkrete Einzelbeispiele hingegen durchaus.

Zweitens könnten gewiefte Nutzer es mit einer Software wie Magic dem Hersteller gleich wieder heimzahlen. Wer während der Garantiezeit nicht mehr mit der Leistung seiner Hardware zufrieden ist, könnte seinem Computer oder Handy mit Magic ein wenig elektronische Sterbehilfe leisten und vom Hersteller ein Ersatzgerät verlangen.

"Als drittes Szenario kann man sich staatlich gesponserte Hintertüren vorstellen. Die würden es erlauben, sensible Hardware, zum Beispiel militärisches Gerät, das an andere Staaten verkauft wurde, zu zerstören, sollte der Staat aus der diplomatischen Reihe tanzen", sagt Kanuparthi. "Belege für solche Attacken gibt es allerdings bisher nicht, nur Vermutungen." Was daran liegen könnte, dass die Forscher von der New York University diese Möglichkeit als erste zivile Forscher entdeckt haben.

Magic erinnert an Stuxnet 

eye home zur Startseite
Gucky 03. Jan 2016

Geplante Obsoleszens bei Drucker ist derzeit normalstatus, seit ca 2007/8 hat sich die...

Gucky 03. Jan 2016

Was SSDs angeht, ich habs es anhand meiner Nutzung der letzten 3 Jahre mal ausgerechnet...

Fotobar 25. Okt 2015

Seid doch mal etwas klüger und denkt über eure aktuellen Probleme wie Handy und Updates...

Anonymer Nutzer 25. Okt 2015

Joa, sehe ich heute auch so :/ Für Windows Phone gibt es wenigstens laufend Updates...

renegade334 25. Okt 2015

Kommt ganz auf die CPU an. Mein 3 Jahre altes Notebook hatte schon seit Anfang an grob 94...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Seitenbau GmbH, Konstanz
  2. FLYERALARM GmbH, Würzburg
  3. Robert Bosch GmbH, Stuttgart
  4. Sky Deutschland Fernsehen GmbH & Co. KG, Unterföhring bei München


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. Predator 2 und Predators für je 3€ und Fight Club für 2,96€+ jeweils 5€ FSK-18...
  2. 299,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)

Folgen Sie uns
       


  1. Filmfriend

    Kostenloses Videostreaming für Bibliothekskunden

  2. EMotion

    Fisker-Elektroauto soll in 9 Minuten Strom für 200 km laden

  3. Electronic Arts

    Hunde, Katzen und Weltraumschlachten

  4. Microsoft

    Age of Empires 4 angekündigt

  5. Google

    Android 8.0 heißt Oreo

  6. KI

    Musk und andere fordern Verbot von autonomen Kampfrobotern

  7. Playerunknown's Battlegrounds

    Bluehole über Camper, das Wetter und die schussfeste Pfanne

  8. Vega 64 Strix ausprobiert

    Asus' Radeon macht fast alles besser

  9. Online-Tracking

    Händler können Bitcoin-Anonymität zerstören

  10. ANS-Coding

    Google will Patent auf freies Kodierverfahren



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Sysadmin Day 2017: Zum Admin-Sein fehlen mir die Superkräfte
Sysadmin Day 2017
Zum Admin-Sein fehlen mir die Superkräfte

Ausweis: Prepaid-Registrierung bislang nicht konsequent umgesetzt
Ausweis
Prepaid-Registrierung bislang nicht konsequent umgesetzt
  1. 10 GBit/s Erste 5G-Endgeräte sind noch einen Kubikmeter groß
  2. Verbraucherzentrale Datenlimits bei EU-Roaming wären vermeidbar
  3. Internet Anbieter umgehen Wegfall der EU-Roaming-Gebühren

Orange Pi 2G IoT ausprobiert: Wir bauen uns ein 20-Euro-Smartphone
Orange Pi 2G IoT ausprobiert
Wir bauen uns ein 20-Euro-Smartphone
  1. Odroid HC-1 Bastelrechner besser stapeln im NAS
  2. Bastelrechner Nano Pi im Test Klein, aber nicht unbedingt oho

  1. Re: hoffentlich auch wieder einen LAN Modus

    twothe | 09:16

  2. Re: dass der Akku in 9 Minuten wieder für 200 km...

    ckerazor | 09:13

  3. Re: die liste geht nur bis S

    snboris | 09:11

  4. Re: Und hier ist das nervige Problem

    pythoneer | 09:06

  5. Re: Das Veröffentlichungsdatum von Age of Empires...

    cb (Golem.de) | 09:03


  1. 09:02

  2. 07:49

  3. 07:23

  4. 07:06

  5. 20:53

  6. 18:40

  7. 18:25

  8. 17:52


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel