Geothermie: Wer auf dem Vulkan wohnt, muss nicht so tief bohren

Die hohen Erwartungen haben Geothermie-Kraftwerke bisher nicht erfüllt. Weltweit setzen trotzdem immer mehr Länder auf die Wärme aus der Tiefe - nicht alle haben es dabei leicht.

Ein Bericht von Jan Oliver Löfken veröffentlicht am
Das Geothermiekraftwerk Bjarnarflag in Island: Die Zahl von Geothermie-Kraftwerken wächst ständig.
Das Geothermiekraftwerk Bjarnarflag in Island: Die Zahl von Geothermie-Kraftwerken wächst ständig. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Vor fünf Jahren platzte in St. Gallen der Traum von Strom und Wärme aus der Tiefe der Erde. 4.450 Meter drang die Bohrung in den Boden des Sittertobels. Etwa 140 Grad heißes Wasser sollte im Flusstal der Sitter durch eine Bohrung an die Oberfläche gefördert werden. Nach der Nutzung für Strom und Wärme für etwa 4.000 Haushalte sollte das abgekühlte Wasser durch ein zweites Bohrloch wieder in den Untergrund zurückgepumpt werden. Die Mehrheit der Bevölkerung der Schweizer Stadt nahe dem Bodensee stand hinter dem auf 160 Millionen Schweizer Franken taxierten Vorhaben. Selbst nach einem kleinen Erdbeben der Magnitude 3,6 im Juni 2013 fiel das Projekt nicht in Ungnade.

Inhalt:
  1. Geothermie: Wer auf dem Vulkan wohnt, muss nicht so tief bohren
  2. Weltweites Interesse an Geothermie
  3. Heizen mit Erdwärme
  4. Geothermie beheizt Gewächshäuser

Dank der großen Akzeptanz in der Bevölkerung und der hohen Temperaturen im Untergrund hätte St. Gallen zu einem Vorzeigeprojekt für die Tiefengeothermie werden können. Folgeprojekte wären im ausgedehnten Molassebecken der Voralpen, das sich vor bis zu 34 Millionen Jahren mit Sedimenten füllte und ein hohes geothermisches Potenzial birgt, nicht ausgeschlossen. Doch kam es anders.

Nicht die Angst der Bürger vor Erdbeben führte zum Aus, sondern die Geologie: In den Tiefengesteinen floss schlicht zu wenig Wasser. Erst ab einer Förderrate von 50 Litern heißen Wassers pro Sekunde wäre eine technische Nutzung der Tiefenwärme sinnvoll gewesen. Tatsächlich wurden aber durchschnittlich nur 6 und ab und zu 12 Liter gefördert. Zu wenig, um eine dauerhafte Energieversorgung mit Erdwärme zu gewährleisten. Auch die Förderung des aus dem Bohrloch austretenden Erdgases bot keine wirtschaftliche Alternative, um den Verlust - etwa 44 Millionen Franken waren bereits ausgegeben - zu minimieren.

St. Gallen steht exemplarisch für die Risiken, die die Tiefengeothermie mit sich bringt. Tiefe und teure Bohrungen führen trotz guter geologischer Voraussetzungen längst nicht immer zum Erfolg. Als bedeutende Quelle für erneuerbaren Strom hat sie in Mitteleuropa das Wettrennen gegen Wind- und Solarkraftwerke verloren. "Die starke Fokussierung auf Strom war nicht richtig", sagt Ernst Huenges, Leiter der Sektion Geoenergie am Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ). Die Grundlastfähigkeit war zwar verlockend, doch der Aufwand zu groß.

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Fehlschläge und Risiken wie Erdbeben oder auch Bodensenkungen schaden auch dem Ruf der Geothermie. Ängste in der Bevölkerung werden geschürt. Und diese müssen für eine Akzeptanz für zukünftige Projekte dringend ernst genommen werden. Dieser Weg mag mühselig sein, doch braucht ihn die Geothermie nicht zu scheuen. Denn bei verantwortungsvoller Anwendung der bereits entwickelten Technologien können die Risiken auf ein Minimum begrenzt werden.

Global spielt die Geothermie schon eine bedeutendere Rolle.

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Weltweites Interesse an Geothermie 
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dummzeuch 17. Sep 2019

Danke für den Link. Das Wasser, das rausgepumpt wird, ist also 1. nur lauwarm (bis 30...

FaLLoC 17. Sep 2019

Mal so ein Rumgerechne: Gehen wir von einem Primärenergiebedarf von 600 EJ/a für die...

mxcd 17. Sep 2019

Ich glaube nicht, dass der Artikel bezogen auf Indonesien ein bestimmtes...

mxcd 17. Sep 2019

Kennt jemand Projekte, wo versucht wird, Geothermie nur durch Wärmetausch und Verdichtung...

cabel 17. Sep 2019

Damit bin ich jetzt quasi völlig CO2 Neutral, wenn man von den wenigen Produkten absieht...



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