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Geothermie: Ein Bohrkopf, der Öl und Gas überflüssig machen soll

In einer Demonstration wurde Granit nicht durchbohrt, sondern verdampft. Die Technik soll den Weg für preiswerte Geothermie freimachen.
/ Mario Petzold
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Mitarbeiter Andres Calabressi erklärt die Bohrtechnik von Quaise Energy. (Bild: Quaise Energy)
Mitarbeiter Andres Calabressi erklärt die Bohrtechnik von Quaise Energy. Bild: Quaise Energy

Das Start-up Quaise Energy(öffnet im neuen Fenster) , eine Ausgründung des MIT, hat den technischen Stand seines Mikrowellenbohrkopfes demonstriert. Dabei wurde ein mehr als 100 Meter tiefes Loch in Granit gebohrt – das häufigste Hartgestein in der Erdkruste.

Allerdings wurde nicht mehr wirklich "gebohrt", sondern durch den Einsatz eines Gyrotrons(öffnet im neuen Fenster) wurde das darunterliegende Material verdampft. Ein solches Gerät sendet Mikrowellen aus und erreicht theoretisch Temperaturen von mehreren hundert Millionen Grad, weshalb die Technik auch bei Kernfusionsexperimenten eingesetzt wird.

Bei einer Tiefenbohrung soll sie vor allem Zeit sparen und durch den fehlenden Kontakt zum Bohrmaterial selbst bei hartem Fels verlässlich arbeiten. Bei einer weiteren Demonstrationsbohrung in Granit soll die Geschwindigkeit bei 5 Metern pro Stunde gelegen haben. Klassische Bohrungen in dasselbe Material benötigen laut Henry Phan, Ingenieur bei Quaise Energy, für diese Strecke 50 Stunden.

Neue Möglichkeiten der Tiefenbohrung

Sollte sich die Bohrtechnik, deren Entwicklung ausgehend von einem Artikel in MIT News(öffnet im neuen Fenster) aus dem Jahr 2022 ziemlich exakt im Plan liegt, im praktischen Einsatz bewähren, wären schnellere, tiefere und kostengünstigere Tiefenbohrungen als heutzutage denkbar.

Die Idee von Quaise Energy ist, in bereits bestehenden Kraftwerken die bisherige Wärmequelle durch Geothermie zu ersetzen. Der Wasserdampf für die Turbinen käme dann aus der Erde und müsste nicht durch die Verbrennung von Kohle und Gas oder Kernspaltung erzeugt werden.

Genau dafür muss eine Tiefe von mehreren Kilometern erreicht werden, denn nur dann kann an fast jedem Standort weltweit verlässlich eine Wärmequelle im Bereich von 300 bis 500 °C angezapft werden.

Und das ist das nächste Ziel. Nach den erfolgreichen Tests in hartem Gestein soll demnächst eine Tiefe von mindestens 1 km erreicht werden.


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