George Lucas' Erstlingswerk THX 1138: Düstere Dystopie statt Spaß-Science-Fiction

Als George Lucas THX 1138 entwickelte, dachte wohl noch niemand, dass er einmal einer der einflussreichsten Filmemacher aller Zeiten werden sollte. Denn die Anfänge waren bescheiden und es wirkte nicht, als wäre Lucas in der Lage, ein großes Publikum anzusprechen.
Während seiner Zeit am College schuf der Star-Wars-Erfinder einige Kurzfilme, die größtenteils experimenteller Natur waren. Ein Kurzfilm, Look At Life(öffnet im neuen Fenster) , erhielt immerhin auf einigen Festivals Preise. Zudem begann Lucas in dieser Zeit mit der Arbeit an seinem Kurzfilm Electronic Labyrinth THX 1138 4EB(öffnet im neuen Fenster) , der später zu einem abendfüllenden Film werden sollte.
Zunächst aber erhielt Lucas 1967 die Gelegenheit, an einem Film von Warner Brothers mitzuarbeiten. Bei Der goldene Regenbogen lernte er den ebenfalls jungen und aufstrebenden Regisseur Francis Ford Coppola kennen. Es war der Beginn einer langjährigen Freundschaft. Coppola setzte sich bei Warner dafür ein, dass THX 1138 dort als Spielfilm verwirklicht werden konnte. Während Lucas an dem Drehbuch schrieb, arbeitete er zusammen mit Coppola an dessen Road-Movie Liebe niemals einen Fremden. Gleichzeitig schuf er die Dokumentation Filmmaker, die Coppola bei der Arbeit zeigte.
Eine Studenten-Vision wird Wirklichkeit
Zu Beginn der 1970er Jahre konnte Lucas THX 1138 endlich umsetzen. Es war Science-Fiction, wie sie in diesem Jahrzehnt vorherrschte: düster, deprimierend, pessimistisch. Die Geschichte um ein totalitäres System, in dem ein Arbeiter endlich den freien Willen erlangt und daraufhin gejagt wird, ist spannend - und eigentlich vielversprechend.

Allerdings blieb der Film bei seiner Veröffentlichung 1971 weitgehend unbeachtet. Erst nach einer Wiederaufführung nach dem Erfolg der Star-Wars-Filme erwies sich auch THX 1138 als recht profitabel. In Deutschland war er erst am 30. Dezember 1978 zu sehen - und zwar nicht im Kino, sondern gleich im Fernsehen.
Eine Welt ohne Emotion
Die Geschichte von THX 1138 ist folgende: Die Regierung hat Menschen zu Nummern gemacht. THX 1138 ist ein Mann, der in einer staatlichen Fabrik arbeitet. Nach getaner Arbeit geht er in einen Laden und erwirbt als produktives Mitglied einer Konsumgesellschaft nutzlose Gegenstände.

LUH 3417 ist die vom Staat verordnete Mitbewohnerin von THX 1138. Sie leistet ihm in ihrer platonischen Beziehung Gesellschaft. Jedwede Form körperlicher Berührungen ist verboten, die Fortpflanzung wird künstlich besorgt, während die Emotionen der Menschen mit Hilfe von Drogen gedämpft werden.
Jedoch hat LUH 3417 ihre Drogen abgesetzt, um wieder etwas zu fühlen - und nicht nur ihre, sondern auch die von THX 1138. Dessen seltsam werdendes Verhalten fällt dem Staatsapparat auf. THX 1138 ist jetzt ein Mann, der gegen ein repressives System aufbegehrt.
THX 1138 hat wenig mit Star Wars gemeinsam
Anders als Star Wars ist THX 1138 keine leichte Science-Fiction-Kost. Der Film zeichnet ein düsteres Bild einer emotional toten Gesellschaft. Die Kälte, die der Film ausstrahlt, wird auch in der High-Definition-Präsentation der neuen Blu-ray transportiert. Das Werk liegt hier auch im Director's Cut vor, der zuerst im Jahr 2004 auf DVD veröffentlicht wurde. Den ungewöhnlichen Look erreichte George Lucas dadurch, dass Kleidung und Interieur mehrheitlich weiß sind, und er lediglich mit natürlichem Licht arbeitete.
In den Hauptrollen sind Robert Duvall und Maggie McOmie zu sehen. Außerdem ist Donald Pleasence dabei, der später durch die Halloween-Filme zu besonderer Bekanntheit gelangte. Der Film lebt von ihrem Spiel - wobei Duvall hervorzuheben ist, weil er so gut darin ist, das emotionale Erwachen dieses kalten Menschen zu zeigen.
Der Film nimmt kafkaeske Züge an, wenn der Mann gegen das System steht, er erinnert aber auch an George Orwells 1984. Vor allem ist er seiner Zeit verhaftet, denn die Science-Fiction der 70er Jahre war vor der Veröffentlichung von Star Wars vor allem von dystopischen, gesellschaftskritischen, auch ökologisch warnenden Filmen geprägt. Sie war weit literarischer und arbeitete mit Ideen, die des Nachdenkens wert sind.
Die verschiedenen Fassungen
Der Kurzfilm dauerte 15 Minuten, die erste Version des Kinofilms hatte eine Laufzeit von 81 Minuten - wobei Warner einen eigenen Cutter auf den Film ansetzte und fünf Minuten im Vergleich zur Version der Produzenten entfernte. 1977 wurde der Re-Release des Films vorbereitet und Lucas konnte die fünf Minuten wieder einfügen.
Jahrzehnte später, im Jahr 2004, ließ Lucas dann neue visuelle Effekte anfertigen, um Massenszenen eindrucksvoller aussehen zu lassen. Zu sehen sind sie in der von ihm präferierten Fassung, seinem Director's Cut.
THX? Da war doch was.
Der Titel hat keine Signifikanz, George Lucas erklärte aber in einem Interview auf der DVD-Kompilation Reel Talent, das auch den Kurzfilm enthält, dass er die Buchstaben und Zahlen aus ästhetischen Gründen wählte. In den Star-Wars-Filmen gibt es Referenzen auf den Film(öffnet im neuen Fenster) . Auch in Lucas' zweitem Werk, American Graffiti, ist der Titel vorhanden - auf dem Kennzeichen eines Autos.
Und natürlich benutzte Lucas die Buchstabenfolge für seine Firma THX Ltd.(öffnet im neuen Fenster) , die 1983 gegründet wurde - ein Unternehmen, das heutzutage als Gütesiegel für die Filmwiedergabe in Kinos gilt und Bild und Ton gleichbedeutend behandelt.



