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Geopolitik: Wer den Weltraum kontrolliert, kontrolliert die Erde

Staaten rund um den Globus rüsten für Krieg im Weltraum, obwohl sie diesen Konflikt nicht wollen. Drei Sicherheitsexperten erklären die Hintergründe.
/ Tim Reinboth
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Donald Trump bei der Vorstellung der Golden-Dome-Pläne im Mai 2025 (Bild: Chip Somodevilla/Getty Images)
Donald Trump bei der Vorstellung der Golden-Dome-Pläne im Mai 2025 Bild: Chip Somodevilla/Getty Images
Inhalt
  1. Geopolitik: Wer den Weltraum kontrolliert, kontrolliert die Erde
  2. Eine Mondbasis ist keine Science-Fiction mehr
  3. Europas romantisch verklärter Blick
  4. Keine Einigung zu Weltraumwaffen
  5. Teil 2: Neue Technologien kippen die alte Detente
  6. Kein 100-prozentiger Schutz gegen das Armageddon
  7. Umstritten wie nie zuvor

Dieser Golem-Plus-Text ist 24 Stunden lang frei verfügbar.

Russlands Angriff auf die Ukraine gilt auch als Weltraumkrieg: Um die Verteidigung zu stören, begann Moskau seine Invasion mit einer Cyberattacke auf den Satelliteninternetanbieter Viasat. Außerdem verfolgen die Großmächte gegenseitig ihre Satelliten, und die russische Regierung plant eventuell, eine Atomwaffe im Weltraum zu stationieren. US-Konzerne wiederum wollen ihrem Land ausdrücklich "die Kontrolle im Weltraum" sichern(öffnet im neuen Fenster).

Wir haben drei Experten zu den Hintergründen befragt. Sie erklären, dass die Großmächte den Weltraum seit jeher militärisch betrachten, dass technische Entwicklungen dort aktuell den Status quo kippen und die Tatsache, dass niemand Krieg im Weltraum will, nicht bedeutet, dass es keinen geben wird.

Teil 1: Geopolitik des Weltraums

Eine der Expertinnen ist Andrea Rotter. Sie ist stellvertretende Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung, leitet dort das Referat für Außen- und Sicherheitspolitik und befasst sich mit der strategischen Bedeutung des Weltraums.

Im 21. Jahrhundert, sagt sie, hänge die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit eines Staates "vom Zugriff auf, der Resilienz von und der technologischen Überlegenheit seiner Weltraumsysteme" ab. Alle modernen Streitkräfte seien "hochgradig abhängig" von weltraumgestützten Systemen: zum Beispiel Kommunikationssatelliten, satellitengestützte Navigation und Erdbeobachtungssatelliten für Aufklärung und Frühwarnung. Die ganze Art und Weise, wie moderne Militärs funktionieren, baue auf solchen Systemen auf.

Wer den Weltraum kontrolliert, kontrolliert die Erde

Also hat der Weltraum eine zentrale strategische Bedeutung (PDF)(öffnet im neuen Fenster). Wer hier frei handeln und die anderen einschränken kann, erreicht nicht nur space supremacy, die absolute Hoheit im All, sondern die effektive Kontrolle über den Planeten Erde. Es ist kaum überraschend, dass daraus ein Rennen um die technologische Hoheit bei Weltraum- und Antiweltraumfähigkeiten entsteht.

Denn die Großmächte wissen seit Anfang des Space Race, dass der Weltraum zu wertvoll ist, um ihn durch einen anderen Staat kontrollieren zu lassen. Deswegen, meint Rotter, seien der Weltraum, das Militär und geopolitisches Kalkül seit Beginn des Raumfahrtzeitalters "eng miteinander verflochten."

In einer Analogie zu dem beliebten Brettspiel Risiko, ist den Weltraum zu beherrschen, wie Asien einzunehmen: Sobald ein Spieler diesen Bereich ganz erobert, können sich ihm andere alleine kaum widersetzen. Wenn sie nicht verlieren wollen, bleibt ihnen ohne Verbündete nur noch die Option, ungeachtet der Verluste ihr Glück zu riskieren.

So ähnlich beschreibt Rotter den Wettbewerb um begrenzt verfügbare Orbits, Frequenzen und strategisch wichtige Punkte. Sie zu kontrollieren bedeutet, sich taktische Vorteile zu sichern. Konkret gehe es um den Low Earth Orbit (LEO), den Mond und den sogenannten cislunaren Raum: die 33 Erddurchmesser zwischen dem Trabanten und unserem Planeten.


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