Umstritten wie nie zuvor
In den fast 60 Jahren seit der Unterzeichnung des Weltraumvertrags hat sich also einiges geändert. Aus Reagans futuristischer Strategic Defense Initiative (SDI) – das auch als Star Wars bekannte Programm, um Atomwaffen "unfähig und überholt" zu machen(öffnet im neuen Fenster) – ist Trumps Golden Dome geworden. Beide sind unglaublich teuer und technisch kaum umsetzbar. Aber es sind Projekte aus zwei völlig unterschiedlichen Welten.
Als Reagan Star Wars 1983 offiziell anordnete, hatte die Menschheit bis dato circa 3.000 Objekte in den Weltraum befördert. Inzwischen befinden sich fast 15.000 im Orbit(öffnet im neuen Fenster). Der Weltraum gilt inzwischen als "congested and contested": überfüllt und umstritten.
Dass sich Staaten nun immer häufiger fremden Satelliten annähern, habe auch damit zu tun, dass sie im Weltraum leichter aufklären können, welche Fähigkeiten an Bord sind, sagt Nötzold. Außerdem testen sie mit diesen Manövern, was möglich ist, stören den Gegner und verschieben langsam, was als normal gilt. All das sei aber "bewusst noch unterhalb der Schwelle eines Angriffs".
Notausgang Space Traffic Management
Schließlich würde die große Mehrheit der internationalen Gemeinschaft das Wettrüsten im Weltraum gerne verhindern, meint Rotter. Selbst die Großmächte wollten dort keinen Krieg. Aber sie hätten sich in der Logik eines strategischen Wettbewerbs verfangen. Und die Aufrüstung, die sich daraus ergebe, sei wegen "unzureichender" internationaler Regulierungen "nahezu ungebremst".
Das Sicherheitsdilemma des Weltraums ließe sich "nur durch neue Verträge oder Abkommen" durchbrechen, doch da sehe er aktuell "keine Bewegung", erklärt Sönnichsen. Auch Nötzold kann sich das "zeitnah" nicht vorstellen.
Eine nachhaltige Ordnung im Weltraum könne demnach erst entstehen, "wenn die Wettbewerbslogik überwunden" werde oder man sich "zumindest auf den kleinsten gemeinsamen Nenner" einigen kann. Das könnte der Weltraumschrott sein. Denn alle eigenen Systeme zu verlieren – oder gar ein neues dunkles Zeitalter heraufzubeschwören – möchte bisher keine der Großmächte riskieren.
Sogar im Strategiepapier der USA zur Space Supremacy steht (PDF)(öffnet im neuen Fenster), dass man einem ebenbürtigen Gegner im Weltraum einige Fähigkeiten lassen sollte. Nur so könne man im Zweifelsfall eine größere Eskalation vermeiden. Totale Kontrolle sei "nicht immer erstrebenswert oder erreichbar".
Niemand will einen Krieg im Weltraum
Bisher folgen jedoch immer mehr Staaten dem Beispiel der Großen. Laut seiner Weltraumsicherheitsstrategie möchte auch Deutschland eine "offensive Defensive" aufbauen. Sie würde dem Militär erlauben, wenn nötig auch Ziele im Weltraum zu zerstören – mit der Einschränkung, dass Deutschland möglichst keinen Weltraumschrott produzieren will. Das sei ein "Schutzanspruch, kein Machtanspruch", sagt Nötzold.
Gleichzeitig erklärt sie, dass unsere Sicherheit im Weltraum "natürlich auch mit einer stärkeren Rüstungskontrolle" erfüllt würde. Der deutschen Regierung steht dabei im Weg, dass Politik und Militär auf internationaler Ebene Informationen, Mitsprache und Einflussmöglichkeiten wollen. Und: "Wer mitreden möchte, muss etwas beitragen können", sagt der Kommandeur des Weltraumkommandos, General Traut.
Daher spielt auch Deutschland am Ende lieber doch mit. 35 Milliarden Euro sind für die Weltraumsicherheit eingeplant, 12 Milliarden allein für Kommunikation.
Die USA wollen den Weltraum dominieren und alle Großmächte schärfen ihre Atomwaffen. Solange diese Regierungen so weitermachen, sagt Rotter, könnte es "erst schlimmer werden, ehe es besser wird".
Tim Reinboth(öffnet im neuen Fenster) ist freiberuflicher Wissenschaftsjournalist und Kognitionswissenschaftler. Er schreibt über Herausforderungen, Möglichkeiten und kuriose Momente an den Schnittstellen von Technologie und Gesellschaft.
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... er die geopolitischen Machtkämpfe im Weltraum anhand fachkundiger Einschätzungen von Sicherheitsexperten einordnet und erklärt, warum Satelliten, Mondbasen und Antisatellitenwaffen zunehmend über militärische Stärke auf der Erde entscheiden. Er verbindet aktuelle Entwicklungen mit strategischen Hintergründen und zeigt, weshalb ein neues Wettrüsten im All bereits begonnen hat – und warum es derzeit kaum Wege gibt, diese Eskalation zu stoppen.
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