Keine Einigung zu Weltraumwaffen
Was Waffen betrifft, stehen diese Verträge indes im Zeichen ihrer Ära. So verbietet der Weltraumvertrag nur, dass Staaten Massenvernichtungswaffen im Orbit oder auf dem Mond stationieren. "Alle anderen Technologien", sagt Rotter, seien durch diese Verträge "nicht reguliert".
Die Weltraummächte teilen nicht mal ein Verständnis dafür, was genau eine Waffe im All ist. Russland und China würden in einem neuen Abkommen gerne jegliche Waffen verbieten(öffnet im neuen Fenster). Aber weil viele Technologien militärisch und zivil genutzt werden können (Dual-Use-Technologien) wäre so ein Verbot laut Rotter "kaum verifizierbar" und daher auch "kaum umsetzbar".
Die USA und Europa würden stattdessen gerne Normen und Prinzipien für ein verantwortliches Verhalten im All etablieren. Sie wollen potenziell bedrohlichen Handlungen vorbeugen, ohne einzuschränken, welche Technologien die Unterzeichner entwickeln oder in den Orbit bringen dürfen.
Selbst da, wo Regeln gelten, hielten sich Staaten aber nicht immer daran, sagt Rotter. Beispielsweise, indem sie Satelliten in Umlaufbahn bringen, ohne sie zu registrieren (PDF)(öffnet im neuen Fenster). Die Atomwaffe, die Russland vermeintlich in den Orbit bringen möchte, würde ohnehin alle Verträge brechen und die letzte rote Linie passieren, auf die sich sogar die Rivalen im Kalten Krieg einigen konnten. Und ein rotes Telefon wie damals, das gebe es heute nicht, meint Nötzold.
Zwei neue Rivalen und eine absteigende Großmacht
Praktisch erleben wir aus dieser Ausgangssituation heraus heute Folgendes: Die USA sind immer noch die vorherrschende Weltraummacht. Aber die Führung Chinas würde mindestens mit ihr gleichziehen wollen, erklärt Nötzold. Davon fühlten sich die USA "herausgefordert", während die "absteigende Weltraummacht" Russland zunehmend aggressiv ihre Relevanz betone.
Sönnichsen sagt, alle Beteiligten wollten sich gegen die anderen verteidigen. Dazu entwickelten sie neue Wege, die eigenen Systeme zu schützen und neue Waffen, um die Gegner anzugreifen, zu stören oder einzuschränken. Doch das zwingt die Rivalen, es ihnen gleichzutun.
Dieses eskalierende Sicherheitsdilemma erzeugt Sönnichsen zufolge in Summe "immer mehr Unsicherheit". Im schlimmsten Fall scheine ein militärischer Erstschlag irgendwann wie die beste Option. Je länger dieser Wettbewerb andauert und je weniger europäische Staaten den Eindruck haben, sich auf die USA verlassen zu können, desto mehr von ihnen halten es für nötig, eigene Weltraumwaffen aufzubauen.
Den Rüstungswettlauf zu durchbrechen, sei deswegen "derzeit kaum möglich", sagt Sönnichsen. Dafür sei die geopolitische Lage zu ungewiss und das Spiel zu weit fortgeschritten.
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