Europas romantisch verklärter Blick
Europäische Staaten haben im Weltraum hingegen bis vor wenigen Jahren vorrangig zivile Ziele verfolgt: Exploration, Forschung und wirtschaftlichen Nutzen. Was europäische Militärs spätestens mit dem ersten Space War erkannt hätten, sagt Nötzold und meint damit den zweiten Golfkrieg 1990-91, habe die europäische Politik bisher "zu wenig interessiert".
Europa habe lieber mit "romantisch verklärtem Blick" in den Himmel geschaut, als sich mit der strategischen Realität des Weltraums auseinanderzusetzen. Die klare Grenze zwischen militärischer und ziviler Nutzung des Weltraums, die man sich vorstellte, habe aber "nie so existiert". Deswegen sei es "fahrlässig" gewesen, nicht zu erkennen, wie wichtig der Weltraum für das Fortbestehen der modernen Zivilisation ist.
2019 erst ist Deutschland schließlich der Combined-Space-Operations-Initiative (CspO) beigetreten, seit 2024 beteiligt es sich an der militärischen Operation Olympic Defender (OOD).
Den geopolitischen Manövern der Großmächte sei Europa bisher dennoch nicht gewachsen, urteilt Nötzold. Mit Blick auf die Invasion der Ukraine sagt sie: Nur weil Europa nicht wahrhaben wollte, dass andere Staaten kalkuliert ihre Ziele verfolgen, heiße das noch lange nicht, dass sie es nicht tun. Das gelte auch für den Weltraum.
Die verblassende Ordnung des Weltraumvertrags
Für viele Menschen in Europa hat sich dennoch das Bild eines friedlichen Raums über unseren Köpfen gehalten. Inmitten anderer Konflikte kooperierten Staaten bei der Internationalen Raumstation (ISS), China sucht Partner für seine Marsmission. Was den Weltraum betraf, schienen sich die Widersacher des Kalten Krieges besonnen zu haben.
Bereits 1967 unterzeichneten die USA und die Sowjetunion den Weltraumvertrag, der bis heute dessen militärische Nutzung reguliert. Der Outer Space Treaty und seine Folgeabkommen untersagen es den Unterzeichnern etwa, sich den Mond anzueignen. Außerdem legen sie fest, dass Staaten für Schäden haften, die sie oder Unternehmen aus ihrem Land im Weltraum anrichten.
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