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Ein Betrüger und Verleumder strebt den Friedensnobelpreis an

Die Außenpolitik ist auch das Feld, auf dem sich Trump selbst ein Denkmal setzen will. Da er unbedingt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden möchte, versuchte er sich 2025 darin, mehrere Friedensvereinbarungen auszuhandeln. Doch als Peacemaker scheitert der selbst ernannte Dealmaker.

Den am 9. Oktober vereinbarten und von Trump organisierten sogenannten Friedensplan für Gaza brach die israelische Regierung erstmals bereits nach nur drei Tagen(öffnet im neuen Fenster) . Das ist traurig, denn die Not in Gaza ist für sehr viele Menschen unerträglich.

Das gilt auch für die Ukraine. Und das war zugegeben auch 2024 schon so – sowohl in Gaza wie in der Ukraine. Je länger die Kriege in beiden Staaten andauern, desto mehr leiden wir beim Blick auf die Zerstörung in der Ukraine und in Gaza sowie das alltägliche Leiden der Menschen dort. Die Hilflosigkeit, die wir dabei empfinden, erschöpft uns jedes Jahr mehr.

Zugleich blickten wir 2025 resigniert nach Washington, Berlin, Lausanne und Mar-a-Lago in der Hoffnung, dass sich Trumps außenpolitisches Totalversagen in Gaza bei seinem Bemühen, Russland zu einem Friedensschluss mit der Ukraine zu bewegen, nicht wiederholt. Der US-Präsident ließ dazu zunächst seinen Sonderbeauftragten Steve Witkoff Anfang Dezember nach Moskau fliegen.

Sollte der Freund Putins(öffnet im neuen Fenster) ihm dabei die 37 Millionen ukrainischen Bürgerinnen und Bürger auf dem Silbertablett servieren? Sein erster, 28 Punkte umfassender "Friedensplan" ließ das Schlimmste befürchten. Doch das war Putin nicht genug.

Europa ergriff die Chance und brachte sich unter deutscher Führung intensiv in die Ausarbeitung einer Verhandlungsgrundlage ein, mit der auch die Ukraine sowie die europäischen Nato-Staaten leben können. Der EU missfiel am ursprünglichen Friedensplan vor allem die Forderung der USA, 100 Milliarden Euro aus den in Europa eingefrorenen russischen Vermögen in einen Fonds für den Wiederaufbau der Ukraine zu überführen.

Korruption als "neue Norm in der Geopolitik"

Die Hälfte der Gewinne aus Projekten, die mit diesem Geld finanziert werden sollten, wollte Trump in die USA abführen. Profitiert hätten davon voraussichtlich vor allem seine Familie und die Milliardärsfreunde des Präsidenten. Daraus wurde bislang zwar nichts.

Der Vorschlag zeigt dennoch, dass "Korruption heute die Norm in der Geopolitik" ist, wie es der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater von Ex-US-Präsident Barack Obama, Ben Rhodes, formuliert(öffnet im neuen Fenster) . So dreist und ungeschminkt gab es das in unserer Welt bislang nicht.

Der Vorschlag steht zudem stellvertretend für Trumps Moral – einer Mischung aus Selbstgefälligkeit und dem vollkommenen Mangel an Respekt vor anderen und ihren legitimen Interessen. Sie ruft bei uns jedes Mal ein Gefühl des Gruselns hervor, wenn der US-Präsident der Weltöffentlichkeit seine Vorstellungen in seiner infantilen Diktion präsentiert.

Mischung aus Fremdschämen, Fassungslosigkeit und Wut

Dieses Gemisch aus Fremdschämen, Fassungslosigkeit und Wut kannte ich beim Blick in die Tageszeitung oder während der Abendnachrichten bis zum Januar 2025 nicht. Ich kann mich daran nicht mal aus Trumps erster Amtszeit erinnern.

Der Schulterschluss der Vereinigten Staaten mit Russland im Dezember 2025 ist zugleich die wohl tiefgreifendste Veränderung der Weltordnung seit 1945. Dazu kam es, nachdem Donald Trump gerade mal zehn Monate im Amt war. Ganz zu schweigen von Trumps jüngster Operation: dem völkerrechtswidrigen Angriff auf Venezuela und die gewaltsame Gefangennahme seines Staatspräsidenten.

Wen wundert es, wenn uns das am Neujahrsmorgen Kopfschmerzen bereitet und wir uns fragen: Was kommt da noch auf uns zu?


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