Geoengineering: Elon Musk und der Additive Bias

Mit einer kurzen Wortmeldung(öffnet im neuen Fenster) auf seinem eigenen Dienst X bringt Elon Musk das Geoengineering zur Sprache. Er schlägt vor, solarbetriebene und selbstverständlich durch künstliche Intelligenz gesteuerte Satelliten zu verwenden, um die auf die Erde einstrahlende Energie der Sonne zu regulieren. Damit ließe sich seiner Ansicht nach die Erderwärmung stoppen.
Immerhin 26 Millionen Menschen haben das gelesen und 30.000 haben geantwortet. Für Elon Musk ein eher schwacher Post, aber angesichts des trockenen Themas eine ordentliche Resonanz, womit die Idee zumindest in der Welt wäre.
Verschiedene Ansätze, gleiches Ziel
Diese Form von Geoengineering, also eines großräumigen Eingriffs zur Veränderung des Klimas, wird schon länger diskutiert. Auch das Entfernen von CO 2 aus der Atmosphäre oder das Einbringen von Aerosolen zur Wolkenbildung gehören dazu.
Während bei der künstlichen Wolkenbildung bisher völlig unklar ist, ob sie mehr Wärmeeinstrahlung verhindert oder sogar mehr Wärme in der Atmosphäre zurückhält, stehen die gigantischen Energiekosten der Filterung von Kohlenstoffdioxid entgegen, zumal die Energiegewinnung erst die Konzentration von CO 2 in der Atmosphäre hat steigen lassen.
Die Antwort von Elon Musk auf die Erderwärmung sind also Satelliten, die ebenfalls erst einmal durch ihren Bau und Start zu eben jener beitragen dürften. Abgesehen davon, dass ein Schwarm von Satelliten, der Einfluss auf das einfallende Sonnenlicht hat, nicht in der Hand eines Konzerns oder einer Einzelperson sein sollte, offenbart sich hier ein Denkfehler.
Die Lösung kann nur durch Hinzufügen erfolgen
In der Psychologie nennt sich das Additive Bias(öffnet im neuen Fenster) . So wird die Neigung beschrieben, ein Problem durch die Ergänzung um einen weiteren Schritt oder neue Technik zu lösen.
Man nimmt also Nahrungsergänzungsmittel, statt gesünder zu essen. Man mistet nicht aus, sondern kauft noch einen Schrank zum Verstauen. Oder man löst den Klimawandel mit Techniken, die ihn mitverursachen, statt sparsamer mit der Energie umzugehen, die vor Jahrmillionen auf die Erde eingestrahlt ist und nun unter der Erde gespeichert ist, in Form von Kohle, Gas und Öl.
Stattdessen neigen die meisten Menschen dazu, Probleme durch zusätzliche Komplexität zu lösen. Noch ein Beispiel: Autos bieten mehr Komfort, mehr Leistung, mehr Funktionen, werden aber immer schwerer und damit auch gefährlicher, für Fußgänger zum Beispiel. Statt die Ursache zu bekämpfen, werden Erkennungssysteme ergänzt, um das Unfallrisiko zu senken.
Es geht auch anders
Ein Forscher, der sich mit dem Thema befasst, ist Leidy Klotz, Professor für Ingenieurwesen und Architektur an der Universität von Virginia, USA. Er untersucht, warum Menschen zur Überkomplexität neigen, unter anderem in einer Studie in Nature(öffnet im neuen Fenster) .
So ist eine Mutmaßung, dass das Verhalten evolutionär bedingt ist und in einer Gesellschaft von Jägern und Sammlerinnen vorteilhaft war. Gleichzeitig passt es aber auch zu einem Wirtschaftssystem, das vom Kauf neuer, tendenziell teurerer Produkte lebt.
Und Elon Musk lebt von neuen Geschäftsideen und nicht von der Sparsamkeit. Zweifellos würde er von Satelliten profitieren, die weniger Sonnenlicht zur Erde durchdringen lassen. Für den Rest der Welt, das Klima und die Erderwärmung kann man da weniger sicher sein.



