Geoengineering: Ein Schutzvorhang für die Antarktis
Im Januar 2026 hat ein internationales Forschungsteam damit begonnen, Vermessungen am Thwaites-Gletscher(öffnet im neuen Fenster) in der Antarktis durchzuführen, wie The Atlantic(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) berichtet. Die Ingenieure und Wissenschaftlerinnen, die als The Seabed Curtain Project(öffnet im neuen Fenster) firmieren, arbeiten unter anderem an der University of Cambridge, Großbritannien, der New York University, USA, der Universität von Lappland, Finnland, und dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.
Die Messdaten sollen zusammen mit den bereits seit Jahrzehnten gesammelten Informationen helfen, einen effektiven Schutz für den mutmaßlich größten Gletscher der Erde zu errichten. Geplant ist ein bis zu 80 Kilometer langer und 150 Meter hoher Vorhang, der die Zunge des Gletschers vor dem sich weiter erwärmenden Meerwasser schützen soll.
Dafür werden in den nächsten zwei Jahren mithilfe von Unterwasserrobotern die Temperatur, Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung der Meeresströmung erfasst. Gleichzeitig muss geprüft werden, ob die Konstruktion eines solchen Schutzschirms überhaupt möglich ist.
Geoengineering bleibt umstritten
Die Idee, die als Doomsday-Gletscher bekannte Eismasse zu schützen, gibt es schon länger. 2024 erschien dazu eine Abhandlung in Nature(öffnet im neuen Fenster) . Der enorme Aufwand an Arbeitskraft und Material bei potenziellen Kosten von bis zu 70 Milliarden Euro steht besonders in der Kritik, weil Geld und Mühen auch in direkten Klimaschutz investiert werden könnten, statt nur dessen Folgen zu bekämpfen.
Zudem lassen sich unvorhersehbare, negative Folgen nicht ausschließen – positive genauso wenig. Für die Idee, die laut dem Bericht zunächst an der Universität von Lappland entwickelt wurde, fanden sich bereits weltweit Unterstützer, darunter einige der größten und bekanntesten Forschungseinrichtungen überhaupt.
Auswirkungen global spürbar
Ob sich mit einem solchen Vorhang, der vom Meeresboden nur etwa bis zur Hälfte der Wassertiefe aufragt, tatsächlich die Strömung so beeinflussen lässt, wird zunächst in Norwegen untersucht. Ein 150 Meter langer und 40 Meter hoher Vorhang wird dort testweise in einem Fjord installiert.
Sollte der Thwaites-Gletscher schmelzen, dürften die Schäden aller Voraussicht nach bei mehr als den eingesetzten 70 Milliarden Euro liegen. Seine Eisfläche beträgt 200.000 Quadratkilometer, während das Eis in der Antarktis durchschnittlich zwei Kilometer dick ist.
Selbst bei nur einem Kilometer Dicke würde die Menge an Wasser genügen, um den globalen Meeresspiegel um 50 Zentimeter ansteigen zu lassen. Der Schutz des Gletschers könnte somit spürbare positive Auswirkungen haben, während das Abschmelzen der gesamten Antarktis, was nicht so schnell zu erwarten ist, einen Anstieg um ganze 80 Meter(öffnet im neuen Fenster) zur Folge hätte.
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