Gentechnik: Mediziner setzen einem Menschen Crispr-veränderte Zellen ein

Mit genetisch veränderten Zellen gegen Krebs: Chinesische Wissenschaftler haben einem Krebspatienten Zellen eingesetzt, die mit dem Crispr-Cas9(öffnet im neuen Fenster) -Verfahren modifiziert wurden. Es sei das erste Mal, dass Zellen, deren Gene mit diesem Verfahren verändert wurden, einem Menschen eingesetzt wurden, berichtet die britische Fachzeitschrift Nature(öffnet im neuen Fenster) .
Crispr-Cas9 ist ein relativ neues Verfahren für die Bearbeitung von Genen . Dabei schneidet das Enzym Nuklease einen Teil aus einem Desoxyribonukleinsäure-Strang(öffnet im neuen Fenster) (DNA, von Englisch: Deoxyribonucleic Acid), dem Träger des Erbguts, um beispielsweise ein Gen auszuschalten oder es durch ein neues Stück Erbgut zu ersetzen.
Gene können gezielt bearbeitet werden
Teil von Crispr-Cas9 ist ein Navigationssystem, mit dem die Genschere präzise an die richtige Stelle auf dem DNA-Strang gesteuert werden kann. Das von der französischen Biologin Emmanuelle Charpentier entwickelte Verfahren ermöglicht es, Gene einfacher, schneller und günstiger, als es bisher möglich war, zu bearbeiten.
Das Team um den Mediziner Lu You von der Universität in Chengdu in der südwestchinesischen Provinz Sichuan hat mit diesem Verfahren Zellen modifiziert und einem Patienten injiziert. Dieser ist an einer besonders aggressiven Form von Lungenkrebs erkrankt.
PD-1 wurde ausgeschaltet
Die Forscher entnahmen dem Patienten Immunzellen aus dem Blut und deaktivierten darin das Protein PD-1(öffnet im neuen Fenster) , eine Abkürzung von Programmed Cell Death Protein 1. Die Zellen mit dem ausgeschalteten PD-1 setzten sie dann dem Patienten wieder ein.
PD-1 verringert die Immunreaktion des Körpers, was Autoimmunreaktionen verhindert. Allerdings wird dadurch im Gegenzug das Krebswachstum nicht eingeschränkt. Die Forscher hoffen, dass der Körper mit Hilfe der modifizierten Zellen den Krebs selbst erfolgreich bekämpft.
Zehn Patienten sollen behandelt werden
Im Verlauf der Studie wollen die Mediziner zehn Patienten behandeln. Sie sollen zwei bis vier Injektionen erhalten. Auch der jetzt behandelte Patient wird noch einmal modifizierte Zellen bekommen. Die Patienten werden dann sechs Monate lang überwacht, um zu prüfen, ob die Behandlung mit den genetisch veränderten Zellen Nebenwirkungen zeitigt.
Lu ist damit einem US-Team zuvorgekommen, das Anfang 2017 eine klinische Studie zur Krebsbehandlung mit Crispr starten will. An einer Universität in der chinesischen Hauptstadt Peking soll im kommenden Frühjahr ein weiterer klinischer Test durchgeführt werden. Experten sehen bereits ein biomedizinisches Rennen auf diesem Gebiet zwischen China und den USA kommen.
Das Verfahren ist, wie die Gentechnik überhaupt, umstritten. Kritiker befürchten, dass es mit Crispr-Cas9 möglich sein wird, auch das Erbgut von Embryonen zu verändern und so Designerbabys zu schaffen.



