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Teilzeitrentner als Vermittler

Hier kommt der jüngere Kollege Sven Bernhardt ins Spiel. Er ist der Projektverantwortliche, 31 Jahre alt und kennt sich mit objektorientierter Programmierung aus, für die Anwendungssysteme des Frontend. Insgesamt besteht das Projektteam aus sechs IT-Spezialisten. "Es ist eine interessante und ungewohnte Konstellation, ein Projekt zu steuern, zu dem Kollegen gehören, die doppelt so alt sind wie ich selbst und deutlich mehr Erfahrung haben", sagt Bernhardt.

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Er profitiere in der Projektgestaltung sehr von der Erfahrung der älteren Kollegen im Projektmanagement. "Und mit ihrer Gelassenheit wirken sie wie ein Ruhepol auf mich", sagt der 31-Jährige. Um die älteren Kollegen als Fachvorgesetzter zu lenken, brauche er keine anderen oder besseren Argumente als bei Jüngeren. "Entscheidend ist das Bewusstsein, dass wir nur gemeinsam eine gute Lösung finden", erklärt der Teamleiter.

Hillecke schätzt die Leichtigkeit und den Mut der jungen Kollegen, wie sie Dinge angehen. Consist schafft dabei eine Kultur, wie altersgemischte Teams sie brauchen: Jung und Alt sind gleich viel wert und Wissen wird geteilt. Nur dann funktioniert das Zusammenspiel unterschiedlicher Generationen. "Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen", sagt Personalleiterin Birte Eichhorn. Von der Erfahrung der Älteren und der modernen Denk- und Herangehensweise bei Programmierung und Projektmanagement der Jungen profitiere letztendlich der Kunde mit einem guten Produkt.

Weil altersgemischte Teams Projekte und Produkte bereichern, hat Bosch schon vor 20 Jahren dafür eine eigene Gesellschaft gegründet: die Bosch Management Support GmbH. "Sie entstand aus der Idee heraus, Ruheständler von Bosch zeitlich befristet für Beratung und Projekte einzusetzen", sagt Johannes Elling, der Geschäftsführer der Gesellschaft ist, seitdem er vor einem Jahr in den Ruhestand gegangen ist. Davor war der 61-jährige Personalleiter für leitende Angestellte. In der Support-Gesellschaft sind rund 1.700 Ruheständler in einem Personalpool. Zusammengerechnet haben die 45.000 Jahre Berufserfahrung. "Bei uns landen Anfragen aus dem gesamten Unternehmen", sagt Elling. Sie werden mit dem passenden Teilzeitrentner besetzt.

So bilden sich erfolgreiche Tandems, wie Peter Traub, 64, und Andreas Karl, 45, zum Beispiel. Der jüngere ist der Nachfolger des älteren als Projektleiter des Bosch Innovation Framework. Beide sind promovierte Ingenieure und das Framework ist eine zentrale Einrichtung für alle Innovationen bei Bosch, um diese erfolgreich auf den Markt zu bringen. "Dafür erarbeiten wir Standards, aber manche Geschäftsbereiche wollen lieber autonom bleiben. Deshalb bestehen Widerstände gegen unser Projekt", sagt Karl.

Er hat nun Traub im Team, um leichter einen Modus Vivendi mit den Widerspenstigen zu finden. Traub war 30 Jahre in der Entwicklung bei Bosch, zuletzt Entwicklungsleiter bei Automobilkomponenten. Daher hat er ein riesiges Netzwerk im Unternehmen. "Aufgrund seiner Seniorität gelingt es ihm leichter, einen Konsens herbeizuführen als jungen und weniger erfahrenen Kollegen, die oft mit dem Vorurteil leben müssen: Wer bist du überhaupt und was weißt du schon?", sagt Karl. Bei Traub würden sie sich das nicht trauen.

Was jedoch nicht an seiner früheren Führungsfunktion, sondern an seiner großen Erfahrung liegt. "In der Zusammenarbeit mit Jüngeren berufe ich mich nicht auf meine früheren Erfolge und meine Karriere. Ich setze auf meine Erfahrung und versuche dies mit dem aktuellen Wissen der Jungen zu verknüpfen", sagt Traub. Das führe meist zum Ziel. Als Teilzeitmitarbeiter im Projekt unterstützt er seinen Nachfolger in der Erstellung eines Fragebogens, den Innovatoren abarbeiten sollten.

Seine Kollegen haben das akademische Know-how für die Fragen erarbeitet, Traub bringt seine praktische Erfahrung ein. "In einer Art Rollenspiel als Sparringspartner achte ich darauf, dass die Fragen praktikabel und zielführend sind", sagt Traub. Mit seiner Hilfe soll das Framework eine höhere Reife erreichen.

Nicht nur in der Support-Gesellschaft bildet Bosch regelmäßig altersgemischte Gruppen. "Auch im regulären Geschäftsbetrieb stellen wir solche Wissens- und Erfahrungsgemeinschaften zwischen Jung und Alt zusammen und haben damit durchweg positive Erfahrungen gemacht", sagt Elling. Von nennenswerten Unstimmigkeiten hat er nie gehört, was er mit der werteorientierten Unternehmens- und Führungskultur begründet. Sie sorgt dafür, dass es in altersgemischten Gruppen gar nicht erst kracht.

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 Generationenübergreifend arbeiten: Bloß nicht streiten
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Sigma014 19. Feb 2020

Ich stimme dir fast komplett zu. Denn selbst organisierende Teams funktionieren sehr wohl...

.02 Cents 18. Feb 2020

Fachwissen und Technologie sind ziemlich hohle Begriffe - was soll das überhaupt...

Kaliumpermanganat 17. Feb 2020

Gibt es ernsthaft IT Fachkräfte, die ihre Zeit mit Selbstdarstellung und Bewunderung...


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