Gemma: Ukraine entwickelt eigenes KI-Modell

Das ukrainische Digitalministerium und das Telekom-Unternehmen Kyivstar haben die Entwicklung eines großen Sprachmodells auf Grundlage von Googles quelloffener Gemma-Technologie angekündigt(öffnet im neuen Fenster) . Ziel ist eine unabhängige KI-Infrastruktur.
In der Anfangsphase nutzt das System Googles Rechenressourcen. Später wird das Training auf heimische Infrastruktur verlagert, um die volle Kontrolle über die KI-Systeme zu behalten. Vize-Digitalminister Oleksandr Bornyakov erklärte im September 2025, dass ein nationales Modell Ausgaben für ausländische kommerzielle Systeme vermeiden könne. Die Entscheidung gegen proprietäre Plattformen wie OpenAIs ChatGPT hängt offenbar mit militärischen Anforderungen zusammen.
Militärische Integration geplant
Die ukrainischen Streitkräfte planen, KI-Werkzeuge in Führungssysteme(öffnet im neuen Fenster) zu integrieren – für Truppenmanagement und Feindaufklärung. Chinesische Sprachmodelle wie Deepseek und Qwen wurden laut Bornyakov abgelehnt.
Das ausgewählte Gemma-Modell unterstützt mehr als 140 Sprachen, darunter Ukrainisch, und verfügt über ein Kontextfenster mit bis zu 128.000 Tokens
Das Modell wurde zuvor als Grundlage für andere ukrainische Sprachmodelle verwendet, darunter MamayLM und Lapa LLM. Es diente auch als Grundlage für Insait BgGPT, ein bulgarisches Sprachmodell.
Digitalminister Mykhailo Fedorov hatte im August mitgeteilt, dass Militäreinheiten bereits KI für Luftaufklärung, Satellitenbildanalyse und Drohneneinsätze nutzten. Derzeit komme Software des US-Unternehmens Palantir Technologies zum Einsatz, um russische Militärschläge zu analysieren, Desinformationskampagnen zu verfolgen und Minenräumgebiete zu priorisieren.
Metas Llama und Mistral AI aus Frankreich waren laut zwei mit den Gesprächen vertrauten Quellen alternative Optionen. Das Projekt soll auch Schwächen aktueller KI-Systeme bei regionalen Sprachvarianten ausgleichen. Bornyakov erwähnte, dass Menschen aus seiner Heimatstadt Bolhrad in der Nähe von Odessa Ukrainisch, Russisch und Bulgarisch vermischten. Bisherige KI-Modelle könnten dies schlecht verarbeiten.
Das Modell muss Ukrainisch und Minderheitensprachen wie Krimtatarisch verarbeiten können, ebenso Russisch, das in der Ukraine weit verbreitet ist.
Das fertige System soll zunächst Regierungsdienste und Kyivstars Plattformen unterstützen, bevor private Nutzer es einsetzen können. Ein genauer Zeitplan wurde nicht genannt.



