Gemini Intelligence: Mein Smartphone als KI-Agent - will ich das?
Dank Gemini Intelligence sollen Smartphones, Smartwatches und andere Android-Geräte künftig nicht nur Fragen mit KI beantworten, sondern auch eigenständig Aufgaben erledigen. Tischreservierungen, Essensbestellungen, Reiseplanungen – quer über verschiedene Apps soll Googles Gemini mir als KI-Agent die Arbeit abnehmen.
Das klingt praktisch. Ich muss aber gestehen, dass ich mich – wie bei vielen KI-Funktionen – frage, ob ich das überhaupt brauche. Oder gar will. Ich würde mich als KI-interessiert, aber kritisch und vorsichtig bezeichnen. Ich verwende etwa keine KI-Internetsuche, da ich die KI immer nach den Quellen ihrer Aussagen fragen und diese überprüfen würde – entsprechend suche ich einfach ganz normal nach Links. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, vor allem bei KIs, die halluzinieren können.
In meinem Umfeld bin ich mit dieser Vorgehensweise aber gefühlt recht alleine. Immer wieder fangen bei Bekannten Sätze mit "Die KI sagt..." oder "Frag doch mal die KI..." an, und ich weiß, dass die generierten Aussagen nicht nachgeprüft werden. Das liegt natürlich auch daran, wie KI vermarktet wird: als allwissender Helfer. Auf mögliche Irrungen wird nur im Kleingedruckten hingewiesen.
Google hat Sicherheitsvorkehrungen getroffen
Die KI, die Nutzern mitunter Quatsch erzählt, soll nun also Reiseverbindungen für mich heraussuchen oder Essen bestellen. Ich tue mich mit dem Gedanken daran schwer, das gebe ich zu. Google hat Gemini Intelligence (an den sinnvolleren Namen Google Intelligence hat man sich angesichts von Apples Konkurrenzprodukt wohl nicht herangetraut) immerhin einige Sicherheitsfunktionen(öffnet im neuen Fenster) verpasst.
So soll der KI-Agent nur Zugriff auf diejenigen Apps haben, die Nutzer explizit freigeschaltet haben. Bevor irgendetwas gekauft wird, müssen Nutzer die Auswahl bestätigen. Tasks werden nur auf expliziten Befehl gestartet, der Verlauf lässt sich live verfolgen. Und die Daten sind Google zufolge sicher vor dem Zugriff Unbefugter.
Am Ende wird es also nicht so sein, dass das Smartphone munter Dinge einkauft oder eigenständig Reisen in die Südsee bucht. Mir kommen mir aber noch andere Gedanken: Wenn ich Gemini Intelligence etwa sage, dass es mir ein Chicken Korma bestellen soll – kann ich dann davon ausgehen, dass es das richtige Gericht bei einem guten Restaurant bestellt? Ich weiß, welches Restaurant gut ist.
Gemini bekommt bei Essensbestellungen keinen Appetit auf Nachtisch
Will ich mich jetzt darauf verlassen, dass auch Gemini eine gute Entscheidung trifft? Was ist mit Extras, auf die ich während der Bestellung Lust bekomme? Gemini Intelligence dürfte diesbezüglich nicht sonderlich kreativ sein. Und wenn ich Googles KI idealerweise genau sagen muss, was es wo bestellen soll – geht es dann nicht vielleicht sogar schneller, wenn ich die Bestellung selbst in der App aufgebe? Vor allem, wenn ich vor dem Absenden der Order eh noch mein OK geben muss? Meist weiß ich auch, wie ich das Gericht schnell selbst per App bestelle.
Ein anderes Beispiel: Flugbuchungen. Ich weiß, wo ich am besten nach günstigen Flügen schauen muss. Ich weiß auch, welche Verbindungen in der Realität funktionieren und welche nicht. Wenn Lufthansa mir etwa 50 Minuten in Frankfurt zum Umsteigen in Richtung USA buchen will, weiß ich, dass das nicht funktioniert und suche mir eine andere Verbindung.
Weiß Gemini Intelligence das auch? Wenn die Lufthansa-Webseite eine Buchung ausspuckt und diese für realistisch hält, wird Googles KI das nicht auch so sehen? Eine KI ist am Ende kein Mensch, der Erfahrungen im echten Leben gemacht hat und diese für zukünftige Entscheidungen verwenden kann. Und meine Erfahrungen mit Browser-Agenten bezüglich Reiseplanung sagen mir, dass ich – wie bei einer Websuche – alles überprüfen muss.
Wie brauchbar wird das Ergebnis?
Meine Befürchtung ist, dass Gemini Intelligence wie andere KI-Agenten am Ende zwar immer ein Ergebnis ausspuckt, ich dieses aber so lange nacharbeiten muss, dass ich die Aufgabe schneller selbst hätte erledigen können. Der Fairness halber sei gesagt, dass Google Gemini Intelligence noch nicht verteilt hat, ich also noch nicht weiß, was das System wirklich kann.
In den kommenden Wochen soll der KI-Agent bei den Pixel- und Galaxy-S26-Nutzern ankommen, dann werde auch ich ihn ausprobieren. Ob ich dann wirklich mein Chicken Korma damit bestellen werde, wird sich zeigen – wirklich vorstellen kann ich es mir nicht.
IMHO ist der Kommentar von Golem [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]
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