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Geheimschutz: Polen sperrt chinesische Autos von Militäranlagen aus

Chinesische Fahrzeuge sind ab sofort von polnischen Militäranlagen verbannt. Der Grund: Datenhunger moderner Autos .
/ Michael Linden
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Eröffnung des Long Term Equipment Storage and Maintenance Complex in Powidz/Polen (Bild: Stabsfeldwebel Agustín Montañez)
Eröffnung des Long Term Equipment Storage and Maintenance Complex in Powidz/Polen Bild: Stabsfeldwebel Agustín Montañez

Das polnische Verteidigungsministerium hat ein Einfahrverbot für in China hergestellte Fahrzeuge auf militärisch geschützten Geländen erlassen(öffnet im neuen Fenster) , wie The Register berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Auslöser war eine Risikoanalyse zur Frage, inwiefern die in vernetzten Fahrzeugen verbaute Technologie zur unkontrollierten Erfassung sensibler Daten genutzt werden könnte, darunter Standortdaten, Bild- und Tonaufzeichnungen. Das Verbot gilt grundsätzlich für alle Fahrzeuge mit entsprechenden Erfassungssystemen, richtet sich aber explizit gegen Modelle chinesischer Herkunft.

Beamte dürfen zudem ihre Diensthandys nicht mit dem Infotainmentsystem chinesischer Fahrzeuge verbinden – auch außerhalb gesperrter Zonen nicht.

Westlicher Trend zur Abschottung

Die Entscheidung reiht sich in ein breiteres Muster westlicher Staaten ein, die chinesische Technologie aus sicherheitskritischen Bereichen drängen. Bereits zuvor hatten mehrere Länder Huawei und ZTE aus ihren Telekommunikationsnetzen ausgeschlossen. Besonders die sogenannten Salt-Typhoon-Vorfälle(öffnet im neuen Fenster) schärften das Bewusstsein für derartige Risiken: Hierbei erlangten chinesische Akteure Zugang zu Kommunikationsnetzen mehrerer Länder.

Sicherheitsexperten betonen, dass die eigentliche Gefahr weniger in versteckten Hintertüren läge, als in den routinemäßig anfallenden Betriebsdaten, die Anbieter über deren Kunden vorhalten.

Unterschiedliche Ansätze, gleiches Ziel

Die USA setzen nicht auf ein Herkunftsverbot, sondern auf ein Verbot chinesischer und russischer Software in vernetzten Autos . Australien geriet derweil in eine diplomatisch heikle Lage, als der eigene Cybersicherheitsminister ein chinesisches Elektrofahrzeug erwarb und bei Behörden um Rat zur sicheren Nutzung bat(öffnet im neuen Fenster) .

Polens Verbot ist ausdrücklich nicht als dauerhafte Maßnahme konzipiert: Fahrzeughersteller sollen künftig ein Sicherheitsprüfverfahren durchlaufen können. Wer es besteht, erhält wieder Zugang zu den Anlagen.

Komplizierte Durchsetzung

Die praktische Umsetzung des Verbots dürfte schwierig werden. Mehrere europäische Marken produzieren Teile ihrer Modelle in China, darunter Volvo und Polestar. Das Markenlogo eines Fahrzeugs sagt damit wenig über dessen tatsächlichen Produktionsort aus.

Abseits des Fahrzeugthemas machte Polen diese Woche noch anderweitig Schlagzeilen: Das Militär kündigte den Einsatz von Dell-Hardware für ein KI-Zentrum an, das an einem polnischsprachigen Sprachmodell namens Bielik(öffnet im neuen Fenster) arbeitet – entwickelt von der Firma Speakleash mit Unterstützung von Intel und mit dem Ziel, das Modell für militärische Zwecke anzupassen(öffnet im neuen Fenster) .


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