Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Geheime Dokumente: Standorte von Telefonen werden im Iran akkurat überwacht

Ein US-Medium kann anhand geleakter Dokumente belegen, wie Demonstranten im Iran überwacht werden.
/ Lennart Mühlenmeier
13 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Teheran, Iran (Bild: Mehrshad Rajabi)
Teheran, Iran Bild: Mehrshad Rajabi

Das US-Medium The Intercept konnte Dokumente einsehen, die offenbaren, wie Demonstranten im Iran überwacht werden. Die Veröffentlichung vom 28. Oktober 2022(öffnet im neuen Fenster) basiert auf einem Leak über das Überwachungsprogramm Siam, der dem Medium zugespielt wurde. Die Dokumente des Telekommunikationsanbieters Ariantel belegen, dass jedes Telefon im Iran akkurat geortet werden kann, weil solche Anbieter Daten teilen müssen.

So werden laut den Recherchen von The Intercept Handynutzer mitunter in das schlechter gesicherte 2G-Netz umgeleitet. Diese Funktion Siams namens Force2gnumber erlaubt beispielsweise das Umleiten von SMS für Zwei-Faktor-Authentifizierung. Die Maßnahme soll laut einem Experten fast nicht auffallen und sich wie schlechter Netzempfang anfühlen.

Das Medium berichtet als erster über Siam und seine Möglichkeiten. "Wenn es zum Beispiel einen Ort gibt, an dem ein Protest stattfindet, kann Siam alle Telefonnummern, die sich an diesem Ort befinden, anzeigen" , so Gary Miller, Forscher für mobile Sicherheit und Mitarbeiter am Citizen Lab der Universität Toronto.

Zwei Dokumente insbesondere relevant

The Intercept hebt zwei Dokumente hervor. Das erste ist ein persischsprachiges Benutzerhandbuch für Siam, das laut dem Medium wohl aus dem Office of Security of Communications Systems (OSCS), einer Unterabteilung der iranischen Telekommunikationsbehörde, stammt. Dieses Handbuch wurde von der CRA direkt an Ariantel geschickt und in den letzten Jahren wiederholt zwischen den Mitarbeitern des Mobilfunkanbieters weitergeleitet. Die E-Mails sollen zeigen, dass die CRA und Ariantel erst im August über Siam diskutierten.

Das zweite Dokument soll im Rahmen eines geplanten Geschäfts mit einem spanischen Telekommunikationsunternehmen erstellt worden sein. Es ist ein englischsprachiges Handbuch, das viele der gleichen Siam-Funktionen dokumentiert. The Intercept veröffentlichte beide Dokumente.

Distributed Denial of Secrets spiegelt Dokumente

Die selbsternannte Wikileaks-Alternative und -Nachfolge Distributed Denial of Secrets (DDoS) hat den Leak auf ihrer Website veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) . Demnach handelt es sich um 44 Gigabyte mit 300.000 E-Mails.

Bei den Protesten im Iran seit September 2022 verzichteten zahlreiche Frauen auf das Tragen eines Hidschab oder verbrannten diesen öffentlich. Videoaufnahmen davon wurden in sozialen Netzwerken geteilt. Die iranische Exekutive ging mit Internetsperren und massiver Gewalt gegen die Proteste vor. Die aktuelle Veröffentlichung um Ariantel belegt nun das Ausmaß der Überwachung.


Relevante Themen