Geheimdienstkreise: Zerstörung der Ostsee-Seekabel im Auftrag Russlands
Europäische Geheimdienstkreise würden nicht mehr davon ausgehen, dass der in China registrierte Frachter Yi Peng 3 die beiden Glasfaserseekabel C-Lion1 und BCS East-West in der Ostsee im Auftrag der chinesischen Regierung durchtrennt hat. Das berichtet das Nachrichtenmagazin der Spiegel(öffnet im neuen Fenster) . In Sicherheitskreisen glaube "so gut wie niemand" mehr, dass die Seekabel im November im Auftrag Chinas durchtrennt wurden.
Auch eine lose Kooperation oder eine Mitwisserschaft chinesischer Geheimdienste werde ausgeschlossen. China habe kein Interesse an der Zerstörung kritischer Infrastruktur in Europa, weil man die Beziehungen zu europäischen Ländern nicht gefährden wolle, berichtet der Spiegel aus Sicherheitskreisen. Chinas herrschende Klasse hat ein großes Interesse an der Fortführung der Internationalisierung der Produktion, während ihre Gegenspieler in den USA, die Donald Trump unterstützten, auf Abschottung und offenen Wirtschaftskrieg setzen. Ein Ersuchen der schwedischen Regierung, dass Schiff zu durchsuchen, lehnte China jedoch ab.
Russische Agenten sollen den Kapitän der Yi Peng 3 bestochen haben, lautet nun die Vermutung. Belege gebe es dafür bisher nicht, erklären die Quellen dem Spiegel. Die Yi Peng 3 lief ab April 2024 auch russische Häfen an, darunter mehrmals Murmansk.
Russland spähte Seekabel aus
Im Mai 2023 haben laut Nato russische Forschungsschiffe in der Nord- und Ostsee Ausspähaktivitäten an Seekabeln betrieben. Die Routen aller Seekabel sind öffentlich verfügbar, aber offenbar nicht detailliert genug für solche Anschläge.
Die Yi Peng 3 war auf dem Weg vom russischen Hafen Ust-Luga nach Port Said in Ägypten, passierte am 17. und 18. November 2024 die Region , in der die beiden Glasfaserseekabel C-Lion1 und BCS East-West durchtrennt wurden. Europäische Ermittler verdächtigen den Kapitän, absichtlich gehandelt zu haben. Der Frachter ließ den Anker fallen, stoppte nicht und schaltete das automatische Identifikationssystem für Schiffe, das Automatic Identification System (AIS), ab.
Doch anhand von Seekarten hat jeder Zugang zur Lage der Kabel und anderer Infrastruktur im Meer. Eckhard Bruckschen, Geschäftsführer und Redakteur beim britischen Fachmagazin Subcablenews(öffnet im neuen Fenster) , sagte Golem.de: "Unterseekabel sind auf Seekarten eingezeichnet, damit alle Schiffe sie kennen und in der Nähe nicht ankern oder fischen. Die meisten verlegten Unterseekabel sind im Meeresboden vergraben, damit sie nicht von Trawlern beschädigt werden können." Anker von Schiffen könnten aber tiefer in den Meeresboden eindringen, so tief seien die Kabel nicht vergraben.
Vorfälle wie die Durchtrennung der Ostseekabel passieren laut Bruckschen weltweit 100- bis 200-mal pro Jahr. "In der Welt der Unterseekabel ist das also kein überraschender Vorfall" , betonte der Experte.
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