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Geheimdienste: Spion gegen Spion über den Dächern Wiens

Auf diversen Botschaften in Wien befinden sich Aufbauten mit Plastikplanen, teils in Garagengröße. Was sich dahinter verbirgt.
/ Erich Moechel
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Diese Luftaufnahme einer Drohne zeigt den zentralen Teil der UN-Botschaft der Russischen Föderation, der Aufbau mit dem Schrägdach ist der Kontrollraum für die Sat-Antennen. (Bild: CC 3.0 Nomen Nescio)
Diese Luftaufnahme einer Drohne zeigt den zentralen Teil der UN-Botschaft der Russischen Föderation, der Aufbau mit dem Schrägdach ist der Kontrollraum für die Sat-Antennen. Bild: CC 3.0 Nomen Nescio
Inhalt
  1. Geheimdienste: Spion gegen Spion über den Dächern Wiens
  2. Die Garage auf dem Dach
  3. Was hinter den Planen ist

In Wien steht derzeit ein ehemaliger Beamter des aufgelösten Polizeinachrichtendienstes BVT (Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung) vor Gericht. Ex-Chefinspektor Egisto Ott wird unter anderem vorgeworfen, seit 2017 Spionage für einen russischen Geheimdienst betrieben zu haben. Zum übermittelten Material gehörte etwa die Datenbank aller Beamten des Innenministeriums. Otts ehemaliger Vorgesetzter hat sich schon vor Jahren nach Dubai abgesetzt.

Das für Spionageabwehr zuständige BVT war bis zu seiner Auflösung 2021 überhaupt im Blindflug unterwegs. Der Berner Club, das informelle Gremium europäischer Dienste, hatte das BVT vom Nachrichtenaustausch ausgeschlossen, weil es als unterwandert galt. Und weil das BVT auch davor nie durch besondere Erfolge in der Spionageabwehr aufgefallen war, agierten Dienste aus Drittstaaten seit Jahrzehnten weitgehend ungestört in Österreich.

Eine Relaisstation am Antennenwald

Auf der russischen Botschaft in der Republik Österreich im 3. Wiener Gemeindebezirk(öffnet im neuen Fenster) ist in diesen Jahren – neben einer Sat-Relaisstation zur Kommunikation mit Russlands Afrika-Korps – ein regelrechter Antennenwald herangewachsen. Neben einer Multiband-Kurzwellenantenne, wohl einer Fallback-Lösung für eigene Kommunikation, sind drei Vertikalantennen für den VHF/UHF-Bereich zu sehen.

Zwei Discone-Antennen, die dem Gestänge eines halb aufgespannten Regenschirms ähneln, decken einen Frequenzbereich von etwa 100 MHz bis rund 1,3 GHz ab. Typischerweise wird dieser breitbandige Antennentyp zur Überwachung des Flugverkehrs eingesetzt. Flugfunk wird auf weit auseinanderliegenden Frequenzbereichen abgewickelt, zudem empfangen Discones Funksignale von oben besonders gut.

Das GCHQ ist informiert

Was sich da unter dem dreieckigen Dachaufbau verbirgt, muss mit Funk zu tun haben, denn die Bespannung besteht aus Kunststoffplanen, die elektromagnetische Wellen fast ungedämpft passieren lassen. Darunter befindet sich jedenfalls Equipment, das Wärme emittiert, weil ein Entlüftungsrohr ins Freie fährt. Durch die Konstruktion ist klar, dass die Gerätschaften darunter Sicht- und/oder Witterungsschutz benötigen.

Mehr ist durch bloße Beobachtung nicht zu eruieren, Genaueres sollte jedoch der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) wissen.

Die Botschaft Großbritanniens(öffnet im neuen Fenster) ist in westlicher Richtung gerade einmal 120 Meter entfernt. Dazwischen befinden sich nur die neuerbaute Botschaft der deutschen Bundesrepublik und ein weiteres Gebäude, die deutlich niedriger sind.


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