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Was hinter den Planen ist

Das Equipment hinter diesen Plastikplanen, das der Kühlung bedarf, ist dank Edward Snowden teilweise bekannt. In diesen "Staterooms", wie die Hütten vom Special Collection Service der NSA genannt werden, sind standardmäßig kleine Parabolantennen(öffnet im neuen Fenster) integriert. Diese Schüsselchen, deren LNCs sehr breitbandig sind, können durch eingebaute Stellmotoren remote auf bestimmte Frequenzbereiche konfiguriert werden und sind begrenzt schwenkbar.

Dazu sollten in diesem Stateroom breitbandige Loperiodic-Richtantennen für das Frequenzspektrum unterhalb von einem Gigahertz montiert sein. Im Kontrollraum darunter fangen dann Software-Defined-Radios alles vom oberen Megahertz- bis weit in den Gigahertz-Bereich ab. Dieser Nahfeld-Sigint-Station entgeht also nichts, was an Signalen aus der Russencity dringt.

Und noch ein Stateroom

Am vordersten Gebäude der Russencity befinden sich noch mehrere, etwas kleinere Offset-Schüsseln. Sie sind zwar kaum einsehbar, es ist aber davon auszugehen, dass es sich um eine ähnliche Relaisstation für Kommunikation und TV handelt wie auf der Botschaft in 1030 Wien. Diese Signale sind im Stateroom natürlich ebenso sichtbar wie der Funkverkehr mit den Botschaftswagen, WLAN oder Steuerungsbefehle aller Art, etwa von Garagentüröffnern, Alarmanlagen oder Füllstandsanzeigern(öffnet im neuen Fenster).

Die Botschaft der USA in Österreich(öffnet im neuen Fenster) hat eine ebensolche Hütte auf dem Dach, die schon 2014 über ein Drohnenwarnsystem verfügte. Im Rahmen eines Kunstprojekts wurde eine Drohne über das Dach der Botschaft geschickt. Die beteiligten Kunststudenten entgingen dem Sicherheitspersonal der Botschaft nur knapp, das sofort mit mehreren Wagen ausgerückt war. Erst vor wenigen Wochen, als der Stateroom auf dem Dach der US-Botschaft in Bagdad von einer iranischen Drohne getroffen wurde, kam eine Radaranlage zum Vorschein(öffnet im neuen Fenster).

Epilog

Was die britische Botschaft betrifft, so wird in den von Snowden veröffentlichten Folien angemerkt, dass die Staterooms der gesamten Five-Eyes-Allianz mit ähnlichem Equipment ausgestattet sind. Zudem ist anzunehmen, dass sich die Überwachungstätigkeit dieser Allianz, wie auch der Dienste Russlands in Wien, nicht auf wechselseitige elektronische Spionage beschränkt, sondern dass auch österreichische Ziele ins Visier genommen werden.

Wie viel Österreichs Spionageabwehr, vor allem der BVT-Nachfolgerbehörde Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst, darüber bekannt ist, konnte naturgemäß nicht in Erfahrung gebracht werden. Symptomatisch für den Umgang mit Spionage in Österreich ist, dass der Prozess gegen Ex-Chefinspektor Ott erst jetzt, acht Jahre nach den Vorfällen, über die Bühne geht.

Gegen jene Beamtin, die 36.000 interne Datensätze mit sämtlichen Beschäftigten des Innenministeriums an Ott weitergegeben haben soll, wurde erst in der vergangenen Woche Anzeige erstattet(öffnet im neuen Fenster). Die Vorgänge dieser Jahre im BVT unter Bundeskanzler Sebastian Kurz und seinem Innenminister Herbert Kickl sind hier unter dem Titel Land der Spione, Land ohne Spionageabwehr (PDF)(öffnet im neuen Fenster) nachzulesen.

Dieser Artikel basiert auf gemeinsamen Recherchen mit einer losen Allianz technikaffiner Personen aus der österreichischen Zivilgesellschaft, die erstmals 2014 als Nomen Nescio Club bekannt wurde.

Erich Moechel(öffnet im neuen Fenster) ist langjähriger Journalist und schreibt Analysen, Hintergründe und Kommentare, weil er findet: Das Leben ist zu kurz, um nicht Klartext zu schreiben.


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