Geheimdienste: NSA fängt irakische Kommunikationsdaten komplett ab

Zu den Ländern mit der dichtesten NSA-Überwachung gehört wohl der Irak. Dies gab der Geheimdienst selbst preis, obwohl er sich sonst gegen solche Enthüllungen heftig wehrt.

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US-Soldaten bei einer Razzia in Bagdad im Juni 2005
US-Soldaten bei einer Razzia in Bagdad im Juni 2005 (Bild: Ben Brody/Reuters)

Der US-Geheimdienst NSA hat in den vergangenen Jahren eine vollständige Echtzeitüberwachung der irakischen Kommunikation aufgebaut. Das sagte der frühere NSA-Vizechef John C. Inglis der Los Angeles Times. Während der neunjährigen Amtszeit des ausgeschiedenen NSA-Chefs Keith Alexander sei es gelungen, nun jede irakische E-Mail, jede Textnachricht und jedes Handy-Ortungssignal in Echtzeit sammeln, sortieren und bereitstellen zu können, sagte Inglis. Zuvor habe man nur die Hälfte der Kommunikationsdaten abfangen können und Stunden für die Verarbeitung benötigt. Nach Angaben von US-Militärs konnten auf diese Weise Gruppen zerschlagen werden, die Bomben am Straßenrand platzierten.

Kritik an der Preisgabe dieser Information kam umgehend von US-Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald. Damit handele der Geheimdienst entgegen seinen häufig zuvor geäußerten Bedenken, wonach die Enthüllungen von geheimen Spähprogrammen das Leben von NSA-Mitarbeitern in den betroffenen Ländern gefährden könnten. So habe die Washington Post auf Bitten von Regierungsmitarbeitern in der vergangenen Woche nicht das Land genannt, dessen Telefongespräche komplett aufgezeichnet werden sollen. Das Blatt hatte NSA-Sprecherin Vanee Vines mit den Worten zitiert: "Die fortlaufende und ausgewählte Berichterstattung über spezielle Techniken und Werkzeuge, die für legitime US-Geheimdienstaktivitäten im Ausland genutzt werden, wirkt sich höchst nachteilig auf die nationale Sicherheit der USA und ihrer Alliierten aus und gefährdet diejenigen, die wir schützen müssen."

Sechs Milliarden Metadaten weltweit am Tag

Nach Ansicht Greenwalds veröffentlicht die NSA solche geheimen Angaben gezielt, um Werbung in eigener Sache zu machen. In der Los Angeles Times bezeichnete der frühere US-Oberbefehlshaber im Irak, General David H. Petraeus, das NSA-Programm als "absolut unschätzbar". Gehe es aber um kritische Berichte, würden diese mit Verweis auf die Gefährdung von US-Geheimdienstmitarbeitern zu verhindern versucht, schreibt Greenwald, der seit Juni 2013 fast wöchentlich aus den Unterlagen von US-Whistleblower Edward Snowden berichtet.

Aus der Aussage von Inglis lässt sich jedoch nicht schließen, ob der Irak tatsächlich das Land ist, dessen Telefongespräche mit dem Programm Mystic komplett aufgezeichnet werden. Das Überwachungsprogramm soll 2009 gestartet worden und in der Lage sein, den gesamten Telefonverkehr eines nicht genannten Staates über 30 Tage aufzuzeichnen. Die Washington Post berief sich auf Snowden-Dokumente sowie Gespräche mit nicht genannten US-Regierungsmitarbeitern.

Neue Zahlen über den Umfang der NSA-Überwachung gaben Spiegel-Redakteure bei der Präsentation ihres Buches Der NSA-Komplex am Montag in Berlin bekannt. Demnach sammelt der Geheimdienst sechs Milliarden Metadaten am Tag. Die Zahl sei in einer Präsentation für eine Geheimdienstkonferenz im Jahr 2010 genannt worden.

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