Gegen Spotify und Co.: Legalisiert das Filesharing!

Die Subkultur des illegalen Filesharing ist der letzte Atemzug des nichtkommerziellen Internets. Warum es legalisiert werden sollte.

Ein Essay von Lennart Mühlenmeier veröffentlicht am
Dateien sind nur nur Nullen und Einsen.
Dateien sind nur nur Nullen und Einsen. (Bild: Nainoa Shizuru/Bearbeitung durch Golem.de/Unsplash-Lizenz)

Die Musikindustrie hat den Kampf gegen das illegale Filesharing gewonnen. Mit der Verbreitung von Streamingangeboten wie Spotify, Deezer und Apple Music versinken Plattformen für illegale Downloads in der Bedeutungslosigkeit. Für den durchschnittlichen Musikkonsumenten bieten die kommerziellen Dienste sofortige Verfügbarkeit ihrer Lieblingslieder zu einem moderaten Preis - ohne die Gefahr, wegen einer Urheberrechtsverletzung abgemahnt zu werden.

Inhalt:
  1. Gegen Spotify und Co.: Legalisiert das Filesharing!
  2. Spotify degradiert Musik zum Gefühlsgenerator

Doch eine Subkultur des illegalen Filesharings leistet letzten Widerstand, damit das kommerzialisierte Internet nicht vollends übernimmt. Die Plattformen von Konzernen verändern unseren Konsum durch Algorithmen und Geschäftsmodelle. Sollten wir diese Entwicklung hinnehmen und diese neuen Bedingungen akzeptieren? Nein, denn illegales Filesharing ist den großen Diensten kulturell überlegen. Und sollte legalisiert werden.

Dezentral, pseudonymisiert, hochwertig

"Du kennst The Pirate Bay? Ja? Okay, Private Tracker sind ganz ähnlich, nur dass du eingeladen werden musst. Im Gegensatz zu Public Trackern, bei denen jeder teilhaben kann, sind Private Tracker exklusiv - mit Sanktionen bei gravierenden Fehlern wie mangelhaften Uploads." So beschreibe ich Freunden die Welt der illegalen Downloads: als dezentral, pseudonymisiert, hochwertig, kurzum: als ein Stück Internetkultur, das gut und wichtig, aber natürlich nicht perfekt ist.

Private Tracker können zu Recht kritisiert werden: Erstens sind sie elitär. Nutzer müssen eingeladen werden oder Befragungen bestehen, um mitmachen zu dürfen. Nur so, sagen die Betreiber, könnten die Qualität hoch und Strafverfolgungsbehörden draußen gehalten werden. Zweitens wissen Nutzer nicht genau, was mit ihren Daten auf der Seite passiert: Loggen die Seiten IP-Adressen oder analysieren sie Nutzerverhalten? Drittens verlangen Private Tracker ein hohes Maß an Auseinandersetzung mit der Technik. Man braucht einen Torrent-Client, der immer online ist, und Festplattenspeicher für die wachsende Sammlung.

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So sind Dienste wie Spotify zwar bequemer, aber man tritt viel Autonomie ab: Schade, dass dein Lieblingsalbum depubliziert wurde, weil das Label sich mit der Plattform nicht einig wurde; schade, dass du mitunter mehrere Dienste nutzen musst, um überhaupt all deine Lieblingsmusik hören zu können. "Ich wünschte, dies wäre auf Spotify", wird zum typischen Kommentar zu Livealben, die exklusiv bei Youtube und Amazon Prime hochgeladen werden.

Nutzer von Private Trackern verstehen sich selbst oft als Archivare. Dieses Argument führen sie an, wenn sie (vielleicht auch vor sich selbst) das Horten vieler Musikdateien rechtfertigen. So argumentieren die Nutzer auch, wenn es beispielsweise um das Hochladen von rechtsextremem Material geht. So gibt es unter entsprechenden Alben immer wieder Gegenrede und Fragen, ob das dort wirklich etwas zu suchen habe. Während Spotify auf Konzernebene Entscheidungen trifft, Verträge kündigt und Inhalte depubliziert, sehen sich die pseudonymen Betreiber von Private Trackern als neutrale Infrastruktur.

Ein Private Tracker besteht immer aus zwei Komponenten: der Webseite, über die die Torrent-Dateien verteilt und kategorisiert werden, und dem eigentlichen Tracker, über den die Peer-to-Peer-Verbindungen zwischen den Computern der verschiedenen Nutzer hergestellt werden. Optional kommen noch IRC-Server hinzu, um mit anderen Nutzern chatten zu können. Die Webseite ist somit ein Interface, das nicht per se illegal ist. Erst über die Bittorrent-Verbindungen und das Bereitstellen der Dateien für andere entsteht die eigentliche Urheberrechtsverletzung.

Nehmen darf nur, wer auch gibt

Die illegalen Plattformen verlangen, dass man eine Ratio einhält: Nutzer dürfen nur herunterladen, wenn sie auch hochladen und somit dem Netzwerk etwas zurückgeben. Deswegen müssen sie ihre Torrent-Clients immer online haben; Downtime gefährdet die Ratio. Dabei entstehen Wettrennen darum, wer die schnellste und stabilste Internetverbindung hat, damit andere Clients eher von einem selbst herunterladen und die Ratio eingehalten wird. Viele Nutzer kaufen deswegen Seedboxen. Sie liegen preislich auf einer Höhe mit einem Spotify-Abonnement und senken als Spezialangebot für diesen Zweck das Risiko von Abmahnungen auf ein Minimum: Im Gegensatz zu Public Trackern wie The Pirate Bay können Rechteinhaber und Strafverfolgungsbehörden nicht mitlesen, wer hochlädt.

Private Tracker sind legalen Streamingdiensten überlegen, weil sie den Nutzern keine Entscheidungen direkt abnehmen. Nutzer müssen sich aktiv auf die Suche nach Musik begeben. Sie können Sammlungen anlegen, in denen sie Alben nach Genre oder Thema einsortieren. Sie können sich im Forum austauschen und gegenseitig Empfehlungen aussprechen. Sie können die täglich aktualisierte Top-10-Auflistung der meist heruntergeladenen Torrents nutzen, um am freitäglichen Release Day neue Musik zu entdecken. Das macht niemand anderes für sie, sie müssen sich mit Musik und Künstlern beschäftigen.

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Spotify degradiert Musik zum Gefühlsgenerator 
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Hamsterrer 06. Sep 2022 / Themenstart

Doch, ich bin an Geschichte interessiert. Leg los, ich mag guten Unterhaltungswert ;)

Hamsterrer 06. Sep 2022 / Themenstart

Oh, oh! Jetzt kommenen die Galaxy-Brain-Argumente! Meine böse Gesinnung, dass ich denke...

Hamsterrer 28. Aug 2022 / Themenstart

Äh... Nein... Die Piraten entscheiden das... Und sie nennen auch gerne die Kriterien...

Hamsterrer 21. Aug 2022 / Themenstart

Das ist schön, obwohl es niemanden interessiert... Preisfrage: Was machst du bei...

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