Gegen Community-Richtlinien: Entwickler soll sich an GPL-Durchsetzung bereichert haben

Möglicherweise hat sich ein Linux-Entwickler mit Hilfe der GPL und Schadenersatzansprüchen finanziell bereichert. Dieses Vorgehen entspreche aber nicht den Community-Richtlinien der FSF und der SFC und wirft grundsätzliche Fragen auf.

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Eines der Hauptprojekte der SFC ist die Arbeit zur GPL-Durchsetzung und -Einhaltung.
Eines der Hauptprojekte der SFC ist die Arbeit zur GPL-Durchsetzung und -Einhaltung. (Bild: Software Freedom Conservancy/CC-BY-SA 4.0)

Im Herbst vergangenen Jahres stellten die Free Software Foundation (FSF) als Urheber der GPL sowie die Software Freedom Conservancy (SFC) einen Leitfaden zur Durchsetzung der GPL vor. Die SFC dient als rechtliche Dachorganisation und bemüht sich hauptsächlich um die Einhaltung der GPL. In einem Blogpost des Informatikers Bradley Kuhn und der Anwältin Karen Sandler legt die SFC dar, dass sich ein Entwickler entgegen dieser Richtlinien eventuell finanziell bereichert haben könnten, was Fragen im Umgang mit der GPL-Durchsetzung aufwirft.

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Der SFC zufolge hat der ehemalige Netfilter-Entwickler Patrick McHardy seine Urheberrechte am Quellcode vor allem in Deutschland mehrfach vor Gericht durchgesetzt. Seine tatsächlichen Absichten blieben der SFC dabei zwar verborgen, es gebe allerdings Hinweise von mit der Sache Vertrauten, dass McHardy vor allem Schadenersatzansprüche geltend mache und somit seinen eigenen finanziellen Vorteil bei der GPL-Durchsetzung priorisiere.

Sowohl die FSF als auch die SFC widersprechen in ihren Richtlinien allerdings genau solch einem Vorgehen und verfolgen als Ziel der GPL-Durchsetzung vor allem die Offenlegung des betroffenen Codes. Im Fall von McHardy ist dies aber offenbar nicht geschehen. Trotz mehrfacher Versuche der Kontaktaufnahme von verschiedenen Parteien habe McHardy bisher nicht auf die Anschuldigungen reagiert, weshalb er zurzeit auch vom Netfilter-Team suspendiert worden sei.

Einheitliche Linie zur Durchsetzung schwer umsetzbar

Die Diskrepanz zwischen dem vermuteten Verhalten McHardys und den Zielen der SFC und FSF ist offensichtlich. Zwar sei das Durchsetzen der GPL das Recht eines jeden Urhebers, die SFC müsse allerdings jedes Verhalten verurteilen, dass gegen die selbstgewählten Richtlinien verstoße. Dies ist nach über zwei Jahren von Diskussionsversuchen mit McHardy und in Koordination mit dem Netfilter-Projekt nun öffentlich geschehen, da sämtliche anderen Möglichkeiten bereits ausgeschöpft seien.

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Das Magazin LWN.net weist in seiner Berichterstattung zu dem Fall darauf hin, dass der Umgang mit der GPL-Durchsetzung exemplarisch für die Probleme in Open-Source-Communitys stehe. Schließlich gebe es wie in vielen Gemeinschaften einfach verschiedene und teilweise auch gegensätzliche Meinungen. Dieser fehlende Konsens bei der GPL-Durchsetzung, insbesondere durch profitorientierte Unternehmen, ermögliche aber eben auch einen Missbrauch. So vermutet LWN.net, dass daraus ein Risiko von Urheberrechtstrollen entstehe, die mit Hilfe der GPL Geld aus Unternehmen abziehen.

Bereits Anfang dieses Jahres äußerten einige Beteiligte starke Bedenken, dass Oracle die GPL als Druckmittel gegen Android-Hersteller einsetzen könnte, um einen finanziellen Gewinn daraus zu erzielen, dass die neue Android-Version das OpenJDK nutzt. Oracle hält nach der Übernahme von Sun die Rechte an der freien Java-Implementierung. Auch in diesem Fall wies der SFC-Angestellte Bradley Kuhn darauf hin, dass die Arbeit der gemeinnützigen Organisation ihren Richtlinien nach für die Hersteller sehr entgegenkommend sei.

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