Gegen Huawei: USA wollen weiter Ericsson oder Nokia kaufen

Die US-Regierung probiert weiter auf verschiedenen Wegen, ihren Rückstand bei 5G zu überwinden. Doch es gibt Zweifel an der Überlebensfähigkeit von Ericsson und Nokia.

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Rakuten in Japan: Hier versucht sich Cisco als 5G-Ausrüster.
Rakuten in Japan: Hier versucht sich Cisco als 5G-Ausrüster. (Bild: Rakuten)

US-Regierungsvertreter haben in den vergangenen Monaten weiter versucht, Technologiekonzerne wie Cisco, Private-Equity-Unternehmen und erfahrene Telekommunikationsmanager davon zu überzeugen, europäische Mobilfunkausrüster wie Ericsson oder Nokia zu kaufen. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Kreise. In mehr als einem Fall sei Cisco nicht daran interessiert gewesen, "margenschwache Unternehmen" zu erwerben.

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Ericsson und Nokia sollten mit Steuervergünstigungen und Exportbankfinanzierungen unterstützt oder es sollte einer Private-Equity-Gruppe dabei geholfen werden, einen der beiden Ausrüster zu kaufen und von der Börse zu nehmen. Zudem versucht man die Stärkung von Open-RAN-5G-Mobilfunk basierend auf Standardhardware, wo hauptsächlich US-Unternehmen wie Airspan Networks, Altiostar Networks, Blue Danube Systems, Mavenir Systems und Parallel Wireless aktiv sind.

"Zum ersten Mal in der modernen Geschichte sind die Vereinigten Staaten nicht führend in einer aufkommenden kritischen Technologie", heißt es laut Wall Street Journal in einem im Weißen Haus kursierenden Dokument, das Ende vergangenen Jahres vom früheren Chef der Nationalen Luft- und Raumfahrtbehörde, Daniel Goldin und von Hossein Moiin, dem ehemaligen Chief Technology und Strategy Officer von Nokia verfasst wurde. Ziel sei es, einen US-basierten Ausrüster zu schaffen, der die Lücke füllt, die Lucent Technologies hinterlassen hat. Lucent fusionierte im Jahr 2006 mit dem französischen Unternehmen Alcatel. Das Gemeinschaftsunternehmen wurde später von Nokia gekauft. Das Mobilfunknetzgeschäft von Motorola Solutions ging im Jahr 2010 an Nokia Siemens Networks.

Cerberus Capital Management sollte in Nokia oder Ericsson investieren

Anfang des Jahres sollten Private-Equity-Investoren unter Führung von Cerberus Capital Management direkt in Nokia oder Ericsson investieren. Der Vorstoß kam jedoch in den vergangenen Wochen zum Stillstand, als die Aktienkurse der Hersteller stiegen.

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US-Justizminister William Barr schlug im Februar vor, dass die USA und ihre Verbündeten die Kontrollmehrheit an Nokia oder Ericsson übernehmen sollten, um einen starken internationalen Konkurrenten gegen Huawei aufzubauen. Die europäischen Unternehmen fordern stattdessen die USA auf, ihre Geschäftstätigkeit durch die Export-Import Bank und die US International Development Finance Corp., auch bekannt als DFC, zu unterstützen.

Open RAN Policy Coalition ist problematisch

Andere haben sich in der Open RAN Policy Coalition zusammengeschlossen, die von dem Mobilfunkbetreiber AT&T geführt wird und mehrere US-amerikanische Softwareunternehmen sowie Nokia umfasst. "Einige sehen darin eine Gelegenheit, die Schaffung einer industriellen Basis in den USA zu erleichtern", sagte Brian Hendricks, Vice president für Policy und Public Affairs bei Nokia America. Führungskräfte von Ericsson haben dagegen erklärt, dass sie der Gruppe nicht beitreten wollen. Der Technologiechef Erik Ekudden, sagte, Regierungen sollten sich nicht in die technische Arbeit einmischen, für die der Privatsektor gut gerüstet sei. Alok Shah, Vice President für Networks Strategy bei Samsung Electronics America, sagte, der südkoreanische Konzern würde bereits einige 5G-Komponenten in den USA herstellen, darunter Chips für Mobilfunk-Basisstationen, die in einem Werk in Austin, Texas, gefertigt würden.

Doch viele Führungskräfte im Mobilfunkbereich sind nach Informationen des Wall Street Journals besorgt über die langfristige Perspektive von Nokia und Ericsson, die seit Jahren Restrukturierungen versuchen. Nokia hatte im März angekündigt, dass der Konzernchef zurücktritt und das Unternehmen strategische Optionen, also den Verkauf, prüfe. Ericsson ist nach Jahren der Umstrukturierung wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt.

Das US-Verteidigungsministerium hat in einem Papier vom 2. Mai 2020, das Golem.de vorliegt, erklärt, "dass 5G-Technologie strategische Fähigkeiten beinhaltet, die sich auf die wirtschaftliche und nationale Sicherheit der USA (...) auswirken". Das US-Militär müsse Zugang zu den besten 5G-Systemen, -Diensten und -Anwendungen der Welt haben, um die Effektivität, Widerstandsfähigkeit, Geschwindigkeit und Letalität (Tödlichkeit) der Streitkräfte zu erhöhen. Das US-Verteidigungsministerium werde 5G-Investitionen priorisieren, Tests und Integrationen an seinen Standorten fördern, gemeinsame Nutzung von Frequenzen fördern und in fortschrittliche Technologien mit Sub-6-GHz und Millimeterwellen investieren.

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schnedan 29. Jun 2020

Ja diese Diskussion haben wir schon oft intern geführt...

thinksimple 29. Jun 2020

Japan zu Deutschland mit Sicherheit besser als USA-DE

thinksimple 29. Jun 2020

Naja, GPS ist ja auch ein rein militärisches System. Warum will die USA wohl Huawei etc...

wasdeeh 28. Jun 2020

Nokia hat das angekündigt? Soweit ich weiß gabs da nie offizielle Aussagen, sondern nur...

JouMxyzptlk 27. Jun 2020

Der Zusammenhang ist der: Je jünger desto weiter sind DDR und Kommunismus weg. Es fehlen...



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