Geforce RTX 3090 ausverkauft: Einmal Frust für 1.500 Euro, bitte!

Erst Vorfreude, dann Ernüchterung und Wut: Der Kauf der Geforce-RTX-3090-Grafikkarte wird zu einer Reise ohne Ziel, dafür mit Emotionen.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Die Geforce RTX 3090 ist kaum verfügbar.
Die Geforce RTX 3090 ist kaum verfügbar. (Bild: Gigabyte/Montage: Golem.de)

Es ist der 24. September, 15 Uhr, und Zeit, die F5-Taste bei einem großen Hardware-Versandhändler zu drücken. Dieser hat diverse Grafikkarten vom Typ Geforce RTX 3090 (Test) bereits einige Tage vorher gelistet und einen Hinweis veröffentlicht, zu welchem Zeitpunkt die Vorbestellung losgehen könne. Voller Erwartung sitze ich vor dem Monitor. Ich entscheide mich für die RTX 3090 Gigabyte EAGLE OC 24GB für 1.500 Euro, was dem Verkaufspreis der Founder's Edition entspricht - und der ist bereits für private Zwecke wie Games und etwas Blender unvernünftig.

Stellenmarkt
  1. Full Stack Java Software-Entwickler (m/w/d)
    NOVENTI Health SE, verschiedene Standorte (Home-Office möglich)
  2. Digital Operation Manager (m/w/d)
    Bundeskriminalamt, Wiesbaden
Detailsuche

Es kommt wie erwartet: Der Refresh wird mit dem Fehler "502 Bad Gateway" quittiert - die Webseite des Versandhändlers ist abgestürzt. Nach einigen weiteren Versuchen, Refreshes und langem Warten kann ich die Karte zusammen mit einem dafür notwendigen 750-Watt-Netzteil von Seasonic bestellen - das will ich meinem alten Enermax-Gerät mit 600 Watt nicht antun. Um 15:14 Uhr dann die gute Nachricht: Meine Bestellung ist beim Händler eingegangen. Die Freude ist zunächst groß, die Erwartungen sind aber weiter gedämpft.

Wenn mich der Launch der Geforce RTX 3080 (Test) vor einer Woche etwas gelehrt hat, dann ist es Geduld. Denn schon zum Start der ersten Ampere-GPU, die in Tests auch bei Golem.de teils doppelt so schnell wie der Vorgänger ist, war der Ansturm enorm und das Angebot viel zu gering.

Statt der Konsumenten, die sich wie ich durch abstürzende und langsame Frontends klicken, konnten sich meist automatisierte Bots einen Großteil der Grafikkarten aneignen. Die Personen dahinter stellten die Karten dann wenig später auf Ebay ein, für den doppelten Preis.

Das Internet enttäuscht nicht

Golem Akademie
  1. Penetration Testing Fundamentals: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    17.–18. Januar 2022, Virtuell
  2. Linux-Shellprogrammierung: virtueller Vier-Tage-Workshop
    8.–11. März 2021, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Was dann folgte, ist Internetkultur in Höchstform: Es kam verständlicher Ärger auf, der sich zu einer Welle an kreativen Ideen auftürmte: Plötzlich tauchten im Online-Auktionshaus Bilder von Geforce-RTX-3080-Grafikkarten auf - für Preise, die teils an die dreisten überteuerten Angebote der Script-Nutzer heranreichen. Das Ziel: Bots so zum Kauf von Bildern und selbstgezeichneten Skizzen zu bewegen und deren Betreiber um mehrere Tausend Euro zu erleichtern. Das ist Rache im Stile des Internets. Und dass solche Tricks funktionieren, zeigte auch bereits ein kleiner Onlineshop für Schuhe, der eine ähnliche Methode mit Erfolg einsetzte.

Wie sieht es aber mit der RTX 3090 aus? Bei meiner persönlichen Bestellung zeichnet sich bereits das Unvermeidliche ab: Einen Tag später erhalte ich eine E-Mail von meinem Verkaufsladen: "Produkt nicht auf Lager", heißt es dort. Die Abbuchung des Geldes hat aber gut funktioniert. Einerseits überrascht mich das nicht, andererseits bin ich, der die unvernünftigste der neuen Ampere-Karten kauft, auch unvernünftig enttäuscht darüber. Wo sind sie hin, die RTX-3090-Karten der Dritthersteller? Wo ist die Gigabyte EAGLE OC 24GB?

Die Antwort ist schnell gefunden und frustriert noch mehr: Dieses Modell und andere sind bereits heute auf Ebay gelistet. Ein Verkäuferprofil bietet etwa die von mir bestellte Karte an - für 2.300 Euro! Das Angebot ist bereits vor dem Eintreffen des Produkts inseriert worden. Hier wird zunächst nicht die Karte selbst gekauft, sondern die Versandbestätigung. "Sobald die Karte bei mir angekommen ist, ergänze ich noch ein Originalbild", heißt es unter dem absurden Angebot. Beim Onlinehändler, von dem das Produkt stammt, werden Liefertermine mittlerweile als unsicher angegeben.

Nvidia, der Sündenbock

Das reicht nicht! Die gesamte Ampere-Serie hätte nicht bereits im September verkauft werden dürfen. Hier sehe ich den Fehler zum großen Teil bei Nvidia, das bei der Spielerschaft auf der ganzen Welt enorme Hoffnungen und Vorfreude geschürt hat und am Ende den Bedarf nicht einmal im Ansatz decken konnte. Dieser Ansturm war zu erwarten und deshalb gelten für mich auch keine Ausreden seitens des Herstellers. Warum, Nvidia? Um AMD einen Monat voraus zu sein? Um das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen? Mit welchen Karten, bitte? Mit Skizzen von der RTX 3080 oder RTX 3090? Sicher nicht!

Ein paar Versandhändler haben sich keinen Gefallen getan, dass sie auf den von Nvidia geschürten Hype teilweise mit viel Werbung die viel zu geringen Verfügbarkeiten als großen Launch angepriesen und schon einige Tage im Voraus den Verkauf angekündigt haben. Dabei müssen sie gewusst haben, dass sie die Nachfrage niemals hätten decken können - ein Blick ins Inventar reicht schon.

Ja, es war zu erwarten, dass auch die Geforce RTX 3090 zunächst nicht direkt bei der Masse ankommen wird. Und ja, so funktionieren eben Kapitalismus und Habgier. Ich lege trotzdem, unvernünftig wie ich bin, ein wenig Hoffnung in die Kreativität der Community. Sollen Bots wieder mit Bildern und Skizzen getäuscht werden. Sollen Händler mit ebenso unvernünftigen schlechten Bewertungen quittiert werden. Denn so funktioniert eben das Internet.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Drumma_XXL 02. Okt 2020

Meine Güte, ich hab Fahrräder im Wert von rund 5000¤ in der Garage stehen. Bald werde...

HammerTime 01. Okt 2020

Nö. AMD hat mit jedem Launch die Karten nur auf dem Papier präsentiert.

HammerTime 01. Okt 2020

Vielleicht ist die AMD-Karte - wie so häufig - keine gute Alternative? Was will AMD dann...

neocron 29. Sep 2020

was ist das bitte fuer ein Ansatzpunkt!? Es gibt natuerlich diverse RGB Gischichten zu...

most 28. Sep 2020

So ganz kann ich diese "Wenn ich sie nicht bekommen kann, dann niemand" Einstellung...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Giga Factory Berlin
Warum Tesla auf über eine Milliarde Euro verzichten musste

Tesla kann die Milliarde Euro Förderung für die Akkufabrik Grünheide nicht beantragen - weil es sonst zu Verzögerungen beim Einsatz neuer Technik käme.

Giga Factory Berlin: Warum Tesla auf über eine Milliarde Euro verzichten musste
Artikel
  1. Nachhaltigkeit: Kawasaki plant E-Motorräder und Wasserstoff-Verbrenner
    Nachhaltigkeit
    Kawasaki plant E-Motorräder und Wasserstoff-Verbrenner

    Kawasaki will elektrische Antriebe für seine Fahrzeuge entwickeln, 2022 sollen drei Elektromotorräder erscheinen.

  2. Doppelbildschirm: Kickstarterprojekt Slide brauchte 6 Jahre bis zum Erfolg
    Doppelbildschirm
    Kickstarterprojekt Slide brauchte 6 Jahre bis zum Erfolg

    Das Kickstarter-Projekt Slidenjoy kann nach 6 Jahren seinen Doppelbildschirm Slide für Notebooks ausliefern.

  3. Elektroauto: Tesla stellt Model Y in China auf AMD-Ryzen um
    Elektroauto
    Tesla stellt Model Y in China auf AMD-Ryzen um

    Tesla hat in China damit begonnen, den Ryzen von AMD in das Model Y zu verbauen. Käufer berichten von einem viel flüssigerem Scrolling.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Black Friday Wochenende • WD Blue SN550 2 TB ab 149€ • LG UltraGear 34GP950G-B 999€ • SanDisk Ultra 3D 500 GB M.2 44€ • Boxsets (u. a. Game of Thrones Blu-ray 79,97€) • Samsung Galaxy S21 128GB 777€ • Premium-Laptops • Cooler Master V850 Platinum 189,90€ • Astro Gaming Headsets [Werbung]
    •  /