Geforce RTX 3050 im Test: Ein Kandidat für die meistverkaufte Steam-Grafikkarte
Zu den beliebtesten Grafikarten der vergangenen Jahre gehören Modelle wie die Geforce GTX 1660 Super und die Geforce GTX 1050 Ti, das zeigen die Verkäufe von Mindfactory(öffnet im neuen Fenster) und die Steam-Hardware-Umfrage(öffnet im neuen Fenster). Genau hier setzt die Geforce RTX 3050 an: Mehr Leistung und Videospeicher, zudem DLSS- und Raytracing-Unterstützung.
Wir haben getestet, ob sich die bisher (nominell) günstigste Grafikkarte der RTX-Ära für Aufrüster lohnt. Von den Eckdaten her hätte die Ampere-Karte durchaus das Potenzial, ebenfalls zum Steam-Liebling zu werden. Für ältere Systeme hat Nvidia zwar ein theoretisches Ärgernis eingebaut, in der Praxis aber hat es kaum Auswirkungen – und es hält die Option offen, eine günstigere GPU einzusetzen.
Technische Basis der Geforce RTX 3050 ist interessanterweise der GA106-Chip, der auch bei der Geforce RTX 3060 herhält, obgleich mit dem G107 ein kleineres Modell zur Verfügung steht; es wird bei der Geforce RTX 3050 (Ti) für Laptops eingesetzt. Im Vergleich zur Geforce RTX 3060 wurde der GA106 für die Geforce RTX 3050 stark beschnitten, wenngleich mit Hintergedanken.
PCIe Gen4 x8 kommt nicht ganz unerwartet
Statt drei werden zwei GPCs verwendet, damit einher gehen 20 SMs für 2.560 Shader-ALUs und nur noch 32 statt 48 ROPs. Auch das GDDR6-Interface wurde von 192 auf 128 Bit reduziert, immerhin war Nvidia nicht knauserig und verbaut 8 GByte Videospeicher. Die PCIe-Gen4-Anbindung wurde von einem x16- auf einen x8-Link halbiert; diese Information wurde im für Tester verfügbaren Reviewer's Guide nicht kommuniziert.
| RTX 3090 Ti | RTX 3090 | RTX 3080 Ti | RTX 3080 (12GB) | RTX 3080 (10GB) | RTX 3070 Ti | RTX 3070 | RTX 3060 Ti Plus | RTX 3060 Ti | RTX 3060 | RTX 3050 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Chip | GA102-350-A1 (Vollausbau) | GA102-300-A1 (teilaktiviert) | GA102-225-A1 (teilaktiviert) | GA102-220-A1 (teilaktiviert) | GA102-200-KD-A1 (teilaktiviert) | GA104-400-A1 (Vollausbau) | GA104-300-A1 (teilaktiviert) | GA104-200-A1 (teilaktiviert) | GA104-200-A1 (teilaktiviert) | GA106-300-A1 (teilaktiviert) | GA106-150-KA-A1 (teilaktiviert) |
| FP32-ALUs | 10.752 (84 SMs, 7 GPCs) | 10.496 (82 SMs, 7 GPCs) | 10.240 (80 SMs, 7 GPCs) | 8.960 (70 SMs, 6 GPCs) | 8.704 (68 SMs, 6 GPCs) | 6.144 (48 SMs, 6 GPCs) | 5.888 (46 SMs, 6 GPCs) | 4.864 (38 SMs, 5 GPCs) | 4.864 (38 SMs, 5 GPCs) | 3.584 (28 SMs, 3 GPCs) | 2.560 (20 SMs, 2 GPCs) |
| TMUs | 336 | 328 | 320 | 280 | 272 | 192 | 184 | 152 | 152 | 112 | 80 |
| RT-Cores v2 | 84 | 82 | 80 | 70 | 68 | 48 | 46 | 38 | 38 | 28 | 20 |
| Tensor-Cores v3 | 336 | 328 | 320 | 280 | 272 | 192 | 184 | 152 | 152 | 112 | 80 |
| Basis/Boost-Takt | 1.560/1.860 MHz | 1.400/1.700 MHz | 1.365/1.665 MHz | 1.260/1.755 | 1.440/1.710 MHz | 1.575/1.770 MHz | 1.500/1.730 MHz | 1.410/1.680 MHz | 1.410/1.665 MHz | 1.320/1.777 MHz | 1.552/1.777 MHz |
| Videospeicher | 24 GByte GDDR6X | 24 GByte GDDR6X | 12 GByte GDDR6X | 12 GByte GDDR6X | 10 GByte GDDR6X | 8 GByte GDDR6X | 8 GByte GDDR6 | 8 GByte GDDR6X | 8 GByte GDDR6 | 12 GByte GDDR6 | 8 GByte GDDR6 |
| Geschwindigkeit | 21 GBit/s | 19,5 GBit/s | 19 GBit/s | 19 GBit/s | 19 GBit/s | 19 GBit/s | 14 GBit/s | 19 GBit/s | 14 GBit/s | 15 GBit/s | 14 GBit/s |
| Interface | 384 Bit | 384 Bit | 384 Bit | 384 Bit | 320 Bit | 256 Bit | 256 Bit | 256 Bit | 256 Bit | 192 Bit | 128 Bit |
| Bandbreite | 1.008 GByte/s | 936 GByte/s | 912 GByte/s | 912 GByte/s | 760 GByte/s | 608 GByte/s | 448 GByte/s | 608 GByte/s | 448 GByte/s | 360 GByte/s | 224 GByte/s |
| ROPs | 112 | 112 | 112 | 112 | 96 | 96 | 96 | 80 | 80 | 48 | 32 |
| Board-Power | 450 Watt | 350 Watt | 350 Watt | 350 Watt | 320 Watt | 290 Watt | 220 Watt | 200 Watt | 200 Watt | 170 Watt | 130 Watt |
| Stromanschluss | 1x Mini-12P | 1x Mini-12P | 1x Mini-12P | 1x Mini-12P | 1x Mini-12P | 1x Mini-12P | 1x Mini-12P | 1x Mini-12P | 1x Mini-12P | 1x 8P | 1x 8P |
| PCIe | Gen4 x16 | Gen4 x16 | Gen4 x16 | Gen4 x16 | Gen4 x16 | Gen4 x16 | Gen4 x16 | Gen4 x16 | Gen4 x16 | Gen4 x16 | Gen4 x8 |
| NV-Link | ja | ja | nein | nein | nein | nein | nein | nein | nein | nein | nein |
| Launch-Preis | 1.700 Euro | 1.500 Euro (1.500 US-Dollar) | 1.200 Euro (1.200 US-Dollar) | 1.000 Euro | 700 Euro (700 US-Dollar) | 620 Euro (600 US-Dollar) | 500 Euro (500 US-Dollar) | (?) | 400 Euro (400 US-Dollar) | 330 Euro (330 US-Dollar) | 280 Euro (250 US-Dollar) |
Durch diese Änderungen hält sich Nvidia die Option offen, künftig auch einen GA107 nutzen zu können, was der Hersteller auf Anfrage bestätigte. Außerdem macht ein x8-Link die Platine simpler, was die Fertigung günstiger macht. Mit PCIe Gen4 x8 ist die Geforce RTX 3050 identisch ausgestattet wie die Radeon RX 6600 (XT), die Radeon RX 6500 XT hingegen auf Gen4 x4 limitiert. In älteren Systemen mit PCIe Gen3 halbiert sich verglichen mit Gen4 die Transferrate, weshalb wir die Nvidia-Karte mit beiden dieser möglichen x8-Anbindungen getestet haben.
Anders als bei der Radeon RX 6500 XT hat Nvidia die Decoding/Encoding-Fähigkeiten der Geforce RTX 3050 nicht beschnitten. Mit der AV1 Video Extension(öffnet im neuen Fenster) für Windows 10/11 und passendem Browser wie Microsofts Edge ist daher 8K30-Material(öffnet im neuen Fenster) problemlos abspielbar. Kommen wir aber zu dem für die meisten spannenden Teil, den Rasterization- und Raytracing-Benchmarks der Geforce RTX 3050.
Performance einer GTX 1660 Super
Für unsere Benchmarks verwenden wir einen Core i5-12400 mit sechs Kernen und zwölf Threads bei 65 Watt, also eine Mittelklasse-CPU. Er wird mit 32 GByte DDR4-3200-CL14 auf einem Z690-Board kombiniert, rBAR ist eingeschaltet. Als Netzteil kommt ein Seasonic Prime TX mit 1.000 Watt und 80-Plus-Titanium-Effizienz zum Einsatz.
Alle Anwendungen und Spiele sowie Windows 10 21H1 x64 liegen auf einer Corsair MP600 mit 2 TByte, einer schnellen NVMe/PCIe-Gen4-SSD. Als Grafiktreiber nutzen wir den Geforce 511.23 von Nvidia und die Radeon-Software 22.1.1 von AMD. Wir setzen auf CapframeX, um Framerate/Frametimes zu messen.
Bevor wir mit den Resultaten einsteigen, ein paar Anmerkungen: Für die regulären Rasterization-Benchmarks setzen wir auf 1080p und mittlere bis hohe Einstellungen, so dass 4 GByte Videospeicher für Schatten sowie Texturen und diverse Buffer ausreichen. Für die Raytracing-Messungen haben wir diese Kapazität überschritten, da hierfür mehr Videospeicher notwendig ist und es wenig Sinn ergibt, die allgemeine Grafikqualität zugunsten von Raytracing stark zu verringern.
Gleichauf mit der Geforce GTX 1660 Super
Wird rein mit Rasterization-Grafik gespielt, ist die Geforce RTX 3050 in etwa so flott wie die ältere Geforce GTX 1660 Super. Die Radeon RX 6500 XT wird um 20 Prozent überholt, gegen die Radeon RX 6600 aber muss die neue Nvidia-Karte ebenso zurückstecken wie gegen die ältere Geforce RTX 2060. Diese beiden Modelle sind über unsere Benchmarks hinweg durchschnittlich 20 Prozent schneller, wobei von einem Gleichstand bis hin zu einem Vorsprung von über 30 Prozent je nach Titel alles dabei ist.
Die Geforce RTX 3050 kann allerdings verglichen mit der Geforce GTX 1660 Super und der Geforce RTX 2060 damit punkten, 8 statt 6 GByte Videospeicher zu haben. Das ermöglicht eine höhere Schatten/Textur-Auflösung in diversen Spielen, ohne dass die Bildrate davon tangiert wird. Die Geforce RTX 3060 mit ihren 12 GByte ist sehr für extremes Modding der Pixeltapeten ausgelegt, vor allem aber rechnet sie 35 Prozent flotter als die Geforce RTX 3050 – angesichts der Spezifikationen war das zu erwarten.
Ob die neue Nvidia-Karte mit PCIe Gen4 x8 oder mit Gen3 x8 läuft, hat in den meisten von uns getesteten Titeln keine nennenswerte Auswirkung: Die Differenz beträgt üblicherweise weniger als drei Prozent, einzig Counter Strike Global Offensive reißt mit 18 Prozent signifikant aus. Auch in 1080p mit sehr hohen Einstellungen und 4x MSAA erreicht der Shooter weit über 200 fps, so dass eine Kommunikation zwischen Grafikkarte und Prozessor häufig stattfindet; auch ist CSGO stellenweise kurzfristig CPU-limitiert.
Schauen wir uns an, wie sich die Geforce RTX 3050 mit Raytracing schlägt und wie hoch die Leistungsaufnahme in diversen Szenarien ausfällt, außerdem lauschen wir dem Lüftergeräusch des Eagle-Modells von Gigabyte.
Mit Raytracing so gut wie die teurere Radeon
Wie bereits erwähnt, haben wir bei den Raytracing-Benchmarks weniger Rücksicht auf die Videospeicherkapazität genommen. Hintergrund ist, dass Raytracing mehrere Hundert MByte oder über ein GByte zusätzlich belegt und es uns wenig sinnvoll erscheint, dafür an anderer Stelle etwa die Schatten- oder Textur-Details zu opfern.
Tatsächlich läuft Raytracing je nach Spiel selbst bei sehr hohen oder maximalen Einstellungen auch auf Grafikkarten wie der Geforce RTX 3050 flüssig, und das ohne Upscaling-Verfahren wie DLSS oder FSR: In Dirt 5, Metro Exodus Enhanced Edition und Riftbreaker erreichen wir in 1080p mindestens 30 fps, oft auch über 40 Bilder pro Sekunde. Einzig das äußerst anspruchsvolle Lego Builder's Journey kommt auf nur 20 fps.
Unterm Strich ist die Geforce RTX 3050 mit Raytracing daher so flott wie die teurere Radeon RX 6600, die allerdings mit Raster-Grafik vorne liegt. Die ältere Geforce RTX 2060 bleibt 10 Prozent in Front, dank der RT-Cores v2 kann die Geforce RTX 3050 verglichen mit Rasterization den Rückstand jedoch halbieren. Hinzu kommen die Tensor-Cores v3, welche DLSS stärker beschleunigen, so dass der Fps-Boost ein bisschen höher ausfällt.
Sparsam und gut gekühlt
Auch bei den Raytracing-Benchmarks haben wir geprüft, ob PCIe Gen3 x8 langsamer läuft als PCIe Gen4 x8. An dieser Stelle können wir Entwarnung geben: Selbst in der CPU-Szene von Riftbreaker macht es kaum einen Unterschied, einzig P1%-Fps fallen mit Gen4 um drei Prozent besser aus. Zumindest in 1080p ist es auch unwahrscheinlich, dass selbst mit Raytracing die 8 GByte Videospeicher der Geforce RTX 3050 nicht ausreichen.
Hinsichtlich der Leistungsaufnahme überzeugt Gigabytes Eagle: Wir messen 9 Watt im Leerlauf und 14 Watt bei 4K60-Material auf Youtube; die Lüfter der Grafikkarte stehen dabei still. Der Energiebedarf unter Last liegt bei 124 Watt und somit zumindest in 1080p in Gears 5 leicht unter den 130 Watt, die Nvidia nennt. Die Effizienz entspricht somit in etwa der Geforce RTX 3060, eine Radeon RX 6600 leistet mehr pro Watt.
Interessant ist, dass Gigabyte bei der Geforce RTX 3050 Eagle auf einen Kühler mit zwei 92-mm-Propellern setzt, bei der Radeon RX 6600 Eagle hingegen auf einen größeren Radiator mit drei 80-mm-Lüftern – trotz identischer Leistungsaufnahme. Die AMD-Variante rauscht dann auch klar weniger als ihr Nvidia-Pendant, störend laut ist Letzteres allerdings noch nicht.
Und damit weiter zum Resümee!
Geforce RTX 3050: Verfügbarkeit und Fazit
Nvidia verkauft die Geforce RTX 3050 nicht als Founder's Edition, stattdessen gibt es, wie bei solchen Karten üblich, einzig Custom-Modelle der Partner. Den MSRP, also die UVP, setzt Nvidia bei 280 Euro an. Die getestete Geforce RTX 3050 Eagle von Gigabyte ist eine solche Variante, der reale Marktpreis liegt allerdings ersten Listungen zufolge bei über 400 Euro.
Fazit
Die Geforce RTX 3050 ist der Nachfolger der Geforce GTX 1050 (Ti) und der Geforce GTX 1650, zwei der drei populärsten Grafikkarten laut Steam-Umfrage. Der Performance-Zuwachs fällt anständig aus, die drei Jahre alte Geforce GTX 1650 wird um 80 Prozent überholt; die Geforce RTX 3050 rechnet somit auf dem Niveau der ebenfalls sehr beliebten Geforce GTX 1660 Super – sie bleibt aber hinter der Geforce RTX 2060 zurück.
Gegen AMDs Radeon RX 6600 kann sich die Geforce RTX 3050 bei Raster-Grafik nicht behaupten, mit Raytracing hingegen ist sie gleichauf. Verglichen mit der Radeon RX 6500 XT liegt die Nvidia-Karte rund 20 Prozent in Front, zumindest wenn dieser der Videospeicher nicht ausgeht. Die Geforce RTX 3050 mit ihren 8 GByte hat hier keine Nachteile, auch der PCIe-x8-Link macht sich selbst mit Gen3 statt Gen4 nur selten bemerkbar.
Hintergrund dieser Anbindung ist, dass sich Nvidia die Option offen hält, den derzeit verbauten GA106-Chip gegen den günstiger zu produzierenden GA107 zu tauschen. Das könnte mittelfristig für Preis und Verfügbarkeit der Geforce RTX 3050 sprechen, denn die 280 Euro sind ein reiner Papiertiger. Die Geforce GTX 1050/1650 wurden für 150 Euro eingeführt, auch einen Stromstecker benötigen diese beiden Karten nicht.
Die Geforce RTX 3050 hingegen ist preislich, von der Leistungsaufnahme und von der Performance her quasi eine Geforce GTX 1660 Super mit mehr Videospeicher und vor allem DLSS/Raytracing-Option. Weil Nvidia in den vergangenen Jahren die Klassen nach oben hin verschoben hat, mangelt es bei der 3000er-Generation an einem echten 150-Euro-Modell, von den realen Preisen einmal ganz abgesehen.
Rein vom MSRP her wäre unsere Empfehlung, zur Geforce RTX 3060 für 330 Euro zu greifen statt zur Geforce RTX 3050 für 280 Euro. Die höhere Geschwindigkeit, die 12 GByte Videospeicher und der x16-Link sind den Aufpreis wert. Wäre die aktuelle Marktlage nicht so, wie sie eben ist, hätte die Geforce RTX 3050 das Potenzial zum Steam-Liebling gehabt.
Dennoch stellt die Karte eine solide Wahl dar, da viel weniger Kompromisse eingegangen werden müssen als bei der stark beschnittenen Radeon RX 6500 XT, und die Radeon RX 6600 ihren Performance-Vorsprung (bei Raster-Grafik) durch einen Aufpreis erkauft; mit Raytracing ist die Geforce RTX 3050 gleichauf und hat den DLSS-Bonus.
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