Geforce RTX 2080 Super im Test: Bei Nvidia wird fast alles Super

Entweder hat Nvidia die Radeon RX 5700 XT (Test) von AMD stärker eingeschätzt oder aber die Chipausbeute der TU104-Grafikprozessoren ist so gut, dass das Unternehmen kein Interesse mehr daran hat, diese künstlich zu beschneiden: Was auch immer die Antwort sein mag, sie führte zur heutigen Veröffentlichung der Geforce RTX 2080 Super. Damit ist mittlerweile fast alles Super bei Nvidia, denn außer der Geforce RTX 2080 Ti haben alle anderen Grafikkarten der RTX-Serie eine Neuauflage erhalten.
Die Geforce RTX 2080 Super stellt in diesem Kontext das dar, was sich viele Nutzer schon vergangenes Jahr gewünscht haben: Eine Grafikkarte mit voller Shader-Anzahl und hoch getaktetem Speicher zu einem Preis, der nicht signifikant über dem des Vorgängers liegt. Zur Erinnerung, die Geforce GTX 1080 startete im Sommer 2016 als reguläres Modell für 670 Euro und als Founder's Edition für 790 Euro.
Die Geforce RTX 2080 wurde vergangenes Jahr für 740 Euro und für 850 Euro veröffentlicht, wobei die FE leicht übertaktet war. Die Geforce RTX 2080 Super wird ebenfalls für 740 Euro verkauft, wie bei allen anderen Super-Versionen unterscheidet sich die FE aber nur beim Kühler und hat keine höheren Frequenzen als Standardmodelle.

Technische Basis ist der bekannte TU104-Chip, den Nvidia auch für die Geforce RTX 2080 und die Geforce RTX 2070 Super nutzt. Erstmals abseits der Quadro RTX 5000 im Profi-Segment verbaut Nvidia den Vollausbau mit 3.072 Shader-Einheiten statt mit 2.944 Rechenkernen; teildefekte GPUs mit 2.560 ALUs – quasi der Ausschuss – landen auf den Platinen der Geforce RTX 2070 Super. Wie gehabt kommt ein 256 Bit breites Interface mit GDDR6-Videospeicher zum Einsatz, den Nvidia allerdings mit sehr hohen 7,75 GHz taktet – schnelleren GDDR6 verwendet derzeit kein Hersteller.
| RTX 2080 | RTX 2080 FE | RTX 2080 Super (FE) | RTX 2080 Ti | RTX 2080 Ti FE | |
|---|---|---|---|---|---|
| Chip | TU104 | TU104 | TU104 | TU102 | TU102 |
| Shader | 2.944 | 2.944 | 3.072 | 4.352 | 4.352 |
| TMUs | 184 | 184 | 192 | 272 | 272 |
| RT-Cores | 46 | 46 | 48 | 68 | 68 |
| Tensor-Cores | 368 | 368 | 384 | 544 | 544 |
| GPU-Takt | 1.515/1.710 MHz | 1.515/1.800 MHz | 1.650/.1.815 MHz | 1.350/1.545 MHz | 1.350/1.635 MHz |
| Speicher | 8 GByte GDDR6 | 8 GByte GDDR6 | 8 GByte GDDR6 | 11 GByte GDDR6 | 11 GByte GDDR6 |
| Interface | 256 Bit @ 7 GHz | 256 Bit @ 7 GHz | 256 Bit @ 7,75 GHz | 352 Bit @ 7 GHz | 352 Bit @ 7 GHz |
| ROPs | 64 | 64 | 64 | 96 | 96 |
| Board-Power | 215 Watt | 225 Watt | 250 W | 250 Watt | 260 Watt |
| Stromstecker | 8P + 6P | 8P + 6P | 8P + 6P | 8P + 8P | 8P + 8P |
| Launch-Preis | 740 Euro (700 USD) | 850 Euro (800 USD) | 740 Euro (700 USD) | 1.030 Euro (1.000 USD) | 1.260 Euro (1.200 USD) |
Weil sich die Physik nicht überwinden lässt, steigt die Board-Power der Geforce RTX 2080 Super verglichen zur Geforce RTX 2080 von 215 Watt (Standard) respektive 225 Watt (FE) auf 250 Watt. Das entspricht einer Geforce RTX 2080 Ti – und so viel sei gesagt, die ist deutlich flotter und damit auch effizienter. Mit einem Boost-Takt von über 1.800 MHz scheint Nvidia eine Frequenz über den optimalen Punkt (Sweet Spot) hinaus eingestellt zu haben, was in der Praxis dazu führt, dass die Grafikkarte wie alle Founder's Editions der RTX-Serie von ihrem in Watt festgelegtem Power-Limit gebremst wird. Wir gehen davon aus, dass Custom-Designs mit höheren Werte erscheinen.
Von der Platine her unterscheidet sich die Geforce RTX 2080 Super kaum von der Geforce RTX 2080: Die GPU hat keine zusätzliche Spannungswandler-Phase, auch der 8- sowie der 6-poligen Stromanschluss sind identisch wie bisher. Der Kühler mit der Verdampfungskammer (Vapor Chamber) bleibt erhalten, die beiden axialen Lüfter drehen aufgrund der gestiegenen Abwärme unter Last etwas lauter als zuvor. Im Leerlauf rotieren die Propeller leise, statt stillzustehen, im 3D-Betrieb sind sie hörbar, ohne zu nerven.
Ein bisschen schneller
Wir testen die Geforce RTX 2080 Super auf dem bisherigen System der vergangenen Monate: Die Basis ist ein Core i9-9900K mit 16 GByte DDR4-2667-Speicher, als Netzteil kommt ein Seasonic Prime TX mit 1000 Watt zum Einsatz. Alle Anwendungen und Spiele sowie Windows 10 v1903 sind auf einer WD Black SN750 mit 1 TByte Kapazität installiert – eine der momentan schnellsten SSDs. Alle RTX-Karten laufen mit dem Geforce-Treiber 431.16, nur die 2080 Super mit dem neueren 431.56 – dieser stellt die Kompatibilität sicher, beschleunigt aber keines der von uns genutzten Spiele. Für die AMD-Modelle verwenden wir die Radeon Software 19.7.1, die neuere Version 19.7.2 ändert unseren Stichproben zufolge ebenfalls nichts an der Performance.
Verglichen zur FE-Version der Geforce RTX 2080 erreicht die Super-Neuauflage rund 5 Prozent höhere Bildraten und liegt somit somit knapp 30 Prozent vor der aktuellen Radeon RX 5700 XT, wenn in 1440p oder in 4K gespielt wird – in 1080p bremst oft der Prozessor, daher sind diese Werte nur bedingt aussagekräftig. Die Geforce RTX 2080 Ti wiederum liegt rund 20 Prozent vor der Geforce RTX 2080 Super, sofern nicht die CPU limitiert: Zwar hat das Ti-Modell ein Drittel mehr Shader-Einheiten und ein um 50 Prozent breiteres Speicherinterface, die Frequenzen liegen aber niedriger und obendrein riegelt die Karte ebenfalls bei 250 Watt ab.
Abseits von regulären Spielen haben wir uns noch die Leistung der Geforce RTX 2080 Super angeschaut, wenn hardwarebeschleunigtes Raytracing verwendet wird: In Battlefield 5 in 1440p mit Ultra-Details sinkt die Bildrate von 105 fps auf 65 fps (Tirailleur-Spielstand), in Metro Exodus mit gleichen Einstellungen von 59 fps auf 43 fps (Caspian Desert) und bei Shadow of the Tomb Raider von 91 fps auf 52 fps (integrierter Benchmark). Das sind Werte, mit denen die genannten Titel rund laufen, wenn ein, zwei Regler nach links gestellt werden: Wir haben intern Metro Exodus in 1440p mit hohen Raytracing-Settings auf einer regulären Geforce RTX 2080 durchgespielt.
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Bei der Leistungsaufnahme gibt es keine Überraschungen: Im Leerlauf ist die Geforce RTX 2080 Super mit rund 10 Watt so sparsam wie eine aktuelle Radeon, unter Last genehmigt sich unser Testmuster mit 254 Watt minimal mehr, als Nvidia angibt. Wie bei allen anderen Grafikkarten hängt der Energiebedarf stark davon ab, wie hoch die Last ausfällt: Wer mit 60-Hz-Vsync spielt oder Titel im (anteiligen) CPU-Limit zockt, der sieht deutlich unter 200 Watt – so wie etwa auch bei der Radeon RX 5700 XT, die sonst 220 Watt braucht.
Verfügbarkeit und Fazit
Nvidia verkauft die Geforce RTX 2080 Super als Founder's Edition für 740 Euro. Die günstigsten Custom-Designs der Partner starten zum gleichen Preis, die Modelle mit aufwendigeren Kühlern oder höheren Taktraten sind wie üblich teurer. Die regulären Geforce RTX 2080 und auch die FE werden nicht mehr produziert, die Händler stoßen derzeit also nur noch ihre Restbestände ab. Die Super-Geforce wird, solange verfügbar, mit digitalen Keys für Control und Wolfenstein Youngblood ausgestattet.
Fazit
Wenn wir ehrlich sind, dann hätten wir uns die Geforc RTX 2080 Super eigentlich schon vergangenen Sommer beim Start von Nvidias Turing-Generation gewünscht: Die Grafikkarte nutzt einen Vollausbau des TU104-Chip und rechnet daher knapp 10 Prozent flotter als eine reguläre Geforce RTX 2080, verglichen zu Nvidias leicht übertakteter FE-Version sind es noch rund 5 Prozent. Die höhere Geschwindigkeit geht mit einer gesteigerten Leistungsaufnahme einher, das neue Modell ist daher ein bisschen weniger effizient.
Den meisten Kunden ist es vermutlich egal oder nicht bewusst, aber wir zumindest haben irgendwie ein besseres Gefühl dabei, eine teure Grafikkarte zu kaufen, bei welcher der Chip nicht beschnitten wurde. Abseits davon weist die Geforce RTX 2080 Super eine hohe Geschwindigkeit auf, mit der Nvidia nur sich selbst noch eine Weile Konkurrenz macht, bis die regulären Geforce RTX 2080 nicht mehr erhältlich sind. AMD hat in dieser Leistungsklasse kein Modell, der Abstand zur Radeon RX 5700 XT beträgt 20 Prozent zugunsten Nvidias.
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Neben der allgemeinen Performance spricht für die Geforce RTX 2080 Super, dass sie hardwarebeschleunigtes Raytracing unterstützt und in bisherigen Titeln genug Rohleistung hat, damit Titel wie Metro Exodus in 1440p mit hohen Details flüssig laufen. Welche Bildraten in kommenden Spielen erzielt werden, bleibt offen – aber: Mit beispielsweise Assetto Corsa Competizione, Call of Duty Modern Warfare, Control, Cyberpunk 2077, Vampire Bloodlines 2, Watch Dogs Legion und Wolfenstein Youngblood fällt die Liste mittlerweile durchaus umfangreich aus.