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Gefangen im Zeitstrom, verloren im All: Die zehn besten Sci-Fi-Serien der 1960er

Sie sind die Klassiker, auf denen das ganze Genre aufbaut: die großen Science-Fiction -Serien der 1960er. Neben Star Trek gab es hier noch viel mehr.
/ Peter Osteried
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Doctor Who ist eine unserer Top-60er-Jahre-Sci-Fi-Serien und Tom Baker der vierte von acht Doctor Whos. (Bild: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images)
Doctor Who ist eine unserer Top-60er-Jahre-Sci-Fi-Serien und Tom Baker der vierte von acht Doctor Whos. Bild: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

In unserer Reihe der Science-Fiction-Serien der vergangenen Jahrzehnte sind wir immer weiter in der Zeit zurückgegangen: Nach den 90ern , den 80ern und den 70ern kommen nun die 60er. Deren Serien sind im Gegensatz zu denen der anderen Jahrzehnte alles andere als vergessen. Sie sind vielmehr fast alle heute noch bekannt, was ihre Bedeutung für das Genre deutlich macht.

Obskures gab es auch - etwa die Komödie Immer, wenn er Pillen nahm ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) über einen frühen Superhelden, der durch das Schlucken einer Pille erstaunliche Kräfte erlangte. Oder: Mein Onkel vom Mars ( Intro(öffnet im neuen Fenster) ), der das Sci-Fi-Element vor allem humorig einsetzte. Da es hier um Serien gehen soll, seien sie nur am Rande erwähnt. Hier unsere Top-10-Science-Fiction-Serien der 1960er Jahre.

10. Die Seaview (1964-1968)

Die Seaview ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) wurde von Irwin Allen, einem der Sci-Fi-Visionäre der 60er und 70er , produziert. Die Seaview basiert auf dem Science-Fiction-Film Unternehmen Feuergürtel, war als Format im Fernsehen aber weit erfolgreicher. Vier Staffeln wurden produziert, anfangs noch in Schwarz-Weiß, dann in Farbe.

Die Seaview ist ein futuristisches Unterseeboot, das die Meere erkundet und bei seinen Tauchgängen auch auf allerlei Mysteriöses trifft - bisweilen auch auf Außerirdische. In der ersten Staffel herrschte noch eine ernsthafte Kalter-Krieg-Stimmung, auf die aber in den Folgejahren weitgehend verzichtet wurde. In Deutschland debütierte die Serie erst 1994 bei Pro Sieben. Gezeigt wurden aber nur die Folgen in Farbe, so dass die erste Staffel nie synchronisiert wurde.

9. Verschollen zwischen fremden Welten (1965-1968)

Heutzutage kennt man die Serie eher unter ihrem Originaltitel Lost in Space ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ). Sie wurde ebenfalls von Irwin Allen entwickelt und war - besonders im Vergleich zum teils gleichzeitig laufenden Star Trek - deutlich kindischere Science-Fiction.

Die Geschichten um die auf einem fremden Planeten abgestürzte Familie Robinson sind eher einfach gestrickt - mit einem sehr eindimensionalen Schurken. Aus heutiger Sicht machen vor allem der alte Charme und der Nostalgiefaktor die Serie noch reizvoll.

Die Serie kam hierzulande erst 1992 ins Programm des Kabelkanals. Es gibt sie nicht einmal auf DVD, was auch daran liegen mag, dass nur die zweite und dritte Staffel, die in Farbe produziert wurden, lokalisiert wurden. Die erste, in Schwarz-Weiß gehaltene Staffel wurde in Deutschland nie ausgestrahlt.

8. Invasion von der Wega (1967-1968)

Erzählt wird hier von außerirdischen Invasoren, die im Geheimen auf der Erde agieren. Entwickelt wurde die Serie ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) von Larry Cohen(öffnet im neuen Fenster) , der später mit den Die Wiege des Bösen-Filmen Erfolg hatte. Inspiration für die Serie waren Ein-Mann-auf-der-Flucht-Serien wie Auf der Flucht, aber auch die Invasionsfilme der 50er Jahre mit Alien-Doppelgängern wie zum Beispiel Die Dämonischen.

Der Architekt David Vincent beobachtet auf der Heimfahrt von einer Geschäftsreise ein Ufo. Er fährt zur nächsten Polizeistation, doch seine Mitteilung, er habe eine fliegende Untertasse gesehen, stößt auf Misstrauen.

Auch ein Lokaltermin erbringt keine Spur. Vermeintliche Zeugen leugnen, etwas gesehen zu haben. Vincent ermittelt auf eigene Faust und findet bald seinen Verdacht bestätigt, dass Außerirdische auf der Erde gelandet sind, um die Gesellschaftsordnung von innen heraus zu zerstören.

Wie so viele Filme dieser Zeit setzt auch diese Serie auf ein Element der Paranoia. Larry Cohen erklärte in einem der Audiokommentare, dass er sich von den SF-Filmen der vorherigen Dekade habe inspirieren lassen, aber diese Angst vor einer Gefahr von innen auch metaphorisch habe nutzen wollen. Er hatte erlebt, wie Künstler zu Zeiten der McCarthy-Kommunistenhatz auf eine schwarze Liste gesetzt wurden, und wollte mit seiner Serie eine politische Aussage treffen.

Hierzulande begann die Flucht vor den Außerirdischen am 14. April 1970. Das ZDF strahlte jedoch nur 20 der insgesamt 43 Folgen aus. An eine bestimmte Reihenfolge hielt man sich dabei nicht. Der Rest wurde nie synchronisiert.

Nur sieben Folgen und trotzdem legendärer Status

7. Planet der Giganten (1968-1970)

Die Zukunft der Serie ist mittlerweile lange Vergangenheit. Sie spielt im Jahr 1983, das zum Zeitpunkt der Entstehung immerhin noch 15 Jahre entfernt war. Planet der Giganten ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) war die vierte Science-Fiction-Serie, die Irwin Allen entwickelte. Sie debütierte in den USA am 22. September 1968 und lief bis zum September 1970. Die mit 250.000 Dollar pro Folge sündhaft teure Serie (neuer Budgetrekord), brachte es auch aufgrund der Kosten nur auf zwei Staffeln.

Die Geschichte: Die Crew und die Passagiere eines Raumschiffs geraten in einen seltsamen Weltraumsturm, der sie auf einen mysteriösen Planeten transportiert, der zwölfmal größer als die Erde ist, ihr ansonsten aber gleicht. Das Schiff stürzt ab und kann nicht repariert werden, weswegen die Menschen in einer Welt zurechtkommen müssen, in der die Riesen um die 20 Meter groß sind und ihr Planet dementsprechend angepasst ist. Für die Menschen ist alles überdimensional groß.

Das Ziel der Menschen ist es, ihr Schiff zu reparieren und nach Hause zu kommen, aber der Captain verhindert dies, wenn er die Gefahr sieht, dass so auch die Giganten zur Erde geführt werden könnten.

Die Serie endete mit der zweiten Staffel - aber ohne richtigen Schluss. Die Menschen kehrten nie zur Erde zurück. Welches Schicksal ihnen letzten Endes auf dem Planeten der Giganten blühte, ist ungewiss.

Hierzulande debütierte die Serie mit einigen Jahren Verspätung. Erst 1992 nahm Pro Sieben sie ins Nachmittagsprogramm.

6. Raumpatrouille Orion (1966)

Die Serie ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) debütierte im deutschen Fernsehen im Jahr 1966. Es gab nur sieben Folgen, zum Erreichen eines legendären Status reichte es aber.

Die Abenteuer von Commander Cliff Allister McLane und seiner tapferen Crew trafen im damals noch tristen Fernsehalltag einen Nerv. Das Fernsehen, ebenso wie der deutsche Film, hatte die Phantastik in all ihren Formen im Großen und Ganzen seit der großen Stummfilmzeit gemieden, weswegen eine Science-Fiction-Serie etwas Besonderes war und dementsprechend zwischen den unzähligen Kommissar- und Detektivserien hervorstach, die im Fernsehen liefen.

Wir schreiben das Jahr 3000. Eine Weltraumflotte schützt die Menschheit und ihre Kolonien im All vor interstellaren Invasoren. Die Crew des schnellen Raumkreuzers Orion unter Commander McLane wird wegen befehlswidrigen Verhaltens zur Raumpatrouille versetzt. Im Kampf gegen die Außerirdischen erleben sie gefährliche Abenteuer.

Erdacht wurde die die Serie von dem mittlerweile verstorbenen Rolf Honold, der sich bereits einen Namen als Drehbuchautor gemacht hatte und als leidenschaftlicher SF-Fan ein solches Format ins Fernsehen bringen wollte. Anfang der 60er entwickelte Honold bereits ein Konzept für eine Serie, das den damaligen Chefs der zwei deutschen Sender jedoch nicht besonders zusagte, weswegen die erste deutsche SF-Serie schon im Vornherein den Weg alles Irdischen gegangen zu sein schien.

Honold gab aber nicht auf. Als er 1962 ein Konzept für die Raumpatrouille vorlegte, schien das Interesse anfangs noch immer recht gering zu sein, aber mit der Zeit entwickelte sich eine gewisse Neugier, dieses Projekt anzufassen und in die Tat umzusetzen.

Seit Jahren träumen Fans davon, dass es irgendwann weitergehen wird. Ein Reboot war immer mal wieder in Entwicklung, anders als bei Star Trek wurde die Raumpatrouille jedoch nie fortgeführt.

Raumpatrouille Orion - Kinotrailer
Raumpatrouille Orion - Kinotrailer (01:50)

5. The Time Tunnel (1966-1967)

The Time Tunnel ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) ist die kurzlebigste Sci-Fi-Serie von Irwin Allen. Es wurde nur eine Staffel mit 30 Folgen produziert. In deren Mittelpunkt stehen zwei Wissenschaftler, die wegen einer Erfindung im Zeitstrom gefangen sind und querbeet durch die Historie reisen.

Die beiden erleben fantastische Abenteuer - und sehen dabei manchmal unnatürlich groß aus, wenn nämlich Archivmaterial aus großen Filmen benutzt wurde, um etwa das Römische Reich imposanter wirken zu lassen. Die Hauptrollen wurden von James Darren(öffnet im neuen Fenster) und Robert Colbert gespielt. Jede Folge endete mit einem Cliffhanger und zeigte, wie die Protagonisten in einer anderen Epoche ankommen.

Wäre die Serie weiterproduziert worden, hätten die beiden den Weg nach Hause gefunden und die Zeitmaschine genutzt, um gezielt falsch laufende Ereignisse zu korrigieren. Als die Serie in den 1970er Jahren nach Deutschland kam, wurden nur ein paar Folgen ausgestrahlt. Komplett synchronisiert wurde sie erst sehr viel später für Sat 1.

Man nannte ihn Nummer 6

4. Nummer 6 (1967-1968)

Die britische Serie ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) mit Patrick McGoohan erlebte nur eine Staffel - aber was für eine! McGoohan spielt einen Geheimagenten, der in den Ruhestand geht, dann aber entführt wird und sich in einem idyllischen Dorf wiederfindet, das ein bizarres Gefängnis ist. Niemand kann es verlassen, keiner hat einen Namen - ihn nennt man Nummer 6 - und niemand weiß, was hier eigentlich gespielt wird.

17 Folgen wurden produziert, jede ein Kleinod für Leute, die gerne Filme wie die von David Lynch sehen. Die Geschichten sind allesamt ungewöhnlich und leben von ihrer paranoid-merkwürdigen Stimmung. Großartig ist das Finale, das sich extrem weit von damals typischer Erzählform entfernt und im Grunde mehr Fragen offenlässt, als es beantwortet.

3. The Outer Limits (1963-1965)

Die Geschichten der Anthologie-Serie ( Intro(öffnet im neuen Fenster) ) gehören zu Recht zu den Klassikern unter den SF-Serien. Die Sendung hat den Stil von Twilight Zone ( Intro(öffnet im neuen Fenster) ), geht aber mehr in die SF-Richtung.

Tatsächlich war sie bei der Kritik und den anspruchsvollen Freunden der Phantastik aber stets beliebter und so nannte die Encyclopedia of Science Fiction die Serie auch "im Ganzen besser, phantasievoller und intelligenter" als Rod Serlings Twilight Zone.

Bezeichnenderweise liefen beide Serien zur gleichen Zeit aus. Was Rod Serling für Twilight Zone und Gene Roddenberry für Star Trek war, war Joseph Stefano für The Outer Limits. Stefano war durch das Skript zu Alfred Hitchcocks Psycho bekannt geworden. Die Serie wurde von Leslie Stevens entwickelt, aber Stefano übernahm als Showrunner.

Nach der ersten Staffel stieg er aber aus, weil ABC die Serie auf einen Sendeplatz gestellt hatte, der für SF-Shows fast immer den Tod bedeutete - Samstagabend. Auch hier waren die Quoten daraufhin im freien Fall. Stefano hatte darauf verwiesen, aber der Sender wollte ihm nicht glauben.

Die Originalserie schaffte nie den Sprung nach Deutschland. Seit Jahren ist übrigens eine Rückkehr der Serie im Gespräch, nachdem es in den 1990er Jahren eine erste Neuauflage gab. Zeitweise wurde sie auch als großer Kinofilm angekündigt, bis heute hat sich aber dahingehend nichts getan.

2. Doctor Who (1963-1989)

Sein erstes Abenteuer erlebte Doktor Who ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) im Jahr 1963, als die BBC die kühne SF-Serie ins Programm nahm. Was damals entstand, ist nicht weniger als die erfolgreichste SF-Serie aller Zeiten: Sie lief bis 1989 und brachte es auf unglaubliche 700 Folgen plus mehrere Specials und Spin-offs.

Die Laufzeit der Folgen war meist nur 25 Minuten lang, dafür wurden gleich größere Geschichten erzählt, die über drei bis sechs Folgen laufen konnten. Mitunter konnte ein Zyklus aber auch schon mal 14 Folgen umfassen.

Der erste Doktor war William Hartnell, der die Rolle von 1963 bis 1966 spielte. Danach stieg er aus, was eine Umbesetzung notwendig machte. Doch damit zeigte sich erst die geniale Stärke des Formats, denn hier schlüpfte nicht einfach nur ein anderer Schauspieler in eine bekannte Rolle. Vielmehr veränderte sich der Doktor selbst, regenerierte seinen Körper und hatte plötzlich ein gänzlich anderes Aussehen.

Der Doktor ist ein exzentrischer Time Lord, ein hochintelligenter Wissenschaftler von einem weit entfernten Planeten, der mit der Tardis(öffnet im neuen Fenster) durch Raum und Zeit reisen kann. Die Tardis, die innen größer als außen ist, kann ihre Form verändern, so dass sie in vergangenen Zeiten nicht auffällt. Doch die Tardis des Doktors ist beschädigt, weswegen sie immer wie eine britische Telefonzelle erscheint.

Im Verlauf der Fernsehserie erschien der Doktor immer wieder in verschiedener Form. Dem ersten Doktor William Hartnell folgten Patrick Troughton (1966-1969), Jon Pertwee (1970-1974), Tom Baker (1974-1981), Peter Davison (1981-1984), Colin Baker (1984-1986) und Sylvester McCoy (1987-1989). Der achte Doktor Paul McGann erschien nur in einem Fernsehfilm aus dem Jahr 1996, der zwar als Pilotfilm für eine Serie gedacht war, aber nicht genügend Quote einfuhr, um diese Wirklichkeit werden zu lassen.

1. Star Trek (1966-1969)

Über den ersten Platz kann es gar keinen Zweifel geben. Was wäre schon größer als Star Trek? Mit allen Nachfolgeserien und den Filmen brachte es das Franchise ( Trailer(öffnet im neuen Fenster) ) auf weit mehr als 800 Geschichten - und ein Ende ist nicht abzusehen.

Die von Gene Roddenberry erschaffene Serie um das Raumschiff Enterprise, dessen Crew neues Leben und neue Zivilisationen sucht, war ihrer Zeit voraus. Es war die Utopie einer besseren Welt, in der Toleranz immer das bestimmende Element war. Star Trek war woke, bevor es diesen Begriff überhaupt gab(öffnet im neuen Fenster) .

Auch mehr als 50 Jahre nach dem Ende der Originalserie hat sie nichts von ihrem Reiz verloren. Die knallbunten Farben, die Kostüme, die Geschichten - alles funktioniert so gut wie eh und je. Star Trek ist ein wirklich zeitloser Klassiker.


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