Werbewirtschaft steht vor Problemen

Der IAB reagierte darauf umgehend: Nicht seine Framework-Lösung sei das Problem, sondern die Implementierung durch Vectaury. Entscheiden sei, dass der Nutzer nicht ausreichend darüber informiert wurde, für wen welche Daten erhoben werden. Vectaury hätte selbst überprüfen müssen, ob eine rechtmäßige Einwilligung vorliegt. Die Firma hatte sich jedoch lediglich auf die mit den Werbekunden und App-Betreibern geschlossenen Verträge verlassen. Daher wurde das Unternehmen vorübergehend vom IAB-Consent-Framework ausgeschlossen.

Michael Neuber, Justiziar des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW), erklärt das Problem gegenüber Golem.de so: "Werbetreibende und ihre Partner brauchen eine eigene Nachweismöglichkeit für die vom Nutzer erteilte Einwilligung. Nach Ansicht der CNIL kann man sich hier nicht nur auf Verträge verlassen, sondern man muss sich selbst davon überzeugen." Im Rahmen der IAB-Europe-Framework-Lösung werde an einem entsprechenden Verfahren gearbeitet, um die Nachweismöglichkeit auf technischer Ebene durch eine eindeutige Signalkette bieten zu können. "Die Voraussetzungen für rechtswirksame Einwilligungen muss aber jede verantwortliche Stelle nach wie vor selbst erfüllen," sagte Neuber auf Anfrage von Golem.de.

Wie belastbar sind die Einwilligungen?

Das Online-Fachmagazin Adzine sieht "einiges an Sprengkraft" in der CNIL-Entscheidung. Viele Werbetreibende müssten nun ihre Einwilligungen samt Einholungsmechanismen "ernsthaft hinterfragen". Eine von der IAB zertifizierte Lösung sei keine Garantie dafür, tatsächlich gültige Einwilligungen zu generieren, schreibt dort die Juristin Lisa Gradow. Mit der Entscheidung über Vectaury sei der Fall nicht abgeschlossen. Denn die britische Bürgerrechtsorganisation Privacy International legte der CNIL erst vor kurzem eine Beschwerde über mehrere große Adtech-Unternehmen und deren Nutzerprofil-bezogene Werbepraxis vor.

Die Schlagkräftigkeit der CNIL ist mit den deutschen Aufsichtsbehörden nicht zu vergleichen: Die zentrale Behörde verfügte 2017 über knapp 200 Mitarbeiter, unter anderem eine eigene Technikabteilung, die sich mit technischen Innovationen befasst. In der Artikel-29-Gruppe, der Vorgängerorganisation des Europäischen Datenschutzausschusses, spielte die CNIL neben der britischen Aufsichtsbehörde CIO eine prominente Rolle. Es ist daher zu erwarten, dass ihre Entscheidung auch auf europäischer Ebene Wirkung zeigen wird.

Folgen für die deutsche Werbewirtschaft

Die Datenschutzkonferenz der 18 deutschen Aufsichtsbehörden stellte in einer Orientierungshilfe zur Direktwerbung (PDF) bereits klar, dass auf die Einwilligung der Betroffenen nicht verzichtet werden kann, wenn Nutzerprofile oder Verhaltensprognosen erstellt werden. In der Auslegung der Datenschutzgrundverordnung gibt es damit zwischen der Datenschutzaufsicht in Deutschland und Frankreich keine erkennbaren Unterschiede. Für die hiesige Werbebranche, die sich in vielen Fällen bisher auf das "berechtigte Interesse" als Rechtfertigungsgrund verlässt und in diesen Fällen keine Einwilligung einholt, wird sich damit einiges ändern.

Rebekka Weiß, Bereichsleiterin Datenschutz des IT-Branchenverbandes Bitkom findet die Auffassung der CNIL jedenfalls "nicht überraschend". Weiß sagte Golem.de, dass es "in jedem Fall für eine wirksame Einwilligung eine Benennung der Zwecke der Datenverarbeitung braucht". Wichtig sei, dass jedoch die Einwilligung "praxisnah einholbar bleibt". Würden die Voraussetzung dafür immer höher angesetzt, müssten sehr lange Infotexte um die Einwilligung gebaut werden. Ob dies dann aber zu einer wirklich "transparenten, übersichtlichen Datenverarbeitung führen kann, ist doch wenigstens zweifelhaft."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Gefahr für Werbenetzwerke: Wie legal ist das Tracking von Online-Nutzern?
  1.  
  2. 1
  3. 2


FreiGeistler 18. Dez 2018

Das würde so funktionieren, wenn die Algorythmen allgemein bekannt bzw. Transparent wären.

gfa-g 15. Dez 2018

Das ist ja gerade der Sinn einer Benennung der Zwecke explizit und nicht nur in den AGB...

nille02 14. Dez 2018

Weniger hereinfallen, aber man ich wollte mal ausschließen das meine persönliche Meinung...

Hotohori 14. Dez 2018

Ich halte personalisierte Werbung eh für Schwachsinn. Zum einen funktioniert diese bei...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
JPEG XL
Die Browserhersteller sagen nein zum Bildformat

JPEG XL ist das überlegene Bildformat. Aber Chrome und Firefox brechen die Implementierung ab. Wir erklären das Format und schauen auf die Gründe für die Ablehnung.
Eine Analyse von Boris Mayer

JPEG XL: Die Browserhersteller sagen nein zum Bildformat
Artikel
  1. Walking Simulator: Gameplay von The Day Before erntet Spott
    Walking Simulator
    Gameplay von The Day Before erntet Spott

    Nach Betrugsvorwürfen haben die Entwickler von The Day Before nun Gameplay veröffentlicht - das nicht besonders gut ankommt.

  2. Lasertechnik: Hoffnung auf Femtosekundenlaser für die Hosentasche
    Lasertechnik
    Hoffnung auf Femtosekundenlaser für die Hosentasche

    An der Universität Yale wurde ein Titan-Saphir-Laser auf einem Chip erzeugt und fortgeschrittene Lasertechnik auf Millimetergröße geschrumpft.

  3. Knockout City: Drei Games-as-a-Service weniger in einer Woche
    Knockout City
    Drei Games-as-a-Service weniger in einer Woche

    Rumbleverse, Apex Legends Mobile und Knockout City: Innerhalb weniger Tage heißt es Game Over für drei bekannte Multiplayerspiele.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Mindfactory DAMN-Deals: Grakas, CPUs & Co. • HTC Vice 2 Pro Full Kit 899€ • RAM-Tiefstpreise • Amazon-Geräte bis -50% • Samsung TVs bis 1.000€ Cashback • Corsair HS80 7.1-Headset -42% • PCGH Cyber Week • Samsung Curved 27" WQHD 267,89€ • Samsung Galaxy S23 vorbestellbar [Werbung]
    •  /