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Gefährliche Forschung: Forscher warnen vor Erschaffung von Spiegelmikroben

Ein Forschungsteam sieht in Arbeiten zur Schaffung von Spiegelbakterien eine potenziell tödliche Gefahr für die Menschheit.
/ Patrick Klapetz
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Ein DNA-Strang als Symbolbild. (Bild: Pixabay)
Ein DNA-Strang als Symbolbild. Bild: Pixabay

Einige Nobelpreisträger und andere Experten fordern einen Stopp der Forschung zur Schaffung sogenannter Spiegelmikroben. Dabei handelt es sich um – bislang hypothetische – Organismen, die aus Spiegelbildern von in der Natur vorkommenden Molekülen aufgebaut sind.

Die 38-köpfige Gruppe warnt davor(öffnet im neuen Fenster) , dass die Mikroorganismen die Immunabwehr natürlicher Lebewesen überwinden könnten. Damit wären Menschen, Tiere und Pflanzen dem Risiko tödlicher Infektionen ausgesetzt.

Zwar wird es laut den Experten mindestens noch ein Jahrzehnt dauern, eine lebensfähige Spiegelmikrobe zu schaffen. Jedoch zeigt eine neue, 299-seitige Risikobewertung(öffnet im neuen Fenster) neben den Möglichkeiten von Spiegelmolekülen auch erhebliche Risiken auf und fordert eine weltweite Debatte über die Arbeit.

Vorteile von Spiegelmolekülen

Viele Moleküle können in zwei verschiedenen, spiegelsymmetrischen Formen existieren. Die DNA aller Lebewesen etwa besteht aus rechtsdrehenden Nukleotiden, während Proteine, die Bausteine der Zellen, aus linkshändigen Aminosäuren bestehen.

In der Fachwelt wurden bereits große, funktionsfähige Spiegelmoleküle hergestellt. Einige Forschungsgruppen unternahmen sogar kleine Schritte in Richtung der Schaffung von Spiegelmikroben – auch wenn der Aufbau eines ganzen Organismus aus Spiegelmolekülen über das heutige Know-how hinausgeht.

Spiegelmoleküle könnten in Therapien für chronische und schwer zu behandelnde Krankheiten verwendet werden, während Spiegelmikroben Bioproduktionsanlagen widerstandsfähiger gegen Kontamination machen könnten.

Die Gefahr dieser Forschung

Jedoch würden sich solche Organismen wahrscheinlich vielen Mechanismen des Immunsystems von Menschen, Tieren und Pflanzen entziehen. Sie könnten tödliche Infektionen verursachen, die sich unkontrolliert ausbreiten würden. Ferner befürchtet die Arbeitsgruppe, dass sich die Mikroben nicht einfach eindämmen lassen würden und ihnen natürliche Konkurrenten nichts anhaben könnten.

Da es keinen eindeutigen Beweis dafür gebe, dass Spiegelbakterien und andere Spiegelorganismen keine Gefahr darstellten, solle die Forschung dazu eingestellt werden, fordert die Gruppe.

"Wir empfehlen daher, dass Forschung mit dem Ziel, Spiegelbakterien zu erzeugen, nicht zugelassen wird und die Geldgeber deutlich machen, dass sie solche Arbeiten nicht unterstützen werden" , schreiben die Autoren.


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