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Geeksphone Revolution im Test: Die Revolution bleibt aus

Mit dem Revolution bringt Geeksphone sein bisher leistungsfähigstes Smartphone mit Firefox OS auf den Markt. Das mit mittelklassiger Hardware ausgestattete Gerät wird mit Android ausgeliefert - worüber sich Firefox OS installieren lässt. Mit Android läuft das Smartphone aber deutlich flüssiger.
/ Tobias Költzsch
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Das Geeksphone Revolution kann wahlweise mit Android oder Firefox OS betrieben werden. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Das Geeksphone Revolution kann wahlweise mit Android oder Firefox OS betrieben werden. Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Geeksphone bringt mit dem Revolution das erste Smartphone in den Handel, das ab Werk entweder mit Android oder Firefox OS verwendet werden kann. Das Gerät wird anstelle des mehrmals aufgeschobenen und letztlich nicht veröffentlichten Firefox-OS-Smartphones Peak+ auf den Markt gebracht. Der spanische Hersteller vermarktet das Gerät wegen der zwei möglichen Betriebssysteme als "Multi-OS-Smartphone" .

Geeksphone Revolution - Test
Geeksphone Revolution - Test (02:23)

Ausgeliefert wird das Revolution mit Android 4.2.2, installiert ist eine von Geeksphone erstellte ROM. Nach der Ersteinrichtung sind keine Google-Apps installiert. Über die Systemeinstellungen können diese aber einfach nachinstalliert werden - womöglich hat Geeksphone die Lizenzierung von Google nicht rechtzeitig bekommen. Ein Autor von PCmag.com(öffnet im neuen Fenster) hatte allerdings den Eindruck, dass die Geeksphone-Mitarbeiter schnell das Thema wechseln wollten, als er sie auf die Herkunft der Google-Apps ansprach.

Geeksphone hat das Android-System weitgehend unangetastet gelassen, die Oberfläche entspricht einem AOSP-System ohne Änderungen. Dementsprechend finden sich keine speziellen Apps oder Funktionen, andererseits gibt es auch keine vom Nutzer nicht gewünschten und nicht deinstallierbaren Apps wie bei Samsung- oder HTC-Geräten. Im Unterschied zu den meisten anderen Android-Geräten kommt das Revolution bereits mit Root-Zugriff; der Nutzer hat also Zugriff auf alle Teile des Systems und kann Apps installieren, die dies benötigen.

Geeksphone bewirbt das Revolution als "Multi-OS"-Gerät. Gemeint ist damit, dass es mit Android ausgeliefert wird, der Nutzer aber zu Firefox OS wechseln kann. Dies geschieht ähnlich wie die Nachinstallation der Google-Apps über die Systemeinstellungen: Hier gibt es unter "Systemaktualisierungen" den Menüpunkt "Install Other OS", mit dem Mozillas mobiles Betriebssystem aufgespielt werden kann.

Kein Wechsel zwischen den Betriebssystemen

Dafür hat Geeksphone ein eigenes Recovery-System installiert. Zwischen Android und Firefox OS wechseln kann der Nutzer leider nicht - die Installation eines Betriebssystems überschreibt das andere. Komfortabler und praktischer wäre hier eine Dual-Boot-Lösung, um beim Hochfahren des Smartphones zwischen Android und Firefox OS wechseln zu können.

Nachdem über das Menü in den Android-Einstellungen Firefox OS als neues Betriebssystem ausgewählt wurde, startet das Revolution in das Recovery-System. Die Installation von Firefox OS läuft komplett automatisch ab, ohne dass der Nutzer selbst Einstellungen vornehmen muss. Nach der Installation lädt das Revolution direkt Firefox OS, das in der Version 1.3.0.0 Pre-Release installiert ist.

SIM-Karte nach Update nutzbar

Nach dem ersten Start von Firefox OS bemerkten wir, dass unsere SIM-Karte nicht vom Revolution erkannt wurde - unter Android hatten wir damit keine Probleme. Auch andere SIM-Karten hat das Smartphone nicht akzeptiert. Das Problem ist Mozilla offenbar bekannt: Im offiziellen Nutzerforum des Revolution(öffnet im neuen Fenster) haben es zahlreiche Nutzer angesprochen. Ein Update vom 4. März 2014 hat das Problem bei uns behoben: Der fast 200 MByte große Patch ermöglichte es uns nun, nach Eingabe der Pin Telefonate zu führen und mobile Datenverbindungen zu nutzen.

Die aktuelle Firefox-OS-Version ähnelt strukturell immer noch der ersten, die beispielsweise mit dem Geeksphone Keon ausgeliefert wurde. Neben dem Entsperren gewährt der Sperrbildschirm einen unkomplizierten Zugriff auf die Kamera. Außer den Startbildschirmseiten mit installierten Programmen gibt es immer noch die Suchseite, die neben der globalen Suchleiste auch sogenannte intelligente Sammlungen beinhaltet. Das sind thematische Verzeichnisse von lokal installierten Apps und Webservices, die der Nutzer mit einem langen Druck auf den Startbildschirm ergänzen kann.

Gute Kontrollmöglichkeiten

Firefox OS ermöglicht auch in der aktuellen Version eine gute Kontrolle der mobilen Datenverbindung und des Standortzugriffs. Über die ausklappbare Benachrichtigungszeile kann der Nutzer beispielsweise direkt die Datenverbindung ausschalten. Eine Überwachungsfunktion warnt davor, das Datenlimit zu überschreiten. Den Standortzugriff kann der Nutzer für jede einzelne App erlauben oder verbieten. Über die weiteren Vorzüge von Firefox OS wurde bereits bei früheren Tests berichtet.

Firefox OS langsamer als Android

Im Inneren des Revolution arbeitet ein Hyperthreading-fähiger Dual-Core-Prozessor vom Typ Intel Atom Z2560, der mit 1,6 GHz getaktet ist. Der Arbeitsspeicher ist 1 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher ist mit 4 GByte sehr knapp bemessen. Sowohl unter Firefox OS als auch unter Android stehen dem Nutzer davon nur knapp 2,5 GByte zur Verfügung. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten bis 32 GByte ist zwar eingebaut, Apps können allerdings nicht auf diese verschoben werden.

Die aktuelle Firefox-OS-Version läuft in den Menüs zwar weitgehend flüssig, beim Öffnen der Sammlungen oder Apps fallen mitunter aber deutliche Wartezeiten an. Der Browser schafft es nicht, selbst einfache Internetseiten ruckelfrei anzuzeigen.

Dass dies nicht unbedingt an der Hardware des Revolution liegt, zeigt der Vergleich mit der Leistung des Smartphones unter Android. Hier werden Internetseiten im Standardbrowser ohne Ruckler dargestellt, das Smartphone läuft flüssig in den Menüs, Apps starten ohne große Wartezeiten. Auch grafisch anspruchsvolle Spiele wie Riptide GP2 laufen auf dem Revolution unter Android ohne Stocken.

Durchschnittliche Benchmark-Ergebnisse

In den Android-Benchmarks schlägt sich das Revolution entsprechend der verbauten Hardware durchschnittlich gut. Im Gerätetest Geekbench 3 erreicht es im Single-Modus einen Wert von 459 Punkten, im Multi-Modus 1.072 Punkte - etwa so viel wie das erste Nexus 7 und das Fairphone. Im Grafik-Benchmark GFX Bench kommt es im T-Rex-Test auf 17,1 fps, und damit auf 3 fps mehr als das Oppo N1 . Im 3D-Mark sind die erreichten 5.998 Punkte verglichen mit einem Topgerät wie dem Sony Xperia Z1 (19.155) deutlich weniger - allerdings ist dies auch hier aufgrund der Hardware nicht überraschend.

Viele Nutzer dürften nach dem Vergleich beider Systeme zumindest vorläufig wieder zu Android zurückkehren wollen - der aktuellen Firefox-OS-Version merkt man ihren Pre-Release-Status noch zu deutlich an. Doch dies ist nicht so einfach wie der Wechsel von Android zu Firefox OS: Unter Firefox OS gibt es nämlich keinen Menüpunkt, über den Android automatisch wieder aufgespielt wird.

Stattdessen muss die Android-ROM heruntergeladen und über die Android Debugging Bridge (ADB) manuell installiert werden - was deutlich komplizierter ist und worauf Geeksphone vor dem Wechsel nicht hinweist. Schade, dass der Hersteller es hier nicht einfacher macht, zwischen den Betriebssystemen zu wechseln oder gar eine Dual-Boot-Option anbietet.

Display mit leichtem Blaustich

Das Display des Geeksphone Revolution ist 4,7 Zoll groß und hat eine Auflösung von 960 x 540 Pixeln. Dies ergibt eine Pixeldichte von 234 ppi. Dementsprechend werden Inhalte ausreichend, aber nicht übermäßig scharf dargestellt, einzelne Pixel sind auch mit bloßem Auge erkennbar. Ein Treppeneffekt bei Schriften fällt ebenso auf. Auffällig ist auch ein merklicher Blaustich des Displays. Dieser stört nicht nur bei weißen Flächen - insgesamt wirken die Farben kalt und nicht besonders intensiv. Zudem ist das Display nicht besonders hell.

Die Blickwinkelstabilität ist ausreichend, allerdings nicht so gut wie bei anderen Smartphones. Schaut der Nutzer von schräg rechts unten auf das Display, verliert der Bildschirm deutlich an Helligkeit. Fingerabdrücke bleiben recht leicht auf dem Displayglas haften, lassen sich aber gut wieder abwischen. Der Lagesensor arbeitet ohne nennenswerte Verzögerung, auch der Helligkeitssensor reagiert zuverlässig. Unklar ist, ob das Displayglas besonders kratzfest ist.

Unspektakuläres Gehäuse

Das Gehäuse des Revolution ist aus Kunststoff. Der Rückdeckel ist abnehmbar und knarzt leicht, wenn er auf dem Smartphone sitzt. Der Deckel ist weiß, die Vorderseite schwarz - ansonsten ist das Gerät nicht besonders auffällig gestaltet.

Das Revolution hat unterhalb des Displays drei Sensortasten: zwei kleine Punkte und einen größeren Kreis. Diese haben je nach installiertem Betriebssystem unterschiedliche Funktionen: Unter Android entspricht der Kreis dem Home-Button, der linke Punkt der Menü-Taste und der rechte Punkt der Zurück-Taste - zusätzliche Markierungen fehlen. Unter Firefox OS ist nur der Kreis mit einer Funktion belegt: Auf Knopfdruck kehrt der Nutzer zum Startbildschirm zurück, bei längerem Druck öffnet sich die Übersicht über die momentan geöffneten Apps.

Gute 8-Megapixel-Kamera

Die Kamera auf der Rückseite hat 8 Megapixel, Autofokus und ein LED-Fotolicht. Die Qualität der Fotos ist anständig: Die Bilder haben eine gute Schärfe, die Belichtung stimmt, Details verschwimmen erst bei weit entfernten Objekten. Unter Android verwendet der Nutzer die Standard-Kamera-App, ein HDR-Modus sorgt hier für eine ausgeglichene Belichtung bei Aufnahmesituationen mit starken Helligkeitsunterschieden.

Die Kamera-App unter Firefox OS ist weit weniger umfangreich, hier kann nur der Blitz ein- und ausgeschaltet werden. Einen HDR-Modus gibt es nicht, auch die Auflösung der Fotos kann der Nutzer nicht einstellen. Die Frontkamera hat 1,3 Megapixel und eignet sich für Videotelefonate.

Lange Akkulaufzeit

Das Revolution unterstützt Quad-Band-GSM und UMTS auf den Frequenzen 850, 900, 1.900 und 2.100 MHz. Auf LTE muss der Nutzer verzichten. WLAN beherrscht das Smartphone nach 802.11b/g/n, also nur auf der Frequenz 2,4 GHz. Bluetooth läuft in der Version 3.0, ein GPS-Empfänger ist eingebaut.

Das Gehäuse des Revolution misst 134,8 x 68,2 x 9,6 mm, das Smartphone wiegt 138 Gramm. Der eingebaute Akku hat eine Nennladung von 2.000 mAh. Ein 1.080p-codiertes Video kann das Revolution über 6,5 Stunden lang abspielen, bevor der Akku leer ist - ein sehr guter Wert. Der Prozessor verbraucht im Ruhezustand wenig Energie, weshalb das Smartphone bei alltäglicher Nutzung eine längere Akkulaufzeit hat als die meisten Smartphones mit ARM-Chips. Checken wir lediglich unsere E-Mails, surfen im Internet und schauen ab und zu bei Facebook vorbei, hält das Revolution gute zwei Tage durch.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Revolution ist direkt beim Hersteller Geeksphone über dessen Internetseite bestellbar. Das Smartphone kostet 220 Euro, dazu kommen noch 19 Prozent Mehrwertsteuer, insgesamt liegt der Preis also bei knapp 265 Euro.

Fazit

Mit dem Revolution bringt Geeksphone kein revolutionäres Gerät auf den Markt. Zwar ist der Wechsel von Android zu Firefox OS gut und unkompliziert gelöst, zurück kommen Nutzer ohne weitreichende Kenntnisse aber nur schwer. Denn zurück zu Android dürften nach der Erfahrung der aktuellen Leistungsfähigkeit von Firefox OS nicht wenige wollen.

Unter Android läuft das Revolution flüssig in den Menüs, bei Spielen und bei App-Starts. Unter Firefox OS hingegen reagiert das Smartphone träge, das Öffnen der Themenordner dauert wegen der Ladezeiten der Internetdienste zu lange. Die App-Auswahl bei Firefox OS ist noch lange nicht so groß wie die anderer mobiler Betriebssysteme.

Technisch gesehen ist das Revolution durch und durch ein Mittelklassegerät. Gut gefallen hat uns die Kamera, wobei die App unter Firefox OS mehr als spartanisch ausgestattet ist. Der Intel-Prozessor gehört zwar nicht mehr zu den aktuellen Modellen, erledigt aber seine Arbeit gut und verbraucht besonders im Standby-Betrieb wenig Strom. Ansonsten hat das Gerät keine Highlights. Ärgerlich ist der geringe Speicher.

Für einen Preis von knapp 265 Euro inklusive Steuern lohnt sich das Revolution eher für Nutzer, die unbedingt daran interessiert sind, eine Wechselmöglichkeit auf Firefox OS zu haben. Aktuell sehen wir dafür noch keinen Anreiz: Zu unterentwickelt ist Mozillas Betriebssystem noch. Zudem gibt es bei den reinen Android-Smartphones in dieser Preisklasse interessantere Geräte, beispielsweise das Moto G von Motorola, das unter 200 Euro kostet.


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