Geek-Startups: Lars Hinrichs schließt HackFWD

Im Juni 2010 startete Xing-Gründer Lars Hinrichs HackFWD, um Entwickler zu Unternehmern zu machen, und bot diesen einen einfachen und transparenten Deal an: Den Gründern versprach HackFwd eine einjährige Finanzierung in Höhe des aktuellen Jahresgehalts, um an ihrer Idee zu arbeiten. Dafür verlangte HackFwd rund 30 Prozent Anteil am Unternehmen; drei Prozent für die Berater und 27 Prozent für HackFwd.
Geeks seien die Künstler des 21. Jahrhunderts, sagt Hinrichs, dem es missfällt, dass in Europa, im Gegensatz zu den USA, die meisten Startups von Geschäftsleuten gegründet werden und nicht von Entwicklern.
Nun wird HackFWD eingestellt, wie Hinrichs in einem Blogeintrag ankündigt(öffnet im neuen Fenster) . HackFWD habe zwar viel Aufmerksamkeit erregt und einige tolle Unternehmen hervorgebracht, aber eines fehle: ein Exit, also ein Verkauf oder Börsengang eines der von HackFWD geförderten Unternehmen.
Zudem habe sich die Investorenlandschaft in den vergangenen drei Jahren deutlich verändert. Zum Start von HackFWD habe es kaum einen Startup-Accelerator gegeben, mittlerweile seien zahlreiche gegründet worden und auch viele Großunternehmen versuchen, Startups auf diese Art und Weise an sich zu binden. Zudem unterstüzten immer mehr Startups andere Startups, wie beispielsweise Angellist, schreibt Hinrichs.
Geeks können Firmenchefs sein
Einige der Thesen von HackFWD hätten sich bestätigt, andere nicht, resümiert Hinrichs: Geeks könnten Chefs sein, Europas Geeks seien ebenso talentiert wie amerikanische und gute Mentoren seien mehr Wert als Geld. Auch die alle drei Monate veranstalteten Konferenzen, wo die HackFWD-Gründer mit Investoren, Experten und Firmenchefs zusammenkamen, hätten sich bewährt, ebenso, alle Materialien frei zur Verfügung zu stellen.
Allerdings habe man mitunter zu lang an Ideen festgehalten und starr darauf gesetzt, jedem Team mindestens ein Jahr Zeit einzuräumen. Ideen, die nicht trügen, hätten besser schneller eingestellt werden sollen. Einen großen Fehler sieht Hinrichs bei sich selbst: Es sei ihm nicht gelungen, sich um die Unternehmen zu kümmern und gleichzeitig neue hinzuzuholen. Das habe den geförderten Unternehmen geholfen, HackFWD insgesamt aber nicht vorangebracht.
Bürokratie macht kleinen Unternehmen das Leben schwer
Auch habe HackFWD die Bürokratie in einigen europäischen Staaten unterschätzt. Der Aufwand vor allem für kleine Unternehmen sei enorm, da jedes Land andere Regeln habe. Hinrichs wirbt daher bei Regierungen für einen einfachen europäischen Standard, um kleine Kapitalgesellschaften zu gründen, ohne Notar, mit direktem Zugriff auf Aktien, mit elektronischer Anmeldung, Standardverträgen und europaweit Englisch als Geschäftssprache. Es sollte jemandem aus Spanien mit ein paar Mausklicks möglich sein, für ein lettisches Unternehmen mit Kollegen aus Deutschland und Frankreich zusammenzuarbeiten, so Hinrichs. Heute aber könne das ein jahrelanger Kampf sein.
Hinrichs ist Teil des Leadersclub von EU-Kommissarin Neelie Kroes, die im Oktober der EU-Kommission Ideen zu den Themen "E-Corp" und "Remote Employment" präsentieren will.
Exits dauern länger als geplant
Unterschätzt habe HackFWD auch die Zeit bis zu einem Exit: Dafür müssten fünf bis sieben Jahre eingeplant werden, er habe mit weniger gerechnet, erzählt Hinrichs. In den USA dauere es oft nur ein Jahr, bis Teams von großen Unternehmen übernommen würden. Zwar gab es auch für die Teams von HackFWD entsprechende Angebote, diese seien letztendlich aber an den US-Visa-Regeln gescheitert.
3.000 Bewerbungen, aber nur 16 Unternehmen gefördert
HackFWD erhielt in den drei Jahren seiner Existenz mehr als 3.000 Bewerbungen, nur 16 Firmen wurden in das Programm aufgenommen. Um die Verbleibenden werde sich HackFWD auch weiterhin kümmern, betont Hinrichs: Yieldkit(öffnet im neuen Fenster) , Cobook(öffnet im neuen Fenster) , Infogr.am(öffnet im neuen Fenster) , Watchlater(öffnet im neuen Fenster) , To Be Honest(öffnet im neuen Fenster) , Outlander Studios(öffnet im neuen Fenster) , Filmaster(öffnet im neuen Fenster) , Beamapp(öffnet im neuen Fenster) , Sharypic(öffnet im neuen Fenster) , Starforce Delta(öffnet im neuen Fenster) , Dropify(öffnet im neuen Fenster) , Telety.pe(öffnet im neuen Fenster) , FlockOfBirds(öffnet im neuen Fenster) und Visualnest(öffnet im neuen Fenster) .
Hinrichs hat nach eigenen Angaben rund 8 Millionen Euro in HackFWD und dessen Portfoliounternehmen investiert und geht davon aus, dass die Investitionen am Ende eine gute Dividende abwerfen werden.
Hinrichs selbst will weiterhin als Investor aktiv bleiben, sich aber künftig auf sein zweites Investmentunternehmen Cinco Capital konzentrieren, das eher in späten Phasen in Unternehmen investiert.