Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Gebäudemodernisierungsgesetz: Der Heizrabatt ist nur eine Frage der Zeit

Die schwarz-rote Koalition hält ihr Versprechen und präsentiert den Entwurf für ein rückwärtsgewandtes Heizungsgesetz. Es dürfte teuer für alle werden.
/ Mario Petzold
130 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Ein Thermostat an einem ineffizienten Heizkörper (Bild: Getty Images/Sean Gallup)
Ein Thermostat an einem ineffizienten Heizkörper Bild: Getty Images/Sean Gallup

Nachdem bereits das Eckpunktepapier zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz einsehbar war, präsentiert das Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche nicht viel Neues. Zukünftig sind wieder alle Heizungen erlaubt, Hauptsache es besteht die theoretische Möglichkeit, sie irgendwann ein bisschen klimaneutral betreiben zu können.

Technologieoffenheit nennt sich das, auch wenn es nur darum geht, möglichst lange die Nutzung fossiler Energien offenzuhalten. Denn anders als Öl- und Gasheizungen wäre zum Beispiel ein Holzpelletofen nach der bisherigen Gesetzgebung ebenfalls erlaubt.

Eingeführt wird statt einer verpflichtenden Quote die Biotreppe, die besagt, dass irgendwann in ferner Zukunft, konkret 2040, wenigstens 60 Prozent Beimischung von erneuerbaren Energieträgern verpflichtend sind. Das könnten brennbare Energieträger wie Wasserstoff, Biogas oder etwas sein, das bestimmt noch bis dahin erfunden wird. Verfügbarkeit und Kosten unbekannt.

Verpasste Zukunftsinvestition

Die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen wird kommen, aber wesentlich langsamer und schon gar nicht verpflichtend, wie es die bisherige Regelung vorsieht. Die hätte fast schon zwingend eine Wärmepumpe oder einen Fernwärmeanschluss erfordert.

Geschätzte Investitionskosten dafür belaufen sich auf 20.000 bis 30.000 Euro, zusätzliche Umrüstungsarbeiten nicht ausgeschlossen. Dass sich das dennoch nach 10 bis 15 Jahren auszahlt, spielt dann häufig keine Rolle, wenn die neue Gastherme erst einmal nur 3.000 Euro kostet.

Die Bundesregierung nennt laut Deutschlandfunk(öffnet im neuen Fenster) über 7 Milliarden Euro Entlastung für Industrie und Privatsektor, erklärt die Zahl aber nicht weiter und meint damit dringend nötige Investitionen, die dank der Änderung nicht jetzt, sondern erst irgendwann getätigt werden müssen.

Bezahlt wird zum Schluss

Dass sich das nicht rächt, ist mindestens zweifelhaft. Werden die Investitionen verschleppt, noch dazu ohne Not, wird die Heizkostenrechnung steigen. Mindestens von einer Verdopplung, eher einer Verdreifachung darf man ausgehen, wenn neben den Energiekosten auch Netzkosten und weitere Abgaben steigen.

Dann braucht es nicht einmal die nächste oder übernächste Energiekrise, damit die Rufe nach einem Heizrabatt kommen. Profitieren werden davon nicht diejenigen, die frühzeitig gedämmt oder auf Fernwärme und Wärmepumpe gesetzt haben. Wie beim Tankrabatt, von dem die Elektroautofahrerin und der Bahnkunde gar nichts haben, werden die am meisten geschont, die zunächst beim billigeren, ineffizienteren System geblieben sind.

Dafür zahlen müssen am Schluss trotzdem alle.

IMHO ist der Kommentar von Golem [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]


Relevante Themen